Banger Blick aufs Wetter

Stromausfälle durchaus möglich: Nürnberger Energieversorger N-Ergie bereitet sich vor

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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25.11.2022, 10:39 Uhr
Die N-Ergie versorgt die Menschen in großen Teilen Nordbayerns mit Strom und Erdgas sowie die Einwohner der Stadt Nürnberg zusätzlich mit Trinkwasser und Fernwärme. 

© imago images/Future Image, NNZ Die N-Ergie versorgt die Menschen in großen Teilen Nordbayerns mit Strom und Erdgas sowie die Einwohner der Stadt Nürnberg zusätzlich mit Trinkwasser und Fernwärme. 

Das Wetter hat Maik Render genau im Blick. Einmal die Woche gibt es Prognosen, die zu den meistgefragten Dokumenten in der N-Ergie-Zentrale am Nürnberger Plärrer zählen. "Wir wünschen uns einen warmen Winter", lautet die Devise des seit Oktober amtierenden Vorstandssprechers.

Das war nicht immer so: Früher galten Minustemperaturen als Garanten für hohe Umsätze und am Ende einer Heizsaison somit auch für höherer Erträge. Auf die verzichtet Render zwar nicht gerne, doch im Winter 2022/23 steht die Versorgungssicherheit ganz oben auf der Wunschliste.

Allzu große Sorgen macht sich der Top-Manager allerdings nicht: Einen Blackout, von einigen Politikern und Medien immer wieder heraufbeschworen, fürchtet der N-Ergie-Chef definitiv nicht. Stattdessen hält er "Störungen" für möglich. Dass in Nürnberg etwa für vier Stunden am Stück der Strom ausfällt, könne möglich sein.

Doch auch hier gilt: Der größte Energieversorger der Region will ein solches Szenario möglichst vermeiden, in regelmäßig stattfindenden Trainingssequenzen bereiten sich die Mitarbeiter auf Ausnahmesituationen vor. Grundsätzlich sei Deutschland vor diesem ersten Winter, der ohne Gaslieferungen aus Russland überstanden werden muss, gut aufgestellt: "Die Gasspeicher sind voll, alle Signale stehen auf Entspannung", verbreitet Render im Podcast "Horch amol" Zuversicht.

Vorstands-Duo bei der N-ERGIE bestätigt: Seit 1. Oktober 2022 stehen Maik Render und Magdalena Weigel dem regionalen Energieversorger als Führungsduo vor.

Vorstands-Duo bei der N-ERGIE bestätigt: Seit 1. Oktober 2022 stehen Maik Render und Magdalena Weigel dem regionalen Energieversorger als Führungsduo vor. © N-ERGIE/Torsten Hönig, NNZ

Diese Zuversicht endet jedoch, wenn es um den Geldbeutel der Verbraucher geht: Im Vergleich zum vergangenen Jahr müssten wir Verbraucher wohl mit um das Zweieinhalb bis Dreifache höheren Gaspreisen rechnen. Und nach einem - derzeit nicht absehbaren - Ende des Ukraine-Krieges sei nicht mit einem Rückgang auf das alte Niveau zu rechnen.

Trübe Aussichten, die Render aber nicht dazu verleiten, die über Jahrzehnte praktizierte Energiepolitik pauschal zu verunglimpfen: "Hinterher ist man immer klüger, heute wird sicher mehr auf Energieautarkie geachtet." Diese wachsende Unabhängigkeit strebe auch die N-Ergie an, wobei es auch weiterhin einen Energiemix geben werde.

Der Wärmespeicher der N-Ergie in Nürnberg-Sandreuth. 

Der Wärmespeicher der N-Ergie in Nürnberg-Sandreuth.  © OBJ20693483_1.jpg, NNZ

Apropos Mix: Die Städtischen Werke, zu denen neben der N-Ergie auch die VAG gehört, lebten in der Vergangenheit stets von einer Mischkalkulation. Satten Verlusten des Verkehrsbetriebes standen häufig ebensolche Gewinne des Energiesektors gegenüber. Render rechnet zumindest für dieses Jahr mit einem guten Geschäftsergebnis und verkündet somit eine gute Nachricht für die leere Stadtkasse. "Das liegt daran, dass wir heuer im Abschluss vor allem das Jahr 2021 wiederfinden", erläutert der Experte.

Doch auch für die kommenden Jahre ist er zuversichtlich, wenn es um die Gewinnabführung durch die N-Ergie an den Mutterkonzern Städtische Werke geht. Diese werde wohl weiter möglich sein. Die Kommunalpolitiker werden sich über solche Aussagen freuen.

Mit der Bundespolitik geht der Vorstandssprecher hingegen hart ins Gericht: Ad-hoc-Entscheidungen, die von den Energieunternehmen umgesetzt werden müssten, führten "zu brutal viel Arbeit". An den Wochenenden werde durchgearbeitet, um all die Vorgaben umsetzen zu können, beispielsweise veränderte Abrechnungsmodalitäten für den Monat Dezember, die am 17. November vom Kabinett in Berlin beschlossen wurden.

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