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Zu wenig Lehrer an Nürnberger Grundschulen

Viele Lehrkräfte gehen bald in den Ruhestand - keine mobilen Reserven - 01.11.2016 14:18 Uhr

Grundschullehrer verzweifelt gesucht: Wer den Beruf ergreifen möchte, hat sehr gute Chancen, in den nächsten Jahren eine Anstellung zu bekommen. © dpa


Der Mangel an Mittelschullehrern ist in Nürnberg schon seit geraumer Zeit ein drängendes Thema. Nun hat sich ein weiteres Problem aufgetan: Auch an den Grundschulen wird das Personal knapp. Sandra Schäfer, die Vorsitzende des Nürnberger Lehrerinnen- und Lehrerverbands (NLLV), kritisiert die hauchdünne Personaldecke. Die Mobilen Reserven seien schon so gut wie verbraucht. Und ab Februar, sagt sie, werde die Situation noch schwieriger, weil dann Kollegen in den Ruhestand gehen und außerdem die Zeit beginnt, in der viele wegen Krankheit ausfallen.

Sandra Schäfer sieht eine Ursache für das Problem in den Prognosen des Kultusministeriums für den Lehrerbedarf der Zukunft. Die gehen ihrer Ansicht nach an der Realität vorbei. In regelmäßigen Abständen stünden mal die Gymnasial- und Realschullehrer auf der Straße und dann wieder die Grundschullehrer. Das System sei falsch. Die NLLV-Chefin fordert, die Lehrerausbildung neu zu organisieren: für alle Schularten einen Basisstudiengang anzubieten und die Spezialisierung draufzusatteln. Diese Forderung stellt auch die Bildungsgewerkschaft (GEW), doch die Staatsregierung zieht nicht mit.

Lage kann sich schnell ändern

Einen akuten Grundschullehrer-Notstand kann Bernd Zinkel, der Vorsitzende des Nürnberger Elternverbands (NEV), noch nicht ausmachen. Zumindest im Moment sei die Lage noch einigermaßen in Ordnung. Aber er räumt ein, dass sich die Situation schnell ändern kann. Stichwort Übergangsklassen: In den Ü-Klassen an den Grund- und Mittelschulen werden Schüler unterrichtet, deren Deutschkenntnisse noch nicht für den regulären Unterricht ausreichen.

Junge Leute, die sich für das Lehramt interessieren und wissen möchten, wie es um die Berufsaussichten steht, können die Prognose des Kultusministeriums im Internet finden. In naher Zukunft, heißt es dort, seien die Einstellungsaussichten an den Grund- und Mittelschulen sehr gut – „insbesondere wegen der für die Beschulung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bereitgestellten Stellen und Mittel“. „Hier wird die Anzahl der jeweiligen Neuabsolventen nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken“, räumt das Ministerium ein. Im mittel- und längerfristigen Prognosezeitraum sei mit einem Mangel an ausgebildeten Grundschullehrkräften zu rechnen. An den Mittel- und Förderschulen setze sich der jetzt schon feststellbare Mangel an Lehramtsabsolventen fort. An den Grundschulen sei der Bedarf an Lehrern vor allem wegen der wachsenden Schülerzahlen und des Ausbaus der Ganztagsgrundschulen hoch.

Bayernweites Problem

Für den Beruf Grund- und Mittelschullehrer wirbt auch Stefan Kuen, der Leiter des staatlichen Schulamts in Nürnberg. Er räumt ein, dass derzeit ein Engpass besteht, was allerdings kein Nürnberger, sondern ein bayernweites Problem sei. Das Gute an der derzeitigen Situation sei, so Kuen, dass alle Bewerber, die die erforderliche Staatsnote erreicht hatten und alle, die auf der Warteliste standen, eine Anstellung bekommen haben und verbeamtet wurden. „Trotzdem hat es für die Grundschulen nicht ganz gereicht. An den Mittelschulen haben wir das Problem ja schon länger.“ Dort kommen seit einiger Zeit Gymnasial- und Realschullehrer mit einer Zusatzqualifikation zum Einsatz. Das Kultusministerium habe nun in Aussicht gestellt, dass dies auch für Grundschulen möglich gemacht werden soll. Für die Schulen freier Träger ist es derzeit besonders schwer, Personal zu bekommen. Das liegt laut Kuen daran, dass die meisten Absolventen den Staatsdienst bevorzugen. Mit Prognosen, fügt er hinzu, sei übrigens vorsichtig umzugehen. Und: Es richte sich ohnehin nicht jeder danach. „Es gibt immer noch Abiturienten, die sich für Fächerkombinationen entscheiden, die seit zehn Jahren nicht mehr gefragt sind.“ 

Gabi Eisenack

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