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Trotz Sperrung: Spaziergänger entern Norikusbucht

Bauzäune niedergerissen - Bürgermeister Vogel will Wachdienst beauftragen - 11.06.2018 05:55 Uhr

Der Bauzaun an der Brücke zum Damm entlang der Bucht ist umgebogen, die Absperrung zur Seite geschoben. © Julia Ruhnau


Der Rasen ist frisch angesät, Bewegungspark und Wasserspielplatz liegen verwaist hinter einem Bauzaun, auf dem Damm sammelt sich der Gänsekot: Die Norikusbucht hat Schonfrist. Eigentlich. Denn am Sonntag tummelten sich zahlreiche Sonnenhungrige auf dem Damm und an den Ufern rund um das Gewässer. Und das, obwohl das Gelände offiziell erst am 15. Juni eröffnet werden soll.

"Der neu angesäte Rasen auf den Liegewiesen muss erst richtig anwachsen und dichter werden", teilt die Stadt auf ihrer Webseite mit. "Am 15. Juni 2018 wird die Badebucht offiziell eröffnet, dann verschwinden auch die Bauzäune", heißt es dort.

Bauzaun umgebogen

Die Flaneure störte der Zaun am Wochenende nicht. In der Absperrung, die den Zugang von der kleinen Brücke hinter dem Bootsverleih zum Damm an der Bucht verhindern soll, klafft ein Loch, der Bauzaun hängt verbogen über dem Brückengeländer. Auch auf dem Gehweg ist die Absperrung an einer Stelle zur Seite geschoben. Die so geschaffenen Eingänge sehen zwar nicht gerade offiziell aus, trotzdem war einigen Spaziergängern gar nicht bewusst, dass das Gelände noch nicht eröffnet ist.

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Sonnenbaden an der Norikusbucht: Spaziergänger ignorieren Sperre

Das strahlende Sommerwetter hat am Sonntag zahlreiche Nürnberger dazu gebracht, ihren Spaziergang rund um den Wöhrder See auf die Norikusbucht auszudehnen. Die ist eigentlich noch gesperrt - doch im Bauzaun klaffen Löcher.


"Wir haben kein Schild gesehen", teilen zwei Passanten mit Hund mit, zwei weitere sind überrascht, wenn man sie auf die Sperrung anspricht. Eine Familie mit Kinderwagen fragt sogar, ob es denn hinter dem Spielplatz keinen Ausgang gibt - "jetzt müssen wir den ganzen Weg wieder zurücklaufen."

Geringfügige Ordnungswidrigkeit

Spricht man die Polizei auf diesen kleinen Anfall von Rebellentum mitten in der Stadt an, bekommt man folgende Auskunft: Solange die Stadt nicht aktiv wird, sieht sich die Polizei nicht zuständig. Wenn überhaupt, handle es sich nur um eine "geringfügige Ordnungswidrigkeit", heißt es aus der Einsatzzentrale der Polizei Mittelfranken. Das klingt nach einer Entwarnung für alle, die hier trotz Verbot ihre Runden drehen - oder es Ministerpräsident Markus Söder gleichtun und sich im Wasser eine Erfrischung holen. Der badete dort 2016 (damals noch als Finanzminister) nach eigenen Angaben das erste Mal in einem natürlichen Gewässer.

Eine härtere Tonart als die Polizei schlägt André Winkel vom städtischen Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) an: „Das ist kein Kavaliersdelikt mehr, sondern schon Sachbeschädigung“, ärgert sich Winkel mit Blick auf den Bauzaun, der nicht nur einfach beiseite geschoben, sondern massiv verbogen worden sei. 

Immerhin ist der angesäte Rasen, den es zu schützen galt, durch die vorzeitige Begehung nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, wie eine Begutachtung durch Sör-Mitarbeiter gezeigt hat. Wäre das der Fall gewesen, hätten ähnliche Folgen gedroht wie vor zwei Jahren, als die neue Ufer-Terasse auf der Insel-Schütt eingerichtet wurde: Weil Vandalen die Absperrung überwunden und das junge Gras zertrampelt hatten, verzögerte sich die Eröffnung damals um mehrere Wochen. 

Zudem, erinnert Sör-Sprecher Winkel, dienen Zäune nicht nur dem Schutz der Baustelle, sondern sollen vor allem auch Menschen vor Verletzungsrisiken bewahren. „Wir bemerken das zum Beispiel derzeit leider auch im westlichen Burggraben, wo wir die Wege neu gestalten: Trotz Zaun sind dort immer wieder Skater anzutreffen, die die Anlagen nutzen.“

Sör-Chef ist verärgert

Winkels Chef, Sör-Werkleiter und Bürgermeister Christian Vogel geht das auch gehörig gegen den Strich: „Es ist schade — und ich sage offen — auch ärgerlich, dass manche Zeitgenossen, alle Vorgaben einfach ignorieren“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Den Vorfall am Wöhrder See hat er bereits am Sonntag bemerkt. Als er zufällig mit dem Fahrrad dort  vorbeigefahren sei, so Vogel, habe er seinen Augen nicht getraut: „Die Menschen liegen trotz Absperrung im anwachsenden Gras.“ Erst auf seine persönliche Ansprache hin, hätten die Leute die Fläche  wieder verlassen. 

„Es ist schade, weil dort schon vor der Eröffnung nicht nur der Rasen zerstört wird, sondern auch Müll und Essensreste  liegen bleiben“, schreibt der Sör-Chef. Aus diesem Grund, kündigt Vogel an, „habe ich mich entschieden dort in den Abendstunden und Nachts einen Kontroll- und Sicherheitsdienst zur Beobachtung der neuen Flächen zu beauftragen.“ 

Julia Ruhnau nordbayern.de E-Mail

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