Verkehrszählung in Nürnberg: Rekordwert bei Radlern

29.1.2020, 05:22 Uhr
Immer mehr Menschen steigen in Nürnberg auf das Fahrrad um. In der Innenstadt geht der motorisierte Verkehr etwas zurück, die Zahl der Pkw steigt aber insgesamt trotzdem.

Immer mehr Menschen steigen in Nürnberg auf das Fahrrad um. In der Innenstadt geht der motorisierte Verkehr etwas zurück, die Zahl der Pkw steigt aber insgesamt trotzdem. © Fot:o Daniel Karmann, dpa

Es waren zwei warme Sommertage im Juli, das Thermometer zeigte 26 Grad. An 70 Stellen hatten sich Gymnasiasten postiert, insgesamt waren 190 junge Leute im Einsatz. Seit mehr als 50 Jahren findet in Nürnberg regelmäßig eine Verkehrszählung statt. Im Fokus steht ein Zeitraum von 16 Stunden – von 6 bis 22 Uhr.

Die Zahlen, die an den Pegnitzbrücken erfasst werden, dienen der Stadtverwaltung dazu, ein Bild vom innerstädtischen Verkehr zu gewinnen: Der nimmt seit Jahren langsam, aber kontinuierlich ab. 2019 haben die Schüler auf den Pegnitzbrücken 196.603 Fahrzeuge gezählt. Das sind 4074 und damit zwei Prozent weniger als im Juli 2018. Der Anteil der Pkw ist auf 82,9 Prozent zurückgegangen, der Anteil der Radfahrer lag 2018 bei 10,4 Prozent. Im Jahr 2019 erreichte er 11,5 Prozent. 25.459 Radler in 16 Stunden waren auf den Brücken unterwegs– ein Rekordwert: Das waren 2229 oder 9,6 Prozent mehr als 2018.

"Noch nie wurden bei einer Verkehrszählung mehr Räder auf den Pegnitzbrücken gezählt als 2019", lautet das Fazit der Stadtverwaltung. Die Zahlen bestätigten "die Tendenz des steigenden Radverkehrsaufkommens absolut und relativ im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln." Auch am Außenkordon, also auf den Straßen, die über die Stadtgrenze hinführen, habe der Radverkehr zugenommen: das Plus liegt dort bei 471 Rädern, insgesamt waren es 10.660.

Am Außenkordon ist der Verkehr in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. 557.255 Fahrzeuge wurden gezählt, 10.282 weniger als 2018. Der Rückgang beträgt rund 1,8 Prozent. Bei der hohen Gesamtbelastung sei die Veränderung aber so gering, dass man von einer konstanten Verkehrsmenge am Außenkordon sprechen kann, heißt es in den Unterlagen, die am Donnerstag, 30. Januar, im Verkehrsausschuss des Stadtrats diskutiert werden.

Betrachtet hat das Verkehrsplanungsamt auch den Fahrzeugbestand in der Stadt. Zwar fahren die Nürnberger offenbar weniger Auto, aber sie besitzen mehr Fahrzeuge. Hier für Statistikfreunde noch ein paar Zahlen dazu: Im Juli 2019 waren in Nürnberg 536.231 Menschen mit Hauptwohnsitz gemeldet – sie lebten in rund 284.995 Haushalten. Die Zahl der Einwohner war im Vergleich zum Juli 2018 um 1334 Personen und damit um 0,2 Prozent gestiegen.

Die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge legte aber um 0,6 Prozent zu. Im Juli 2019 waren 296.942 Fahrzeuge zugelassen, 1909 mehr als im Vorjahresmonat. Für die Stadt bestätigt sich damit der Trend, dass Autos oft herumstehen und somit "viel Fläche – auf öffentlichen Parkplätzen oder privaten Abstellanlagen – beanspruchen". Laut der jährlichen Befragung zum Mobilitätsverhalten der Bürger werden in Nürnberg Pkw durchschnittlich nur 33 Minuten pro Tag bewegt und "parken somit fast 98 Prozent des Tages".

Das Fazit der Verwaltung: Die Aufteilung des öffentlichen Raums müsse hinterfragt werden. "Dieser kann dem stetig ansteigenden Platzbedarf durch parkende Fahrzeuge nicht mehr gerecht werden."

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