Erneut Verkaufsverbot für Feuerwerk

Böllerverbot treibt Händler zur Weißglut

15.12.2021, 13:55 Uhr
Als Feuerwerk noch erlaubt war: Hier auf der Röthenbacher Les-Clayes-sous-Bois-Brücke im Jahr 2014.

Als Feuerwerk noch erlaubt war: Hier auf der Röthenbacher Les-Clayes-sous-Bois-Brücke im Jahr 2014. © Andreas Sichelstiel (PZ)

Rechtskräftig ist der Beschluss erst, wenn ihm der Bundesrat am kommenden Freitag zustimmt. Außerdem soll es erneut in den Händen der Gemeinden liegen, ob diese ein Feuerwerksverbot aussprechen, möglicherweise begrenzt auf besonders belebte Plätze oder generell. 2021 war das Zünden von Feuerwerk im gesamten Landkreis Nürnberger Land, also auch auf privaten Grund, verboten gewesen. Außerdem galt die Ausgangssperre.

Als Argument für Verkaufs- und Böllerverbot nennen die Minister die coronabedingte Überlastung der Krankenhäuser. Jeder weitere Notfall, wie Verletzungen beim Abbrennen von Feuerwerk, müsse vermieden werden.

Tatsächlich lässt die Statistik der Rettungsleitstelle des Nürnberger Lands den Schluss zu, dass das Böllerverbot 2020 wenn überhaupt bedingte Auswirkungen auf die Zahl der Einsätze hatte. Im Vergleich: In der Silvesternacht 2018/19 rückte der Rettungsdienst im Landkreis 72 Mal, im Jahr 2019/20 103 Mal aus. Im vergangenen Jahr wurden die Einsatzkräfte 72 Mal zu Notfällen gerufen, genau wie 2018/19.

Spürbar war das Böllerverbot laut Marc Gistrichovsky, Chef der Leitstelle, allerdings im Bereich der Feuerwehr. "Hier hatten wir 2020 vier Einsätze, statt 13 wie im Jahr zuvor." Seiner Meinung nach sind die Rettungseinsätze wegen Böllerverletzungen im Nürnberger Land schon die letzten Jahre nicht besonders ins Gewicht gefallen. "Die meisten Notfälle entstehen durch zu hohen Alkoholkonsum."

Händler sitzen auf ihrer Ware

Für die Feuerwerk-Fans ist das erneute Verbot eine Enttäuschung, für die Händler der Raketen und Böller ist es die existenzbedrohende Verlängerung einer zweijährigen Dürrephase. "Das Verkaufsverbot zählt zu den Entscheidungen, die schnell ausgesprochen und nicht überlegt sind", sagt Florian Schneider, Betreiber der Nürnberger Firma Pyrodrom. Vor Corona hatte er Show-Feuerwerke im Pegnitzgrund gezündet und seine Ware in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle verkauft.

Das wichtigste Standbein des 42-Jährigen Pyrotechnikers sind die Shows. So zündete Pyrodrom seit Jahren die Feuerwerke auf den Nürnberger Volksfesten und dem Klassik-Open-Air. Normalerweise veranstaltet Schneider pro Jahr 60 bis 80 Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Nun sind es seit zwei Jahren null Shows und Artikel können wir auch keine verkaufen. Unser Umsatzverlust liegt also bei rund 100 Prozent."

Zu seinem Glück arbeite er nebenher noch bei der Firma Diehl. Das habe allerdings auch zur Folge, dass jede staatliche Finanzierungshilfe ausgeschlossen sei. Händler dagegen, die vom Feuerwerk leben, seien inzwischen in ernster Not oder bereits insolvent. "Die Politiker vergessen, dass durch das Verbot unheimliche Kosten entstehen, die hinterher niemanden mehr interessieren." So würden sich Händler bereits ein Jahr zuvor mit Böllern und Raketen eindecken und Lager oft nur temporär anmieten. "Jetzt werden die übrig gebliebenen Artikel eben schwarz gelagert und die Großhändler werden auch 2022 nichts verkaufen, denn die Einzelhändler sind versorgt."

Das Argument der Feuerwerksverletzungen ist für Schneider "fadenscheinig." In Deutschland sei jede Zündschnurlänge festgelegt, Böller mit Verletzungsgefahr seien nicht zugelassen. "Das Verbot fördert gerade den illegalen Handel mit Böllern aus Asien und Osteuropa. Diese und die selbst gebauten Artikel sorgen für die Verletzten", sagt Schneider.

Polnische Böller reißen Finger ab

So sieht es auch Gerald Freier, Leiter der Firma Freier Pyrotechnik in Altdorf. Er bildet Pyrotechniker aus, verkauft in seinem Laden Raketen und erstellt Qualitätsgutachten. Erst kürzlich habe er polnisches Feuerwerk getestet. "Wenn deutsche Böller auf Schwarzpulverbasis in der Hand gezündet werden, ist die Hand schwarz oder leicht verbrannt. Bei einem polnischen Böller fehlen dem Zünder danach Finger, was auch tödlich enden kann."

Laut Freier sind die Feuerwerkshändler im Umkreis stark verärgert über das zweite Verkaufsverbot in Folge. "Aber ob Klagen erfolgreich wären, ist fraglich." In diesem Jahr habe die Politik den Händlern immerhin zwei Wochen Zeit gelassen, Anträge einzureichen, statt zwei Tage wie 2020.

Da der Raketenverkauf für den 46-Jährigen nur ein Nebenerwerb ist, könne er die Umsatzverluste meistern. "Bei Groß- und Onlinehändlern sieht das anders aus. Die müssen jetzt zum zweiten Mal Gutscheine an die Kunden verteilen und die Ware, die sie seit drei Monaten in Pakete packen, wieder palettieren."

In Deutschland arbeiten rund 3000 Beschäftigte in der Branche. Ihnen drohe nun die Arbeitslosigkeit, warnt der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). "Mit der Entscheidung gegen Feuerwerk haben Bund und Länder auf Basis von falsch gesetzter Panik riskiert, dass es jetzt endgültig aus sein könnte für unsere Branche", sagte der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber. Laut ihm führt nicht das Zünden von legalem Silvesterfeuerwerk zu einer Überlastung der Notaufnahmen. "Die Probleme sind übermäßiger Alkoholgenuss und illegale Feuerwerksprodukte."