Vom Corona-Test zur Stammzellenspende: So will ein Nürnberger Arzt Leben retten

15.4.2021, 18:48 Uhr
Ein Mann bei der sogenannten peripheren Stammzellspende, die per Blutentnahme funktioniert.

Ein Mann bei der sogenannten peripheren Stammzellspende, die per Blutentnahme funktioniert. © Deutsche Fernsehlotterie/Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern

Die Idee klingt simpel, ist bislang aber noch nicht umgesetzt: Wer einen Coronavirus-Abstrich machen lässt, könnte beim selben Termin auch gleich einen weiteren Abstrich aus dem Mund nehmen lassen, und zwar für eine mögliche Stammzellspende. Für diese Erfassung genügen ein paar Wischer über die Wangenschleimhaut mit einem Wattestäbchen, an dem dann Zellen hängenbleiben.

Je größer die Datenbank, desto höher die Chancen

"Man müsste das doch kombinieren können und so indirekt etwas Gutes aus Corona machen", sagt Falk Stirkat. Der Arzt und Notfallmediziner arbeitet im Medic-Center Nürnberg, einem Medizinischen Versorgungszentrum aus niedergelassenen Haus- und Fachärzten, und er bloggt, sendet und schreibt über Medizinthemen – unter anderem im Podcast "DocPod" auf nordbayern.de. Die Idee sei ihm gekommen, als er kürzlich mit einem Mitstreiter an einer Video-Dokumentation über einen Stammzellspender arbeitete.

"Ich habe zwei kleine Töchter und kann mir die Panik von Eltern vorstellen, deren Kinder Leukämie haben und die dringend auf einen lebensnotwendigen Stammzellspender warten", sagt der 36-Jährige. "Sie müssen jetzt noch mehr fürchten, dass ihr Kind stirbt, weil schon seit einem Jahr kaum neue Spender hinzugewonnen werden."

26 Knochenmarkspender-Dateien gibt es in Deutschland, die größte ist die DKMS; alle sind Teil eines internationalen Netzwerks. Wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen entfallen ihre öffentlichen Werbe-Aktionen. Der Nachschub, der durch Registrierungen mit einem Selbsttest per Post oder beim Blutspenden zustande kommt, kann die Einbrüche nicht auffangen. Doch je größer die Datenbank, desto mehr erhöht das die Chancen mancher lebensbedrohlich Erkrankten, dass es irgendwo auf der Welt passenden Spender gibt. Bei seinem Arbeitgeber und der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) fand Falk Stirkat Gehör; die Münchener Fernsehschauspielerin Monika Baumgartner ("Der Bergdoktor") habe ihm die Schirmherrschaft zugesagt.

Probelauf für das Testzentrum

Am Donnerstag dieser Woche nehmen das Medic-Center und die AKB bei Mitarbeitern der Nürnberger Sabel-Schule im Rahmen einer Reihentestung Corona-Abstriche – und bieten gleichzeitig auf Wunsch einen Abstrich für die Knochenmarkspenderdatei an. Die Aktion ist nicht öffentlich, sie soll ein Testlauf sein.

Arzt und Autor Falk Stirkat

Arzt und Autor Falk Stirkat © privat

Denn das Medic-Center betreibt ein Corona-Testzentrum an der Gustav-Adolf-Straße. An manchen Tagen erscheinen hier mehrere Hundert Menschen zum Corona-PCR- oder Schnelltest, recken den Mitarbeitern ihren Rachen oder die Nase entgegen. Sie sind also "eh schon da. Wenn wir wissen, welche Abläufe es dafür braucht, könnten wir dort künftig die Typisierung anbieten", sagt Stirkat.

Aufklärung und Freiwilligkeit

Die Kombination erscheine vielversprechend, sei aber tatsächlich bislang nie ausprobiert worden, sagt Cornelia Kellermann von der Stiftung AKB. Auch weil das Thema Knochenmarkspende "erklärungsintensiv" sei und das Corona-Abstrich-Personal dann auch die Aufklärung übernehmen müsste. "Wir legen viel Wert darauf, Menschen vorab gut zu informieren, damit sie später im Ernstfall auch wirklich für eine Spende zur Verfügung stehen."


Leukämie: Junger Vater aus Franken braucht Stammzellspender


Bei der Aktion Knochenmarkspende Bayern, die rund 325.000 Spender verwaltet, können sich gesunde Menschen zwischen 17 und 45 Jahren registrieren lassen. Bei der Behandlung bestimmter Formen von Leukämie kann eine Stammzelltransplantation (auch: Knochenmarktransplantation) Leben retten. Der Spender muss sich zur Entnahme entweder einer Art Blutwäsche oder, seltener, einer Operation am Becken unterziehen. Der Empfänger erhält die aus dem Blut oder dem Knochenmark gewonnenen Stammzellen dann mittels Infusion.

Bei Leukämie ist die Blutbildung, die im Knochenmark abläuft, gestört. Aus Blutstammzellen entstehen rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Für eine Übertragung von gesunden Stammzellen eines Spenders auf einen Patienten müssen mindestens neun von zehn bestimmten genetischen Gewebemerkmalen übereinstimmen.

Kontakt: stammzellspender@mediccenter.de. Spendenkonto der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern: IBAN DE67 7025 0150 0022 3946 88, Verwendungszweck: Corona-Test