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Auhof: Steiniger Weg mit Happy End

Mit der Unterstützung der Mitarbeiter findet ein junger Autist den passenden Weg für sich. - 31.03.2021 06:00 Uhr

Der 24-jährige Jan genießt den Ausflug in den Freizeitpark. Nach schwierigen Zeiten findet er sich mittlerweile im Hilpoltsteiner Auhof sehr gut zurecht. Nicht zuletzt wegen der hervorragenden Unterstützung der Mitarbeiter.

30.03.2021 © Foto: Enrico Christ


Auch ist er räumlich gut orientiert. In der Vergangenheit war er mit seinem Bruder und seinem Vater sehr viel wandern und gut in das soziale Umfeld der Familie eingebunden. Jan liebt feste Rituale und Abläufe. Diese geben ihm Sicherheit. Er kann sich verbal nur sehr eingeschränkt mitteilen, versteht aber Bildsprache sehr gut und wendet sie auch selbst an.

Er hat ein Buch mit Bildern und Sätzen, die er wie auswendig zeigen kann. So kann er sich mitteilen und verständlich machen, was er möchte. Das ist seine Art der Kommunikation, die er versteht und beherrscht.

Anfang 2020 ist überraschend der Vater von Jan verstorben. Eine sehr belastende Situation, die das Leben von Jan von einem auf den anderen Tag enorm veränderte. Jan zog zu seinem älteren Bruder in dessen kleine Studentenwohnung und dieser übernahm die Betreuung von Jan.

Unbürokratische Notfallaufnahme

Es kristallisierte sich jedoch schnell heraus, dass die Situation für keinen der beiden tragbar ist. Corona-Pandemie und Lockdown mit strikten Kontaktbeschränkungen machten die Situation für Jan und seinen Bruder noch herausfordernder. Den Auhof erreicht schließlich diese dringende Aufnahmeanfrage und es wird eine unbürokratische "Notfallaufnahme" im März 2020 ermöglicht, wenn gleich mit der Annahme, dass der Auhof nur eine Zwischenlösung für Jan ist und langfristig nach einer anderen Einrichtung gesucht werden soll.

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Jan hat bis zu diesem Zeitpunkt stets im häuslichen Umfeld gelebt und kannte keine stationären Strukturen. Jan zog in eine der Außenwohngruppen, doch die Aufnahme gestaltete sich sehr schwierig. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen und der Bruder musste Jan abholen.

Das Einfügen in den Gruppenalltag funktionierte einfach nicht. Doch aufgeben wollten alle Beteiligten auch nicht. Es wurden die entsprechenden Stellen am Auhof einbezogen und nach einer anderen Lösung gesucht. Jan zog in eine therapeutische Wohngruppe mit nur wenigen Mitbewohnern. Leider gab es auch hier für Jan keine Zukunft, es war nicht das Richtige.

Es wurde ein weiterer Versuch unternommen. Enrico Christ, Wohnbereichsleiter zweier Wohnbereiche am Auhof und sein Team ermöglichten Jan eine weitere Perspektive. Doch auch hier stellte sich die Situation ähnlich dar, wie in den beiden vorherigen Wohngruppen. Jan kannte kein stationäres Wohnen und es fiel ihm sehr schwer, sich hier zu integrieren. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen, vor allem mit den Mitbewohnern.

Unterstützerteam

Rund um Jan bildete sich dann ein Unterstützerkreis. Gemeinsam haben Kolleg*innen aus dem Wohnbereich, Gudrun Hoyer vom Fachdienst, Casemanagerin Francisca Schneider und Jans Bruder nach Möglichkeiten der Unterstützung für Jan gesucht: Welche Wohnform passt am besten zu ihm? Wie kann eine Umstellung für ihn möglichst leicht gelingen? Was braucht Jan, um gut im Wohnbereich leben zu können?

Alle Beteiligten steckten viel Arbeit und Mühe hinein, den jungen Mann zu verstehen und ihm zu helfen. Auch wenn es ein harter und langer Weg war, die Mühe hat sich gelohnt. Das Zusammenspiel der Unterstützer hat hervorragend geklappt und Jan hat davon profitiert.

Er ist mittlerweile gut im Wohnbereich eingebunden, übernimmt hier einige Aufgaben, erledigt Botengänge und besucht bei dieser Gelegenheit meist seine Case Managerin, um ihr freudig zu zeigen, was er gerade macht.

Klare Regeln

Jan empfindet klare Regeln im Wohnbereich als notwendig. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, haben die Kolleginnen und Kollegen im Wohnbereich diese Regeln für ihn visualisiert. Zum Beispiel durch ein Armband, das jeweils ein Mitarbeitender im Dienst trägt, der dann für Jan für diesen Zeitraum der Ansprechpartner ist.

All das gibt Jan Sicherheit und er hat mittlerweile verstanden, wie alles läuft und weiß es zu nutzen. Es wird noch weiter an entsprechenden Hilfen gearbeitet.

Jan kann zum Beispiel auf mehr Möglichkeiten im Bereich der unterstützten Kommunikation zugreifen und erweitert so seine Fähigkeiten und seine Bandbreite.

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Auch den Mitarbeiter*innen ist Jan mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und sie möchten ihn nicht mehr missen. "Da kommt jemand, der nicht sozialisiert in einer Einrichtung aufgewachsen ist, von dem man was lernen kann und mit dem man gemeinsam etwas verändern kann. Das gibt der eigenen Arbeit einen besonderen Sinn und macht Spaß!" (Hannah Bock, Mitarbeiterin im Wohnbereich).

"Wir dürfen uns freuen, dass keiner im Prozess aufgegeben hat, wenngleich es nicht nach Erfolg ausgesehen hat, denn sonst wären wir um eine sehr bereichernde Erfahrung und einen bezaubernden Menschen ärmer."

JESSICA KITZAN

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