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Trotz Preiserhöhung: Tiergarten kratzt an neuen Rekorden

Erstes Quartal des Jahres ist in Nürnberg das bestbesuchteste aller Zeiten - 20.04.2019 05:53 Uhr

Die Delfinshow im Tiergarten lockt nach wie vor viele Zuschauer an. © Günter Distler


Die meisten Tiere am Schmausenbuck haben ein Gehege. Eines aber hat sogar sein eigenes Büro: der Wetterfrosch. Sein Name ist Dieter Kühnlein. Er ist der Verwaltungschef des Nürnberger Tiergartens. Vier Wetterberichte verfolgt Kühnlein jeden Tag, bevor er entscheidet, wie viele Mitarbeiter beispielsweise an Wochenenden im Zoo im Einsatz sind. Scheint die Sonne, sind mehr Kassen geöffnet, ist mehr Sicherheitspersonal nötig, mehr Reinigungspersonal. Bei Regen weniger.


Bis zu 25 Grad: So wird das Wetter am Osterwochenende


Der Tiergarten ist für den Herrn der Zahlen eine Herzensaufgabe. Und eine, die ihm momentan das Herz höherschlagen lässt. Der Grund sind die Besucherstatistiken. Die aus dem vergangenen Jahr beispielsweise, als 1.186 352.Gäste in den Tiergarten kamen. Ein Rekord ist das drittbeste Zoojahr aller Zeiten nicht, für Dieter Kühnlein dennoch "gigantisch". Er weiß die Zahl einzuordnen.

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Nur 2008 und 2011 hat der Tiergarten mehr Besucher am Schmausenbuck begrüßt, "vor acht Jahren wurde die Lagune eröffnet — und davor war Flocke". Die 1,28 Millionen Gäste aus der Saison zu toppen, als die Eisbärin ganz Franken dahinschmelzen lässt, hält Kühnlein für zu kühn.

Was ist das perfekte Wetter?

Das Ergebnis von 2018 aber ist aus zwei weiteren Gründen erstaunlich: Zum einen wegen des Wetters, bei dem Dieter Kühnlein konkrete Wünsche hat. "Zwischen 20 und 25 Grad", das sei das perfekte Tiergartenwetter. Wird es heißer, löst das Bad den Zoo aus Ausflugsziel ab — eigentlich. Doch trotz des Supersommers vergangenes Jahr sind die Besucherzahlen im Juli und August — und trotz eines sehr schlechten Junis — sehr gut.

Zum anderen hat der Tiergarten vor fast genau einem Jahr die Preise erhöht, zum ersten Mal seit der Lagugen-Eröffnung. Um acht bis 22 Prozent ist der Eintritt teurer geworden. Seitdem kostet zum Beispiel die Karte für einen Erwachsenen 16 statt 13,50 Euro, für Kinder (bis 13 Jahre) 7,70 statt 6,50 Euro.

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Da schluckt der Kaufmann. Dieter Kühnlein nicht. Er weiß: "Der Tiergarten ist unelastisch." Er meint die Preiselastizität. Mit der wird gemessen, wie sich eine Preisänderung in diesem Fall negativ auf die Nachfrage auswirkt. Im Zoo tut sie das kaum, wie das vergangene Jahr zeigt.

Bester Saisonstart aller Zeiten

Und der Saisonstart 2019. Denn das aktuelle Quartal ist das beste, dass es je im Tiergarten gegeben hat. 192.030 Besucher haben heuer schon Giraffen, Tiger und Löwen in ihren Gehegen bewundert — das stellt sogar die ersten drei Monate 2014 in den Schatten (175.057 Gäste).

Ein Grund: das Wetter. Von dem bleibt der Tiergarten abhängig. Auch wenn eine andere von Kühnleins vielen Zahlen für etwas Unabhängigkeit sorgt. Die Rede ist von den verkauften Dauerkarten. Im vergangenen Jahr hat der Zoo 9698 Dauerkarten verkauft. Rekord. Im Vorjahr waren es noch 8438 Saisontickets, 2010 nur 2654.

Ob es heuer wieder so viele werden, bezweifelt Kühnlein. Viele hatten sich vergangenes Jahr vor allem bis April für eine Jahreskarte entschieden — rechtzeitig vor der Preiserhöhung. "Ob die dieses Jahr wieder eine nehmen, sehen wir Ende April bis Mai", sagt Kühnlein.

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Kritische Kundenreaktionen aus dem vergangenen Jahr kann Kühnlein aber an einer Hand abzählen. "Natürlich wurde an den Kassenhäuschen am Anfang nachgefragt, wieso wir die Preise erhöht haben", sagt Kühnlein. Seinen Mitarbeitern hat er als Antwortmöglichkeit mitgegeben, "dass es ja das erste Mal seit sieben Jahren gewesen ist". Schon das hat die meisten besänftigt.

Zumal Kühnlein noch mehr Argumente hat. Allen voran die Strompreise, die seit 2011 um 47 Prozent gestiegen sind. Jedes Jahr gibt der Tiergarten hier 800.000 Euro aus. Zum Vergleich: Die Futtermittel kosten den Zoo "nur" 1000 Euro am Tag.

Die Eintrittspreise sollen außerdem dazu dienen, den Tiergarten in Schuss zu halten. Dieter Kühnlein erinnert daran, dass die Anlage am Schmausenbuck heuer bereits 80 Jahre alt wird. Und dass man auch dieses Jahr wieder Neues für seine Gäste bereithält. 

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