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Radioaktive Wildschweine streifen durch Bayern

Belastung in Niederbayern und Schwaben besonders hoch - Teilweise jedes dritte Tier betroffen - 20.05.2013 10:49 Uhr

Ein Wildschwein verfolgte einen kleinen, jungen Hund im Garten. © colourbox.com


Auch 27 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind in Bayern noch viele Wildschweine stark radioaktiv belastet. Zahlreiche geschossene Tiere mussten deswegen in den vergangenen Jahren vernichtet werden und konnten nicht für den Verzehr freigegeben werden. Dies geht aus einer Antwort des bayerischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervor.

Die Strahlenbelastung des Schwarzwilds ist demnach in Niederbayern und in Schwaben besonders hoch. Das Ministerium hat für die Grünen die Zahl der erlegten Wildschweine der vergangenen fünf Jahre (2008-2012) nach Regionen getrennt aufgelistet. Aus der Aufstellung geht auch hervor, wie viele Tiere die Strahlen-Grenzwerte überschritten. In Niederbayern musste von den knapp 2100 geschossenen Tieren jedes Dritte vernichtet werden. In Schwaben betraf dies von 10.700 Schweinen fast 3200 (knapp 30 Prozent).

In Oberbayern, Oberfranken und der Oberpfalz landeten zwischen 15 und 19 Prozent der Wildschweine in der Tierkörperbeseitigungsanlage. Mittelfranken ist mit sieben Prozent nur geringfügig betroffen, in Unterfranken lag kein Schwein über den Grenzwerten.

Nicht zum Verzehr geeignet

Zudem waren von den rund 15.900 in diesen Jahren in den Revieren der Bayerischen Staatsforsten erlegten Wildschweinen etwa 2250 (14 Prozent) radioaktiv verstrahlt. Da die Staatsforsten ihre Zahlen nicht nach Regionen unterscheiden, gibt es nur landesweite Zahlen des Staatsbetriebes.

Der laut Ministerium am stärksten betroffene Landkreis war Amberg-Sulzbach, wo 57 Prozent der Wildschweine verstrahlt waren und nicht verspeist werden konnten. In den Kreisen Regen, Ebersberg und Ostallgäu war nur jedes zweite Schwein verzehrfähig. Danach folgten die Landkreise Augsburg (46 Prozent über dem Grenzwert), Deggendorf (39 Prozent) und Freyung-Grafenau (32 Prozent).

Die Grünen-Landtagsabgeordneten Christine Kamm und Christian Magerl hatten nach den verstrahlten Wildschweinen gefragt, nachdem bei einer Sauenjagd nahe Augsburg in diesem Frühjahr alle 37 geschossenen Wildschweine wegen Cäsium-Radioaktivitätswerten von über 10.000 Becquerel je Kilogramm beseitigt werden mussten. Ab 600 Becquerel darf Wildfleisch nicht mehr verwertet werden.

dpa

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