Sturz aufs U-Bahn-Gleis: Passantin rettet Zehnjährigen

Hartmut Voigt
Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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1.2.2019, 14:23 Uhr

"Das war absolut richtig, denn dadurch wurde die U-Bahn unmittelbar gestoppt", sagt Elisabeth Seitzinger, Pressesprecherin der Verkehrs AG, "bei einem derartigen Vorfall soll man immer zuerst den Nothalt ziehen und erst anschließend den Notruf betätigen."

Der Junge habe totales Glück gehabt, meint die VAG-Mitarbeiterin: Die U-Bahn war noch weit entfernt, allerdings seien ihre Lichter am Halt Langwasser Mitte bereits zu sehen gewesen. Eine Frau beobachtete danach jedoch am Bahnsteig, dass nun drei weitere Schüler ebenfalls viel zu nahe an der Bahnsteigkante standen. Sie waren anscheinend unbeeindruckt von dem Geschehen und wollten nachschauen, wie lange die U-Bahn noch steht.

Unbedingt den Sicherheitsabstand wahren

Seitzinger appelliert an alle VAG-Kunden, am Bahnsteig unbedingt aufmerksam zu bleiben. Eltern sollten ihre kleinen Kinder an der Hand halten, Jugendliche und Erwachsene sich nicht von ihren Handys ablenken lassen. Außerdem sollten alle den Sicherheitsabstand von der Bahnsteigkante wahren.

Der zehnjährige Schüler war versehentlich ins Gleisbett gestürzt. Doch es gibt auch zahllose Fälle, in denen Menschen absichtlich vom Bahnsteig hinunter springen, um beispielsweise ihr hinunter gefallenes Handy zu holen. Das ist verboten: Es stellt einen unerlaubten Eingriff in den Bahnverkehr dar, den die Verkehrs AG mit 200 Euro Gebühr ahndet.

Etwa 100 Mal pro Jahr spricht das Verkehrsunternehmen eine derartige Verwarnung aus. Die sei absolut notwendig, weil manche Kunden die große Gefahr nicht richtig einschätzen, so die Sprecherin. Bei der Straßenbahn sei es bereits zu Zusammenstößen mit Fußgängern gekommen: Die Passanten waren derart in ihr Handy vertieft, dass sie die heranrollende Tram nicht bemerkt hatten, berichtet Seitzinger: "Konzentration im Straßenverkehr ist bei allen Teilnehmern Pflicht."

Umrüstung würde Probleme verursachen

Andere Städte sichern die U-Bahnsteige mit hohen Wänden direkt an der Fahrbahnkante, so dass niemand auf die Gleise fallen kann. Türen in der Wand öffnen sich erst, wenn die U-Bahn eingefahren ist und steht. 

Warum gibt es ein derart geschlossenes System nicht auch in Nürnberg? "Beim U-Bahn-Bau hat man sich vor vielen Jahren für das offene System entschieden", sagt die VAG-Sprecherin, "ein Nachrüsten würde große technische Probleme verursachen. Bei gekrümmten Bahnsteigen ist das nicht möglich."

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