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Wieder rote Zahlen: Steht "Norisbike" auf der Kippe?

Ausleihzahlen steigen auch in diesem Jahr kaum - 26.09.2014 06:00 Uhr

Seit 2011 kann man Räder in Nürnberg leihen, doch noch läuft das Geschäft nicht rund. In der Innenstadt soll das Netz mit Leihräder dichter werden. © dpa


Der Betreibervertrag zwischen Stadt und Nextbike läuft noch bis Mitte 2016. Ralf Kalupner, Geschäftsführer des Leipziger Unternehmens, das inzwischen weltweit agiert, machte im Verkehrsausschuss deutlich, dass er derzeit noch nicht plant, 2016 die Fahrradstationen wieder abzuschrauben, doch es müsse etwas passieren: „Wir wollen dorthin, wo die Musik spielt.“ Kalupner meint damit, dass mehr Leihfahrräder in der Innenstadt aufgestellt werden müssen. Das Unternehmen möchte, wie in anderen Städten auch, in Nürnberg möglichst bald schwarze Zahlen schreiben. Nachdem sich die VAG im Gegensatz zu anderen Stadtwerken aus der Bezuschussung des Fahrradverleihsystems zurückgezogen hat, ist die finanzielle Situation schlechter geworden. Auch Werbeeinnahmen brachen weg.

Nürnberg hat derzeit rund 750 Leihräder, die auf 76 Stationen verteilt sind. Bochum hat etwas mehr als halb so viele Räder wie Nürnberg, trotzdem sind die Ausleihzahlen mit etwas über 50 000 pro Jahr fast gleich hoch. Mit einer Distanz von bis zu 600 Metern liegen die Ausleihstationen in der Nürnberger Innenstadt im Vergleich zu anderen Städten zu weit auseinander. Besser wären offenbar 300 Meter. Auch werden Fahrradstationen, die weit von der Innenstadt entfernt sind, nur schlecht genutzt. „Der Schlüssel zum Erfolg sind offenbar die kurzen Wege zu den Stationen“, kommentierte Achim Mletzko, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Eine Lösung ist offenbar, Leihfahrräder in der Innenstadt ohne Fahrradstationen aufzustellen. Karlsruhe hat schon eine solche „Flex Zone“ und diese wird sehr gut angenommen. Laut Kalupner kann dieses System auch mit Fahrradstationen kombiniert werden: „Über eine App Fahrräder mieten, ist die Zukunft des Fahrradverleihs. Heute hat fast jeder ein Smartphone.“ Dass Nürnberg vor vier Jahren, beim Start von Norisbike, auf ein Verleihsystem mit festen Stationen gesetzt hat, lag daran, dass die Verbreitung der mobilen Geräte noch nicht so groß war. Frank Jülich, Leiter des Verkehrsplanungsamts, und Kalupner wollen jetzt Gespräche führen, wie das Verleihnetz dichter geknüpft werden kann. Der NextbikeGeschäftsführer hat in Nürnberg aber noch weitere Baustellen: Er will eine Marketingaktion ohne Stadtreklame starten. Außerdem sollen Gespräche mit der VAG und Firmen über eine Unterstützung geführt werden. Auch soll das Logo von Norisbike verändert werden, damit Nextbike–Kunden aus anderen Städten, die nach Nürnberg kommen, schnell erkennen, dass sie sich nicht mehr registrieren müssen, wenn sie ein Fahrrad leihen.

Marcus König, verkehrspolitischer Sprecher der CSU, machte deutlich, dass seine Partei keine Steuergelder zuschießen will: „Wenn der Bürger nicht fährt, dann hat er das System abgewählt.“ Für seinen Kollegen von der SPD, Thorsten Brehm, ist die Verknüpfung des Fahrradverleihsystems mit dem ÖPNV der entscheidende Erfolgsgarant. Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich verwies darauf, dass jede Mobilität Geld kostet: „Wir brauchen unbedingt ein solches Fahrradverleihsystem.“ OB Ulrich Maly will jetzt mit der VAG reden. 

Andre Fischer (Nürnberger Zeitung)

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