Triumph-Motorräder : Schlicht und unverwüstlich

31.5.2013, 21:30 Uhr
110 Jahre ist es her, dass die Firma Triumph ihre ersten Motorräder in Nürnberg baute. Zum Jubiläum lud die

110 Jahre ist es her, dass die Firma Triumph ihre ersten Motorräder in Nürnberg baute. Zum Jubiläum lud die "Triumph Werke Nürnberg Zweirad-Interessengemeinschaft" zum nostalgischen Rendezvous ins Museum Industriekultur. © Stefan Hippel

Dutzende Maschinen stehen in Reih‘ und Glied, über 200 Neugierige, darunter auch ehemalige Werks-Rennfahrer aus ganz Deutschland, fachsimpeln, fotografieren und bewundern die parkenden Zweiräder. Die faszinieren nicht durch viel PS, frisch poliertes, blinkendes Chrom, Metallic-Lackierungen oder einen dicken Auspuff. Es ist die Schlichtheit der Oldtimer und ihre unverwüstliche Technik, die begeistert.

Günter Schaffert wurde die Liebe zur Marke quasi in die Wiege gelegt. Als der Bub 1937 geboren wurde, arbeitete sein Vater als Reparateur bei Triumph. 14 Jahre später begann der Junge bei dem Unternehmen eine Lehre. Kurz darauf war er stolzer Besitzer seines ersten Motorrads. Der Bub hatte es beim Seifenkistenrennen gewonnen, „allerdings war die Maschine von Hercules“, erinnert sich der heute 75-Jährige und schmunzelt.

Nürnberg war früher ein wahres Zweirad-Mekka: „In den 20er Jahren gab es in Nürnberg über 40 Motorradhersteller“, weiß Matthias Murko, Leiter des Museums Industriekultur und selbst Fan alter Knatterkisten. Doch während der Weltwirtschaftskrise seien bis auf Victoria, Hercules, Mars, Zündapp, Triumph, Ardie und Hecker alle verschwunden.

Um die saisonalen Schwankungen der Verkaufszahlen zu umgehen und die Arbeiter ganzjährig beschäftigen zu können, hatte Triumph 1909 ein Schreibmaschinenwerk dazugekauft. Der Geschäftszweig wurde schnell zu einem wichtigen Standbein für die Firma. Max Grundig übernahm Triumph 1956 und legte sie mit den Adlerwerken zu Triumph-Adler (TA) zusammen. Die Produktion von Motorrädern wurde noch im selben Jahr eingestellt.

Mit Kniebundhose

Doch die Zweiräder aus Nürnberg behielten Kultstatus — und gewannen immer neue Fans dazu, wie beispielsweise Helmut Segert. Der 47-jährige begibt sich regelmäßig auf Zeitreise, hat sich inzwischen sogar das originalgetreue Outfit mit Kniebundhosen und Leinenhemd zugelegt. „Früher hatte ich auch ein ganz normales japanisches Motorrad“, erzählt der Angestellte, doch dann erwachte sein Interesse für die Geschichte der motorisierten Bikes. Inzwischen hat er 20 Oldtimer. Schmuckstück ist eine Triumph Baujahr 1927. Wie viele Kilometer sie auf dem Buckel hat, weiß er nicht. „Damals gab es keinen Tacho und keinen Kilometerzähler.“

Einen ganz besonderen Vorteil haben die Oldtimer gegenüber ihren Nachfolgern: „Da ist keine Technik drin, die man kaputtmachen kann“, schwärmt ein Besucher. Auch deshalb kann „die jeder mit ein bisschen Wissen richten“.

Dieses Argument zählt auch für Ulrike Hoppe (51). Früher fuhr die Verkäuferin bei ihrem Mann hintendrauf mit, später machte sie selbst den Führerschein und wurde stolze Besitzerin einer Triumph Cornet, Baujahr 1953. „Hören Sie diesen Klang“, sagt sie begeistert, als ein Triumph-Oldie startet, „und wenn mal was ist, dann hat mein Mann das mit ein paar Handgriffen repariert.“

Das wird auch Günter Schaffert jetzt machen müssen. Seine Triumph hat ihn ausgerechnet am Tag des Jubiläumstreffens im Stich gelassen. „In der Pillenreuther Straße wollte sie nicht mehr. Jetzt habe ich sie erst mal heimgeschoben.“ Dann packte er schnell seinen alten Helm, den originalen Regenmantel und die Handschuhe ein — und lieh sich von seinem Sohn das Auto. „Einen eigenen Wagen habe ich nie gehabt.“

Am morgigen Sonntag wird sein Oldie wieder fahrbereit sein. Dann findet von 10 bis 12.30 Uhr das Abschlusstreffen im Museum statt. Neben historischen Maschinen werden auch wieder ehemalige Mitarbeiter dabei sein, um die Werksgeschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Keine Kommentare