Von bodenständig bis fast perfekt - Welcher Lebkuchen ist der Beste?

13.12.2018, 06:00 Uhr
Dick mit Schokolade übergossen, im Innern bereits die Zutatenvielfalt ablesbar. In der Nase tiefe, kakaodominierte Schokoladenaromatik, animiert sofort zum Reinbeißen. Begleitet von kandiert-fruchtigen Noten von  Zitronat/Orangeat. Harmonisch verbunden mit Aromen intensiv gerösteter Haselnüsse, die mich sofort ans Piemont erinnern. Intensiv, kräftig, aber wie diese Aromen hier zusammenwachsen ist wirklich beeindruckend. Am Gaumen sofort wieder Orangeat, Zitronat, in angenehmer Ausgewogenheit zwischen Süße und Zitrusnoten. Wieder diese Nussaromen, an Haselnussschnitten erinnernd...
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Confiserie Neef

Dick mit Schokolade übergossen, im Innern bereits die Zutatenvielfalt ablesbar. In der Nase tiefe, kakaodominierte Schokoladenaromatik, animiert sofort zum Reinbeißen. Begleitet von kandiert-fruchtigen Noten von Zitronat/Orangeat. Harmonisch verbunden mit Aromen intensiv gerösteter Haselnüsse, die mich sofort ans Piemont erinnern. Intensiv, kräftig, aber wie diese Aromen hier zusammenwachsen ist wirklich beeindruckend. Am Gaumen sofort wieder Orangeat, Zitronat, in angenehmer Ausgewogenheit zwischen Süße und Zitrusnoten. Wieder diese Nussaromen, an Haselnussschnitten erinnernd... © Harald Schieder

...wunderbar cremiger Teig, sehr luftig, ohne saftige Feuchtigkeit vermissen zu lassen. Die Textur erinnert an Einsatz von Feigen, nicht zu grob, einiges ist fein gemahlen. Somit entsteht immer wieder changierendes Mundgefühl. Die weihnachtliche Würzung positioniert sich dezent im Hintergrund, spielt komplexitätserhöhend harmonisch ins Gesamtbild hinein. ‚Lebkuchen piemonteser Art’, der durch deutliche Extreme bei allen Rohstoffen ein intensives Geschmackserlebnis hervorruft. 4,5 von 5 Sternen.
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Confiserie Neef

...wunderbar cremiger Teig, sehr luftig, ohne saftige Feuchtigkeit vermissen zu lassen. Die Textur erinnert an Einsatz von Feigen, nicht zu grob, einiges ist fein gemahlen. Somit entsteht immer wieder changierendes Mundgefühl. Die weihnachtliche Würzung positioniert sich dezent im Hintergrund, spielt komplexitätserhöhend harmonisch ins Gesamtbild hinein. ‚Lebkuchen piemonteser Art’, der durch deutliche Extreme bei allen Rohstoffen ein intensives Geschmackserlebnis hervorruft. 4,5 von 5 Sternen. © Harald Schieder

In Nürnberg oft als ‚der’ Geheimtipp gehandelt, mit einigen Filialen in der Stadt verteilt. Kommt extrem muskulös daher, übergossen mit Unmengen an Bitterkuvertüre und rustikaler Optik, die handwerkliche Herstellung geradezu impliziert. In der Nase dann auch Extreme: Viel Orangeat und Zitronat mit fruchtig-herben Zitrusschalenaromen, schöne Mischung aus kandierter Süße und Frucht. Viele Gewürze, vor allem viel Zimt. Am Gaumen geht’s heftig weiter: Deutlich knackende Schokolade bleibt allzeit präsent, Nüsse wirken vor allem durch grobe Struktur, geschmacklich bleiben sie unauffällig...
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Bäckerei Konditorei Lebküchnerei Düll

In Nürnberg oft als ‚der’ Geheimtipp gehandelt, mit einigen Filialen in der Stadt verteilt. Kommt extrem muskulös daher, übergossen mit Unmengen an Bitterkuvertüre und rustikaler Optik, die handwerkliche Herstellung geradezu impliziert. In der Nase dann auch Extreme: Viel Orangeat und Zitronat mit fruchtig-herben Zitrusschalenaromen, schöne Mischung aus kandierter Süße und Frucht. Viele Gewürze, vor allem viel Zimt. Am Gaumen geht’s heftig weiter: Deutlich knackende Schokolade bleibt allzeit präsent, Nüsse wirken vor allem durch grobe Struktur, geschmacklich bleiben sie unauffällig... © Harald Schieder

...Orangeat und Zitronat steuern neben kandierten Assoziationen ihren Teil zur cremig-feuchten Textur bei. Saftigkeit ist hier Thema. Alle Aromen kommen mit dem Dampfhammer, der Rock ’n’ Roll-Lebkuchen für die, die es heftig brauchen! Trotz aller Rohstoffsuperlative ist die Süße des Lebkuchens harmonisch dosiert. Insgesamt extrem sättigend. Leider kann die Qualität der Kuvertüre nicht vollends überzeugen, fehlen mir doch Kakaoaromen und Tiefe. Zurück bleibt Bittere. 3,5 von 5 Sternen
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Lebküchnerei Düll

© Harald Schieder

Als Drittel der ‚Nordstadtbäcker’ versorgt Döllner seine beiden Mitstreiter mit Lebkuchen. Optisch wunderbar dick aufgetragene Schokoladenberge, im Innern dominieren grobe Nusspartikel in Verbindung mit saftig schimmerndem Teig. Hochwertiges, frisches Orangeat und Zitronat duften schon verführerisch in der Nase. Aromen frisch gerösteter Nüsse verbinden sich mit tiefer, eleganter Gewürzaromatik. Am Gaumen beeindruckt zuerst die saftige Textur, die durch grobe Nussstücke angenehm harmonisiert wird und ein extrem stimmiges Geschmacksspektrum entstehen lässt...
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Bäckerei Döllner

© Harald Schieder

...der Rand steuert gewisse Knusprigkeit hinzu ohne trocken zu wirken. Die Schokolade ist zu jeder Zeit präsent, wirkt cremig kuvertürenartig und schmeckt mit fruchtigen Kakaonoten auch nach solcher. Neben den bitterfruchtigen Aromen von Zitronat und Orangeat kommt mit der Zeit eine etwas zu deutliche Süße auf, die vornehmlich an Honig erinnert. Dadurch verliert der intensive Lebkuchen etwas an finessenreicher Komplexität, zeigt dennoch eindrucksvoll, welche Aromentiefe bei Lebkuchen möglich ist. 4 von 5 Punkten.
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Bäckerei Döllner

© Harald Schieder

Wunderbar dick mit Schokolade übergossen, innen deutlich grobe Nüsse. In der Nase differenzierte Aromatik intensiver Nussaromen, Mandeln und feines Orangeat/Zitronat. Am Gaumen extrem ausgewogen, alle Aromen treten harmonisch ineinander verwoben wieder auf. Die Rohstoffe bestechen durch kompromisslose Frische. Nicht zu feuchter, fast cremiger Teig kombiniert alle Nuancen wunderbar, in ihrer Intensität nahezu traumwandlerisch aufeinander abgestimmt. Kein singuläres Aroma sticht hervor, Eleganz pur. Hinzu kommt ehrliche Schokolade, die auch als solche schmeckbar bleibt. Alle Sinne werden gefordert, aber auch befriedigt...
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Bäckerei Erbel

© Harald Schieder

...intensive Verkostung lohnt, denn dieser Lebkuchen besticht nicht durch muskulöses Auftreten, sondern durch Understatement. Daher mag der Lebkuchen von Aromenfanatiker Arnd Erbel für den einen oder anderen zu wenig ‚Wumms’ haben, zu wenig mit vordergründigen Aromen protzen. Das einzige, was man ihm vielleicht vorwerfen könnte, wäre die Subtilität in Einsatz und Kombination hervorragender Rohstoffe. Für mich nahe an der Perfektion. 4,75 von 5 Sternen.
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Bäckerei Erbel

...intensive Verkostung lohnt, denn dieser Lebkuchen besticht nicht durch muskulöses Auftreten, sondern durch Understatement. Daher mag der Lebkuchen von Aromenfanatiker Arnd Erbel für den einen oder anderen zu wenig ‚Wumms’ haben, zu wenig mit vordergründigen Aromen protzen. Das einzige, was man ihm vielleicht vorwerfen könnte, wäre die Subtilität in Einsatz und Kombination hervorragender Rohstoffe. Für mich nahe an der Perfektion. 4,75 von 5 Sternen. © Harald Schieder

Hier werden Lebkuchen gebacken, die eindeutig handwerklich anmuten. Ziemlich flach und manchmal leicht eingefallen, wirkt der Teig relativ dunkel. In der Nase erinnert er an Malzsüße oder braunen Zucker. Der Schokoguss riecht angenehm und unaufdringlich-dezent nach Kakao, ohne jedoch länger im Gedächtnis zu bleiben. Im Teig treten vor allem Noten von Marzipan und dezente Anklänge an Nüsse hervor. Zuerst fällt der extrem saftig-feuchte Teig auf, dann kommen intensive Nelkenaromen dazu. In der Textur erkennt man sofort die relativ grobe Nussstruktur, ohne jedoch intensiv nach solchen zu schmecken...
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Lebküchnerei Woitinek

© Harald Schieder

...die Süße ist ausgewogen, Aromen harmonisch zusammenkomponiert. Marzipan und Nelke dominieren deutlich, Orangeat ist vorhanden, blitzt aber leider nur manchmal auf. Schokolade und Nüsse verhalten sich leider extrem unauffällig. Im Abgang bleiben am Gaumen intensive Nelken- und Zuckeraromen. Sehr ordentliche, äußerst saftige Geschmackserfahrung, dieser Lebkuchen hat auf jeden Fall seine Berechtigung im fränkischen Weihnachtsportfolio. Gute 3,25 von 5 Sternen.
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Lebküchnerei Woitinek

© Harald Schieder

Nun zu einem Lebkuchen aus einer sehr prominenten Konditorei. Optisch kommt er wie gemalt daher: Schön hoch getürmt, deutlich mit Schokolade bestrichen. Leider auf meinem Exemplar so spärlich, dass an einigen Stellen der Teig durchschimmert. Schade, denn sie duftet sehr verführerisch nach feiner Kakaosüße. In der Nase verströmt er tiefe Gewürzaromen, ich denke an Kardamom, Nelke, Piment, Zimt. An Orangeat und Zitronat wird nicht gespart. Das erscheint am Gaumen fast explosionsartig intensiv. Relativ grobe Nüsse schmecken auch nach solchen und bereichern das harmonische Mundgefühl...
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Konditorei Beer

© Harald Schieder

...der Teig wirkt nicht sehr feucht, am Rand wird er fast schon sehr trocken, es tauchen kristalline Noten in der Textur auf. Am Ende wirkt der Lebkuchen trotz aller intensiver Orangeat-/Zitronatnoten und toller Gewürze etwas zu zuckrig-süß, eine Süße, die im Abgang lang am Gaumen bleibt. Trotzdem: Meckern auf hohem Niveau, ganz toll gemachter Lebkuchen, absolute Empfehlung. Leicht Abzüge wegen Süße, etwas Trockenheit und für meinen Geschmack zu wenig Schokolade: Sehr gute 4 von 5 Sternen.
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Konditorei Beer

© Harald Schieder

Optisch malerisch mit Schokolade bestrichen, jedoch nicht überall sehr dick. Relativ saftig-glänzender Teig. Die Schokolade duftet wunderbar fruchtig nach Kakao, der Teig intensiv nach Mandeln bzw. eher Marzipan, dezent nach Orangeat/Zitronat und fast nicht nach Gewürzen. Im Geschmack präsentiert er sich mit saftig-komprimierter Textur, ist Geschmackssache, ich mag das. Die Zutaten sind relativ fein gemahlen, einige Nüsse und Orangeat/Zitronat sind größer. Gleich zu Beginn relativ süß-zuckrige Marzipan- und Nussaromatik...
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Bäckerei Gräf

© Harald Schieder

...die Schokolade schmeckt aromatisch und knackt an dicker bestrichenen Stellen. Ihr Geschmack verbindet sich sehr gut mit den Nüssen und dezenten Orangeatnoten, weihnachtliche Würzung tritt nahezu vollständig in den Hintergrund. Leider setzt sich mit der Zeit zuckrig-marzipanartige Süße am Gaumen fest und verweilt dort. Mir wirkt er nicht zuletzt dadurch etwas zu üppig-süß. Sehr hochwertig schmeckende Zutaten, Nüsse, Schokolade, Orangeat/Zitronat machen den Lebkuchen zu einer deutlichen Empfehlung. 3,5 von 5 Sternen.
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Bäckerei Gräf

© Harald Schieder

Einer der ‚Global Player’ in Nürnberg, doch meiner Meinung nach der Beste, der in dieser Größenordnung der Produktion ein respektables sensorisches Ergebnis abliefert. In der Optik wirkt er sparsam, die Schokolade sieht aus, wie nach dem Auftragen wieder weggeblasen. Ansatzweise schmeckt sie auch nach Schokolade, jedoch weder sehr aromatisch noch kakaoartig bitter oder süß. Ähnlich neutral wirkt auch das Innere...
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Lebkuchen-Schmidt

© Harald Schieder

...nicht zu süß, eher deutlich salzig, erscheint eine weihnachtlich anmutende Gewürzmischung (Zimt, Nelke?), ohne jedoch geschmacklich individuell zuordenbar zu sein. Der Lebkuchen ist äußerst konsensfähig komponiert, Orangeat-/Zitronatnoten leider Fehlanzeige. Etwas indifferent-teigig am Gaumen, einige eingestreute Nusspartikel glänzen maximal durch ihre erkennbare Textur. Alles in allem für einen Lebkuchen aus Großproduktion sehr ordentlich gemacht, mit eben der wohl gewollten Anmutung eines weihnachtlichen Gewürzgebäcks. Individualität gibt’s hier nicht, ist aber in dieser Kategorie wohl auch nicht angestrebt. Daher von mir bodenständige 2 von 5 Sternen.
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Lebkuchen-Schmidt

© Harald Schieder