Tempo 30 in Nürnberg: Testläufe auf Hauptverkehrsstraßen?

13.1.2016, 08:00 Uhr
Ein Blick in die Lobsingerstraße vom Kirchenweg aus: Hier kam es in der Vergangenheit mehrmals zu Unfällen. Tempo 30 soll dabei helfen, den Brennpunkt zu entschärfen.

Ein Blick in die Lobsingerstraße vom Kirchenweg aus: Hier kam es in der Vergangenheit mehrmals zu Unfällen. Tempo 30 soll dabei helfen, den Brennpunkt zu entschärfen. © Horst Linke

Im Deutschen Städtetag wird derzeit über nichts weniger als die Umkehrung der aktuellen Temporegelung diskutiert. Die Frage ist: Was wäre, wenn in den Städten nicht mehr wie bislang grundsätzlich Tempo 50 gelten würde, sondern Tempo 30? Wenn alle Tempo-30-Schilder abgebaut würden und dort, wo man ausnahmsweise schneller fahren darf, Tempo-50-Schilder stehen müssten?

Die Debatte im Deutschen Städtetag wird kontrovers geführt. In Nürnberg wäre eine solche Neuordnung mit der CSU aber nicht zu machen, stellt Fraktionschef Sebastian Brehm klar. "Ich habe kein Vertrauen darin, dass das Verkehrsplanungsamt in Nürnberg Tempo 50 an den richtigen Stellen anordnen würde." Für Brehm hat ein "flüssiger" Verkehr auf den Hauptstraßen Priorität. Im Verkehrsplanungsamt sehe man das anders. Dort wolle man tendenziell den Autoverkehr aus der Stadt raushalten, meint Brehm.

Er sei auch kein Freund des Tempo-30-Modellversuchs in der Südstadt. Wie berichtet, testet die Stadt dort ein Jahr lang, was die geringere Geschwindigkeit für die Lärmbelastung der Anwohner bringt. In der Südstadt müssen Autofahrer in der Probephase auch in drei Hauptverkehrsstraßen auf die Bremse treten, nämlich in der Schuckert-, Gudrun- und Markgrafenstraße.

Brehm setzt auf Flüsterasphalt

"Die CSU hat verhindert, dass Tempo 30 dort testweise in noch mehr Hauptverkehrsstraßen gilt", sagt Brehm. Er setze lieber auf Flüsterasphalt. Bei Straßensanierungen, wie demnächst in der Bayernstraße, sollte man lärmmindernden Belag verwenden, meint Brehm. "Das ist für die Stadt durchaus bezahlbar."

Brehms Parteikollege Tobias Schmidt, der zugleich 1. Vorsitzender des Vorstadtvereins Nürnberg-Nord ist, schlägt vor, im Bierweg, in der Marienberg- und in der Ziegelsteinstraße probeweise Tempo 30 einzuführen. Letztere sei zum größten Teil eine Wohngebietsstraße, ein Limit entlaste die Anwohner.
Die Marienbergstraße sei teilweise eine "Holperpiste", sagt Schmidt. Der Verkehrslärm könne schon durch eine Sanierung reduziert werden. "Wo sie durch Wohngebiete verläuft, könnte sich aber ein Tempo- 30-Testlauf lohnen."

Im Bierweg, für den der Vorstadtverein mal Flüsterasphalt vorgeschlagen habe, bremsten bauliche Gegebenheiten wie Verkehrsinseln die Autos bereits etwas aus. Er verübele Schmidt den Vorstoß in Sachen Tempolimit auf Hauptverkehrsstraßen nicht, betont Sebastian Brehm auf Nachfrage. Im Bierweg könne er sich das auch vorstellen, weil dieser oft als Zubringer zum Flughafen missbraucht werde. Über Marienberg- und Ziegelsteinstraße müsse man diskutieren.

Ganz auf Brehms Linie liegt Nürnbergs Personalreferent Wolfgang Köhler (CSU). Er nutzt seine Rolle als 1. Vorsitzender des Bürger- und Geschichtsvereins Mögeldorf, um das Verkehrsplanungsamt ins Visier zu nehmen. Der Verein lehne Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen grundsätzlich ab.
 

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