Einwohneramt in Nürnberg

Warum die Warteschlangen immer länger werden

NZ-Redakteurin Ngoc Nguyen
Ngoc Nguyen

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9.3.2022, 07:55 Uhr
Warteschlangen, genervte Bürger: Eigentlich wollte die Stadt diese Situation in den Griff bekommen. Doch viel Personal befindet sich in Quarantäne oder Isolation, nun kommt die Flüchtlingskrise dazu.
 

© Stefan Hippel, NNZ Warteschlangen, genervte Bürger: Eigentlich wollte die Stadt diese Situation in den Griff bekommen. Doch viel Personal befindet sich in Quarantäne oder Isolation, nun kommt die Flüchtlingskrise dazu.  

Lange Schlangen vor dem Einwohneramt, wartende Menschen dicht an dicht, darunter auch ältere, die Stunden ausharren müssen: Solche Bilder wolle sie nie mehr sehen, sagte die Stadtspitze Mitte Februar. Dann kam der Krieg in der Ukraine. Nun sind die Warteschlangen wieder da, inzwischen beinahe täglich und sie scheinen sogar noch gewachsen zu sein.

Vor drei Wochen hatten Oberbürgermeister Marcus König, Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch und Kämmerer Harald Riedel ein dickes Paket aus Sofortmaßnahmen und langfristigen Plänen vorgestellt. Sie wollten das dauernde Ärgernis mit den überfüllten Bürgerämtern schnell in den Griff kriegen. Doch daraus wird nichts, denn die Flüchtlingskrise verschärft die noch andauernde Corona-Krise. Andreas Franke, Pressesprecher der Stadt Nürnberg, erklärt: „Alle 24 Schalter sind geöffnet, aber im Team sind zwölf Corona-Ausfälle.“ Niemand werde weggeschickt, aber die Wartezeiten ziehen sich.

Zum üblichen Tagesgeschäft kommen nun noch die Menschen aus der Ukraine, die sich im Einwohnermeldeamt registrieren lassen möchten. Zwar ist das kein Muss, wer das aber macht, hat Anspruch auf Sozialhilfe. Zudem seien den Mitarbeitern auch schon gefälschte Ausweise untergekommen, so Franke. Dies verlängert die Bearbeitungszeiten – und damit die Warteschlangen. Und: In Nürnberg suchen viele Zuflucht.

„Bisher leben die Ukrainer vor allem in deutschen Großstädten, Berlin, Hamburg, München, dem Rhein-Main-Gebiet und interessanterweise gibt es auch in Nürnberg eine sehr große Community“, sagte Herbert Brücker der Deutschen Welle. Er ist Leiter des Forschungsbereiches Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Daher war Herr Z. (Name der Redaktion bekannt) „schockiert“, als er die Warteschlange sah. „Das ist so schlecht organisiert, man könnte doch etwa ein Zelt für die Angelegenheiten der ukrainischen Flüchtlinge aufbauen.“ Erst zwei Stunden nach seinem eigentlichen Termin, sagt Z,. sei er drangekommen.

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