Roland Hitschfel

Abschied im Ordnungsamt: Sogar die Anarchisten waren zufrieden

16.6.2021, 11:00 Uhr
Aus dem Berufsalltag: Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Ordnungsamtsleiter Roland Hitschfel (re.) wird die Funktion der Brötchentaste erläutert.

Aus dem Berufsalltag: Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Ordnungsamtsleiter Roland Hitschfel (re.) wird die Funktion der Brötchentaste erläutert. © Tschapka

Fragt man Roland Hitschfel nach den außergewöhnlichen Besonderheiten seiner Dienstzeit bei der Stadt Roth, erinnert er sich vor allem an zwei Sachverhalte. Als die "Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands" in Roth zu einer Kommunalwahl antreten wollte, musste er ihre Vertreter in Sachen "Wahlrecht" beraten. "Das habe ich gemacht, wie bei allen anderen auch", sagt der Beamte. Ganz anders geartet ist der zweite Bereich, der sich ins Gedächtnis des 62-Jährigen gebrannt hat. "Ein Mal wurde ich für eine Nottrauung ins Krankenhaus gerufen. Dabei die richtigen Worte zu finden: Da musste ich schon ziemlich schlucken."

Hitschfel war über 22 Jahre lang im Ordnungsamt der Stadt Roth beschäftigt. Zunächst ausschließlich als Standesbeamter. Ab 2006 auch als dessen Leiter. Sein unmittelbarer Chef war dabei immer der 1. Bürgermeister. Ralph Edelhäußer war es auch, der Hitschfel während der jüngsten Stadtratssitzung aus dem aktiven Arbeitsleben verabschiedet hat. Nach über 40 Jahren im öffentlichen Dienst befindet sich der geborene Weißenburger nun in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. "Ich habe alle Besoldungsstufen von A1 bis A13 durchlaufen", sagt er. Schließlich hatte Hitschfel als Soldat auf Zeit bereits von 1978 bis 1980 eine beamtenähnliche Stellung.

22 Jahre im Ordnungsamt tätig

Roland Hitschfel.

Roland Hitschfel.

Im September 1983 hat er nach einer Ausbildung für den "mittleren nichttechnischen Dienst", wie es damals hieß, als regulärer Beamter des Freistaats Bayern im Straßenbauamt Nürnberg begonnen. Für seine Aufgaben bei der Stadt Roth hätte diese Qualifikation nicht gereicht. Von 1994 bis 1997 hat Hitschfel als Aufstiegsbeamter an der Fachhochschule in Hof studiert und den akademischen Grad des "Diplom-Verwaltungswirts (FH)" erworben.

Wer den Begriff "Sicherheitsbehörde" hört, denkt gewiss zuerst an Polizei und Verfassungsschutz. Doch laut Gesetz sind primär die Kommunen in Bayern verpflichtet, Gefahren für ihre Bürgerinnen und Bürger abzuwehren. Hauptsächlich präventiv durch Genehmigungen und Kontrollen. Für eine Kommune der Größe Roths eine bedeutende Aufgabe.

"Es gibt eine etwas ältere Statistik, die belegt, dass pro Jahr im Schnitt jeder Bürger einmal Kontakt mit dem Ordnungsamt hat", weiß Hitschfel. Für ihn war das Aufgabengebiet stets "interessant, manchmal auch ein wenig aufreibend". Schließlich konnte es sein, dass man binnen kurzer Zeit mit völlig unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert war: Ein Chinese will eine Deutsche heiraten, ein Obdachloser braucht ein Zimmer, eine Hausgeburt muss beurkundet werden, ein Hund bellt zu laut bis hin zu Anfragen für große öffentliche Veranstaltungen".


Zurück zu den Wurzeln: Wechsel im Rother Ordnungsamt


Denn neben der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie dem Standesamt sind beim Rother Ordnungsamt zahlreiche weitere öffentliche Dienste angesiedelt: Die Organisation der Wahlen, das Melde- und Passwesen sowie die Genehmigung öffentlicher Feste und Feiern. Sämtliche verkehrsrechtliche Anordnungen für die Gemeindestraßen, die Verwaltung des städtischen Friedhofs und die Wohnungslosenhilfe. Für all das sowie 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war Roland Hitschfel 15 Jahre lang verantwortlich. "Von Anfang bis zum Ende immer der selbe Aufgabenzuschnitt", sagt er. "Wir waren immer breit aufgestellt und sind ohne Scheuklappen tätig geworden." Dabei habe man flexibel bleiben und sich bei Spezialfragen oft einlesen müssen, um die gesetzlichen Antworten geben zu können. "Außerdem gibt es sehr viel Rechtsprechung zum Sicherheitsrecht", sagt Hitschfel.

Kein Wunder. Denn selbst in einer Kleinstadt wie Roth sind es im Schnitt jährlich einige Dutzend Veranstaltungen, mit denen das Ordnungsamt beschäftigt ist. "Vom Vereinsgrillfest über jede Ortsteil-Kirchweih bis zum Challenge: Wenig ist 08/15." Sicherheit habe dabei immer oberste Priorität gehabt. "Viel Erfahrung und umfangreiche Kommunikation hat dazu beigetragen, dass nie etwas passiert ist", lautet Hitschfels Bilanz. Vor allem bei den Großveranstaltungen handle man sowieso niemals allein, sondern hole sich stets mehr Leute ins Boot. Wichtigste Ansprechpartner sind dabei die Polizei, die Feuerwehr und das Landratsamt.

Im Falle der Rother Kirchweih beispielsweise bekomme der Festwirt einen Bescheid der Stadt Roth mit den Auflagen zur Sperrstunde und allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen. "Bei der Überwachung und Durchsetzung hilft dann die Polizei." Beim Jugendschutz arbeite man mit dem Jugendamt zusammen. Für gewerberechtliche oder sicherheitsrelevante Fragen großer Fahrgeschäfte sei ohnehin immer ausschließlich das Landratsamt zuständig. "Aber auch die interne Zusammenarbeit im Rathaus und mit den städtischen Einrichtungen ist dabei wichtig und immer konstruktiv gewesen", ergänzt Hitschfel.

Höchste Kundenfreuquenz

Für außergewöhnlich werden es viele halten, dass das Ordnungsamt jeder Gemeinde für die Unterbringung Obdachloser zuständig ist. Rechtlich handelt es sich dabei nämlich keineswegs um eine soziale Frage. Denn Menschen ohne eigene Wohnung stellen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar, weil sie Schaden an Leib oder Leben nehmen könnten. "Wir als kreisangehörige Gemeinde sind dann gefragt, wenn es eigentlich schon zu spät ist", so Hitschfel. "Für alle sozialen Fragen sitzt das Fachpersonal nämlich am Landratsamt." Nur von dort könnte, wenn überhaupt, Wohnungslosigkeit präventiv verhindert werden.

Roland Hitschfel hat 15 Jahre lang das Amt mit der höchsten Kundenfrequenz innerhalb der Stadtverwaltung geleitet. Offenbar nicht nur nach Innen mit Erfolg. "Hinter der ganzen Arbeit stand immer eine sehr gute Mannschaft", lobt Hitschfel den Einsatz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch Bürgerinnen und Bürger sowie sogar die Anarchisten waren offenbar zufrieden. Denn in dieser Zeit gab es ganze drei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Amtsleiter. Die Pogo-Partei war nicht unter den Beschwerdeführern.

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