U-Bahn unterquert Main-Donau-Kanal

Tunneldurchschlag in Gebersdorf: Meilenstein beim Ausbau der U3 geschafft

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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23.3.2022, 16:30 Uhr
Die Fräse des Tunnelbaggers arbeitet sich durch die letzten Zentimeter Gestein. Gleich ist die Strecke von Kleinreuth bei Schweinau nach Gebersdorf verbunden.
 

© Michael Matejka, NNZ Die Fräse des Tunnelbaggers arbeitet sich durch die letzten Zentimeter Gestein. Gleich ist die Strecke von Kleinreuth bei Schweinau nach Gebersdorf verbunden.  

Auf diesen Moment haben alle Beteiligten 19 Monate lang hingearbeitet. Unter den Augen zahlreicher Beobachter drückt Tunnelpatin Anke König den roten Knopf. Ein Signal ertönt, schon setzt sich auf der Baustelle ein großer gelber Tunnelbagger in Bewegung. Kurz darauf ist er in all dem Staub, den er verursacht, kaum noch zu erkennen. Etwa zehn Minuten dauert es, bis sich seine Fräse durch den letzten Felsstock hindurchgearbeitet hat. Mit dem symbolischen Akt auf der Baustelle sind die Vortriebsarbeiten für die künftige U-Bahn-Strecke nach Gebersdorf offiziell beendet.

Welche Dimensionen die Arbeiten im Südwesten Nürnbergs haben, verdeutlicht Baureferent Daniel Ulrich mit Blick auf die zahlreichen Erd- und Schutthaufen. So mussten rund 38.600 Kubikmeter Stein mit etwa 100.000 Tonnen Gewicht ausgehoben und abtransportiert werden. Eine der Besonderheiten: Die Strecke führt am Tiefen Feld unter der Ringbahn und unter dem Main-Donau-Kanal hindurch. Die Zahl der Anwohnerbeschwerden habe sich in Grenzen gehalten, wohl auch, weil sich die nötigen Lastwagenfahrten auf Zeiten von 7 bis 20 Uhr beschränkt hätten.

Oberbürgermeister Marcus König kann sich noch gut an den 7. August 2020 erinnern, als der Startschuss auf der anderen Seite des Tunnels erfolgte. Im Ausbau der Linie U3 über die Haltestelle Kleinreuth bei Schweinau zur künftigen Endstation Gebersdorf sieht König „ein klares Bekenntnis für den ÖPNV“. Für ihn ist die Geschichte der Nürnberger U-Bahn eine Erfolgsgeschichte, die es fortzuschreiben gelte.

Stadt investierte 300 Millionen Euro

Als vor 55 Jahren die ersten Arbeiten im Nürnberger Untergrund begonnen haben, habe sich wohl niemand vorstellen können, dass das Nürnberger U-Bahnnetz einmal 33 Kilometer und 43 U-Bahnhöfe umfassen würde. Selbst die Verbindung zur Nachbarstadt Fürth, die auf fünf Kilometer Strecke sechs Ein- und Ausstiegsgelegenheiten bereithält, habe sich deutlich verbessert.

OB-Gattin Anke König ist die Tunnelpatin für die Strecke Gebersdorf–Kleinreuth bei Schweinau. Beim Tunneldurchschlag wurde ihr eine Figur der Heiligen Barbara überreicht, die als Schutzpatronin der Bergleute gilt. Neben König steht Sven Hintsche. Er ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Hochtief/Max Bögl.

OB-Gattin Anke König ist die Tunnelpatin für die Strecke Gebersdorf–Kleinreuth bei Schweinau. Beim Tunneldurchschlag wurde ihr eine Figur der Heiligen Barbara überreicht, die als Schutzpatronin der Bergleute gilt. Neben König steht Sven Hintsche. Er ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Hochtief/Max Bögl. © Nina Dworschak, NNZ

Seit 1967, rechnet der OB vor, seien 1,4 Milliarden Euro in den (Aus-)Bau des Nürnberger U-Bahnnetzes geflossen. Davon hätten 1,1 Milliarden Euro der Bund und der Freistaat übernommen. 300 Millionen Euro hat laut König die Stadt investiert, um die U-Bahn zu den Menschen zu bringen - und die Menschen in die U-Bahn. Letzteres hat in den vergangenen Monaten vor allem aufgrund der Corona-Pandemie längst nicht wie gewünscht geklappt. König unterstreicht daher, wie wichtig es sei, die Menschen wieder für den ÖPNV zu gewinnen, damit sie ihr Auto öfter stehen lassen.

Auch Martin Holfelder, Vorstandsmitglied der Firmengruppe Max Bögl, betont die Bedeutung der städtebaulichen Entwicklungsstrategie. Für ihn ist die fahrerlose U-Bahn ähnlich bahnbrechend wie die Dampflokomotive Adler, die 1835 Nürnberg und Fürth verband. Laut dem Vertreter der beauftragten Arbeitsgemeinschaft Hochtief/Max Bögl trägt die automatische U-Bahn zur Lebensqualität der Menschen bei und bietet eine wichtige Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Wie der Club sei sie in Nürnberg nicht wegzudenken.

Arbeit geht direkt weiter

Bis in Gebersdorf Fahrgäste ein- und aussteigen können, ist es freilich noch ein langer Weg. Zwar ist der Tunneldurchschlag für sämtliche Mineure, Schlosser, Elektriker, Poliere, die Bauleitung und weitere Mitarbeiter ein Grund zum Feiern. Die unterirdischen Arbeiten gehen dennoch direkt weiter. Im nächsten Schritt soll nun eine 30 bis 50 Zentimeter starke und wasserundurchlässige Betoninnenschale eingezogen werden.

Der Rohbau der Tunnelstrecke, die auch die künftige Station Kleinreuth bei Schweinau umfasst, soll voraussichtlich im Dezember 2022 fertiggestellt werden. Anschließend erfolgt der Ausbau und die Gleise werden verlegt. Parallel dazu werden im Bahnhofsbereich die nötigen Räume für die Stromversorgungsanlagen, die Nachrichtentechnik und den automatischen U-Bahnbetrieb geschaffen.

Nach dem Innenausbau der Tunnel und Bahnhöfe müssen die Oberflächen wiederhergestellt werden. Voraussichtlich Anfang 2026 wird der Streckenabschnitt in Betrieb genommen. Die Gesamtkosten für die Verlängerung der Linie U3 Richtung Gebersdorf belaufen sich auf 148 Millionen Euro und werden mit circa 85 Millionen Euro von Bund und Land gefördert.

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