«Tiefes Feld»: Verwaltung plant neuen Stadtteil

22.10.2008, 00:00 Uhr
Das Tiefe Feld aus der Vogelperspektive

Das Tiefe Feld aus der Vogelperspektive © Luftbild Nürnberg/Hajo Dietz

Während die Pläne für einen neuen Stadtteil an der Brunecker Straße im Stadtsüden feststecken, zieht die Stadt bereits eine neue Idee aus der Schublade: Das «Tiefe Feld» zwischen den Stadtteilen Großreuth und Kleinreuth wird durch die U-Bahn im Norden erschlossen. Zudem soll die Neue Rothenburger Straße durch den Teil geführt werden. Rund um die neue U-Bahn-Station Kleinreuth, die 2018 in Betrieb gehen soll, möchte die Stadt ein neues Quartier entwickeln.

Europaweiter Wettbewerb

«Es soll ein zukunftsfähiger neuer Stadtteil mit einer großen Attraktivität entstehen», sagt Baureferent Wolfgang Baumann. Nächste Woche will er die Idee zu einem europaweiten Wettbewerb im Stadtplanungsausschuss vorstellen. Das eher landwirtschaftlich genutzte Areal ist 67 Hektar groß. Im Norden sind 14 Hektar für Wohnen, 16 für Gewerbe vorgesehen. Die Freiflächen im Süden machen mit 36 Hektar den Großteil aus und sollen der Naherholung dienen. Das neue Quartier, so Baumann, «soll helfen, den Bedarf an Wohn- und Gewerberaum zu decken».

Frische Ideen erhofft man sich im Rathaus durch den Ideenwettbewerb «Europan«, der im Januar 2009 zum zehnten Mal startet. Das Thema: «Die Zukunft der europäischen Stadt«. Baumann empfiehlt die Teilnahme, auch wenn die Finanzierung von 125000 Euro noch nicht gesichert ist. Er verspricht sich aber verschiedene Lösungsvorschläge. Vorgaben sind die neuen Verkehrsanschlüsse sowie «Energieeffizienz« beim Bauen und Erschließen, «schonender Umgang mit Grund und Boden« sowie eine «Wohn- und Lebensumgebung für unterschiedliche soziale Gruppen». Im Januar 2010 können die Ergebnisse vorliegen, wenn man teilnimmt.

Streit seit 20 Jahren

«Der Blick von außen und durch frische Ideen junger Planer eröffnet ein vielfältiges Ideenspektrum», preist die Oberste Baubehörde den Wettbewerb. Das Einbeziehen von internationalen Lösungsvorschlägen in lokale Prozesse bringe häufig eine überraschende Sicht der Dinge und innovative Lösungen, die die Diskussion vor Ort abkürzen oder beleben können.

Diskussionen vor Ort: Die Pläne für das ebene «Tiefe Feld» gleichen bisher einem Minenfeld. Seit 20 Jahren wird darüber gestritten. Im OB-Wahlkampf 1987 und dann Anfang der 90er-Jahre war ein großes Gewerbegebiet im Gespräch. Danach tauchte gegen Ende der 90er die Idee einer Bundesgartenschau auf, die wieder verworfen wurde. Immer gab es Widerstand aus der Bürgerschaft im Westen, gerade aus der Landwirtschaft.

Die «Bürgeriniative Tiefes Feld» war der Vorläufer des Bürgervereins Nürnberger Westen, 1995 gegründet. Den Vorsitz hat seitdem Peter Büttner inne. Die Vorlage für den Ausschuss ist ihm zu dürftig. «Wir erwarten mehr Informationen von der Stadt», betont er. Die Nutzung des Areals müsse dem Flächennutzungsplan folgen, der im Süden große Freiflächen vorsehe. Und er warnt vor Gewerbe ganz im Norden. In Kleinreuth an der Sigmundstraße gebe es schon genug Belastungen, so Büttner. Dass aber mit der U-Bahn auch das Thema Bebauung wiederkomme, war ihm klar.