"Marktschwärmerei"

Vom Erzeuger zum Kunden: Direktvermarktungs-Projekt in Nürnberg erfolgreich

Clara Grau
Clara Grau

Lokalredaktion Nürnberg

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12.9.2022, 12:00 Uhr
Bei der Marktschwärmerei kommen Kunden und Erzeuger zueinander.

© Hans-Joachim Winckler, NN Bei der Marktschwärmerei kommen Kunden und Erzeuger zueinander.

Immer mehr Menschen wollen wissen, was in ihren Lebensmitteln steckt, wo sie herkommen und wer sie herstellt. Was liegt da näher, als die Erzeuger während des Einkaufs einfach persönlich danach zu fragen? Die Marktschwärmer-Idee macht das möglich.

Wie das alles funktioniert, können Interessierte bei einem Wochenmarkt im Nürnberger Stadtteil St. Johannis erfahren: Am Dienstag, 13. September, von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr feiert die Initiative im Stadtteilzentrum Desi, Brückenstraße 23, ihren ersten Geburtstag.

Heike Haubner, welche die Marktschwärmerei in Nürnberg organisiert, erklärt das Prinzip, das eine direkte Verbindung zwischen den Erzeugern und Verbrauchern einer Region herstellen soll: "Die Kunden bestellen bequem im Onlineshop ihrer Schwärmerei. Einmal in der Woche kommen Kunden und Erzeuger für zwei Stunden in der Schwärmerei vor Ort zusammen, um die Bestellungen persönlich zu übergeben."

Laut Haubner stammen die Lebensmittel ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern, Lebensmittel-Handwerkern und kleineren Manufakturen aus der Region. "Im Durchschnitt liegen zwischen Herstellungsort und Schwärmerei nicht mehr als 27 Kilometer Transportweg. Zum Sortiment gehören Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Brot, Käse und Molkereiprodukte, Wein, fränkische Chips sowie ausgewählte Feinkostwaren. Viele Produkte sind Bio- oder sogar Demeter zertifiziert."

Erzeuger und Verbraucher handeln dabei direkt miteinander: Der Kunde bezahlt seinen Warenkorb direkt nach der Bestellung online. Der Erzeuger gibt von seinem Nettoumsatz 8,35 Prozent an den Gastgeber für die Organisation der Schwärmerei und 10 Prozent an Marktschwärmer für die Bereitstellung der Plattform ab. Der Großteil der Einnahmen bleibt mit 81,65 Prozent beim Erzeuger, so das Konzept. "Marktschwärmer erleichtert gerade kleineren Erzeugerbetrieben den Zugang zu Kunden, die Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit in ihrem Einkaufskorb legen: Die Erzeuger bestimmen die Preise für ihre Produkte selbst - weil sie selbst am besten wissen, was ein fairer Preis für ihre Arbeit und ist. Dank der Vorbestellung über den Onlineshop kann der Erzeuger exakt planen und vermeidet unnötige Kühl-, Transportkosten und die Verschwendung verderblicher Ware", erklärt Heike Haubner.

Die Mitgliedschaft in einer Schwärmerei sei für Kunden flexibel: "Es gibt weder Mitgliedsbeiträge noch Mindestumsatz oder Bestellpflicht. Jeder Kunde kann bei bis zu drei Schwärmereien in seiner Nähe Mitglied sein", erläutert die die Nürnberger Organisatorin.

Die Idee der Online-Direktvermarktung kommt aus Frankreich, berichtet die Nürnbergerin. Dort gibt es seit 2011 unter dem Namen "La Ruche Qui Dit Oui” (Der Bienenkorb, der Ja sagt) bereits über 660 Schwärmereien. In Deutschland startete das Netzwerk im Herbst 2014. Derzeit sind schon mehr als 155 lokale Märkte in 13 Bundesländern geöffnet, weitere 39 Schwärmereien befinden sich im Aufbau, rechnet die "Marktschwärmerei" in einer Pressemitteilung vor.

© Magdalena Gray

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