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Verpasste Chance: Enger Tunnel in Höfener Straße bleibt

Nach Umbau der Deutschen Bahn keine Chance auf bauliche Verbesserung - 19.11.2019 05:54 Uhr

Die Gelegenheit verpasst: Beim S-Bahn-Bau hätte die Bahn etwas verändern können. Nun sind die neun Meter im Querschnitt eine fixe Größe. © Foto: Thomas Scherer


Eine Geschichte mit Vorgeschichte: Bereits in den 90er Jahren stand auf dem Wunschzettel der Stadt und vieler Pendler und Fahrradfahrer, dass die beengte Bahnunterführung an der Stadtgrenze im Zuge des S-Bahn-Baus verbreitert wird.

Hierzu wurde ein Straßenplan erstellt. Ergebnis: Der Querschnitt sollte fast doppelt so breit werden wie heute – aktuell sind es gerade mal neun Meter. Außerdem sollten getrennte Rad- und Gehwege sowie ein zusätzlicher Linksabbiegestreifen installiert werden. Die Hoffnungen ruhten lange auf der Bahn. Doch das Unternehmen hat den S-Bahn-Bau ohne Umbau der Unterführung bewerkstelligen können – und auch so vollzogen. Eine Vorgehensweise, die viele heute immer noch ärgert. Die Enge im Tunnel ist ein Dauerbrenner: "Immer wieder werden wir auf die sehr unerquickliche Situation rund um die Bahnunterführung angesprochen", bestätigt Baureferent Daniel Ulrich. Hinzu kommt, dass sich die Lage in letzter Zeit insofern zugespitzt hat, als dass auf der Höfener Straße der Verkehr kontinuierlich zunimmt, so die Beobachtung.

Überholen nicht möglich

Gerade die Fahrradfahrer, die sich den schmalen Streifen mit den Autofahrern teilen müssen, fühlen sich hier unwohl. Denn: Überholt werden können sie mangels Platz nicht. Was bleibt, ist der gemischte Verkehr, bei dem Kfz und Fahrräder hintereinander fahren. Das ist die gültige Regelung. Aber keine befriedigende Regelung: "Radfahrer werden von hinten durch nah auffahrende oder sich mit hoher Geschwindigkeit nähernde Autos bedrängt", bemängelt Jens Ott, Vorsitzender des ADFC Nürnberg. Genau solche Situationen seien es, die Bürger daran hindern würden, häufiger aufs Fahrrad umzusteigen.

Auf die Bahn zu hoffen, haben viele aus der Erfahrung mit zurückliegenden Projekten aufgegeben. Ott: "Das Dogma, dass Bahnunterführungen nur angegangen werden, wenn auch die Bahn Baubedarf hat, sollte der Vergangenheit angehören."

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Keine "besondere Gefahrenlage" erkennbar

Auch Daniel Ulrich findet hier klare Worte: "Der Tunnel an der Höfener Straße ist das traurige Ergebnis einer gewissen Unzugänglichkeit der Deutschen Bahn in Neubaufragen", sagt er auf Anfrage des Stadtanzeigers. Nun müsse Nürnberg diesen Ort wohl noch viele Jahre mit mehr oder weniger schönen Sonderlösungen sichern. Das sei gerade für Radfahrer abschreckend, wenn auch nicht wirklich gefährlich.


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Nicht wirklich gefährlich? Der Baureferent beruft sich auf die Unfallstatistik. Denn so unsicher sich die Fußgänger und die radelnden Verkehrsteilnehmer auch fühlen mögen, die Zahlen lassen keine "besondere Gefahrenlage" erkennen – dies wäre nötig, um etwa, wie von den Grünen gefordert, auf der Hauptverkehrsstraße Tempo 30 anordnen zu können.

In zehn Jahren ereigneten sich insgesamt zwölf Unfälle im Tunnelbereich, davon ein Unfall mit Radfahrer- und zwei Unfälle mit Fußgängerbeteiligung. Ursache für den Radfahrerunfall waren laut Protokoll "berauschende Mittel" und die regelwidrige Benutzung des Gehwegs.

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Nur kleine Veränderungen

Auf der Fahrbahn ist nicht einmal Platz für die Markierung eines Schutzstreifens. Und so kann es lediglich kleine Korrekturen geben, die höchstens geringe Verbesserungen schaffen. So wird Sör sich darum kümmern, das Grün im Eingangsbereich des Tunnels zu stutzen. Dass die Situation insgesamt kein Aushängeschild für Nürnberg als fahrradfreundliche Stadt wird, liegt auf der Hand. Ulrich: "Eine Verbesserung der Attraktivität des Radfahrens wird das, was wir ohne Bauwerk tun können, nicht bringen. Leider."

Der ADFC hofft dennoch, dass es das noch nicht gewesen ist: "Es
wäre mutig und innovativ, wenn die Stadt Nürnberg an einer kritischen Situation, wo es aktuell keine andere Lösung gibt, weitere Ansätze ausprobieren würde."

Rurik Schnackig E-Mail

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