Nach Kabinettssitzung

Omikron-Welle lässt Corona-Zahlen explodieren: Warum Bayern erst einmal nichts tut

Tobi Lang
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17.1.2022, 12:25 Uhr
Nach einer Kabinettssitzung am Montag trat unter andrem Florian Herrmann, der Leiter der Staatskanzlei, vor die Presse. 

© Tobias Hase, dpa Nach einer Kabinettssitzung am Montag trat unter andrem Florian Herrmann, der Leiter der Staatskanzlei, vor die Presse. 

Schon in den ersten Sekunden der Pressekonferenz fällt das Wort, das in Bayern kaum einer noch hören will. "Besorgniserregend" sei die Situation im Freistaat, sagt Florian Herrmann, der von einer "hohen Infektionsdynamik" im Freistaat spricht. Die Sieben-Tage-Inzidenz schnellt vielerorts in die Höhe, für Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut am Montag einen neuen Rekord. Trotzdem, auch das erklärt der Leiter der Staatskanzlei nach einer Kabinettssitzung, wird die Staatsregierung erst einmal nichts tun. "Wir machen heute weder Verschärfungen noch Lockerungen."

Das hat Gründe, sagt Herrmann. Zwar ziehe "eine Welle durch ganz Bayern", Omikron sei mit 75 Prozent Anteil an den Neuinfektionen mittlerweile klar dominant. Die Staatsregierung will aber abwarten. "Wir beobachten immer unter dem Aspekt, wie wirkt sich die Infektionsdynamik auf die Situation im Gesundheitswesen aus." Heißt im Klartext: Es ist unklar, ob die vielen neuen Fälle die Krankenhäuser tatsächlich belasten - oder eben nicht. "Wir müssen sehen, ob es zu einer Entkoppelung der Hospitalisierung kommt", sagt Herrmann.

Noch fehlen Daten. "Ich habe das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit angewiesen, den Monitoringprozess sehr engmaschig zu betreiben", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Welche Parameter dabei maßgeblich sind, ließ der CSU-Politiker aber offen. Holetschek sagte, er sei froh, dass sich die Staatsregierung weiter Zeit nehme. "Wir müssen nochmals genau hinschauen, dass wir nicht in der fünften Welle in eine neue Überlastung des Gesundheitswesen kommen."

Bald wieder Fans im Stadion und mehr Zuschauer in der Kultur?

Einige Landkreise und Städte in Bayern kratzen bereits an der Inzidenzgrenze von 1000. Eigentlich müssten betroffene Regionen dann in einen Quasi-Lockdown gehen, Restaurants würden schließen, Hotels ebenso. Die sogenannte Hotspot-Regel ist im Freistaat aber weiter ausgesetzt. Sollte ein Kreis die Grenze reißen, passiert erst einmal nichts. "Es gibt weiter keine starre Hotspot-Regel", sagte Herrmann. Ganz abgeschafft wird sie vorerst aber nicht. "Ich halte es für klug, dass wir sie für eine weitere Woche aussetzen", sagte Gesundheitsminister Holetschek. Die Zahl 1000 stamme noch aus der Delta-Welle. Ob sie auch für Omikron sinnvoll ist, müsse man sehen. "Wir müssen das Gesamtsystem beurteilen."

Die nächsten Tage werden entscheidend, sagt der Leiter der Staatskanzlei, der sich schon in der kommenden Woche Lockerungen vorstellen kann. "Wenn es die Lage erlaubt", wie der CSU-Politiker sagte. Konkret geht es dabei um die Kapazitätsgrenzen bei Kulturveranstaltungen und im Kino. Dort sollen womöglich schon bald wieder 50 Prozent statt bisher 25 ausgelastet werden dürfen. Auch im Sport könnten Fans in die Stadien zurückkehren. "Das ist eine klare Perspektive", sagte Herrmann.