"Querbeet" und mehr:

Barbara Krasemann: Durch die Gartentür ins Fernsehen

15.6.2021, 15:00 Uhr
Die Dreiblattzitrone ist die einzige Zitrusfrucht, die in unseren Breitengraden gedeiht – im Bild weiß sie mit ihrer Blüte zu begeistern, auf die Barbara Krasemann hindeutet.

Die Dreiblattzitrone ist die einzige Zitrusfrucht, die in unseren Breitengraden gedeiht – im Bild weiß sie mit ihrer Blüte zu begeistern, auf die Barbara Krasemann hindeutet. © Foto: Jürgen Leykamm

Das Tor zu ihrem eigenen grünen Paradies, das sich in Dixenhausen über eine Fläche von 8500 Quadratmetern erstreckt, öffnet sie aber auch gerne für Führungen. Dabei gibt es immer wieder etwas neues zu entdecken – denn die Welt der Pflanzen bewegt sich zwar langsam, aber sie steht niemals still.

Schon über 200 Folgen gedreht

Seit 16 Jahren nun schon finden sich die Kamerateams am Ortsrand von Dixenhausen ein. Über 200 Folgen der Sendung wurden schon in "Bärbels Garten" gedreht und ausgestrahlt. Dazu ein 45-minütiges Porträt der Gartenexpertin, ein weiteres ist in Planung.

Alles beginnt 2004 beim Tag der offenen Gartentür, der in jenem Jahr Ende September stattfindet. Die Resonanz der Garteninhaber ist damals überschaubar, aber Krasemann legt sich ins Zeug: Mit ihren Mitstreitern demonstriert sie die Herstellung von Sauerkraut, Most, Marmelade, Kräuterlimonade und Dörrobst. Das schlägt förmlich ein und bald wird aus der Dixenhausenerin das neue "Querbeet-Gesicht".

Gartenmusik: Dass in „Bärbels Garten“ ordentlich Musik drin ist, darauf weist diese eigenwillige Dekoration hin.

Gartenmusik: Dass in „Bärbels Garten“ ordentlich Musik drin ist, darauf weist diese eigenwillige Dekoration hin. © Foto: Jürgen Leykamm

Warum das Interesse an ihr und ihren floralen Welten so groß ist? "Ich arbeite teils mit unglaublich seltenen Pflanzen", verrät die Gartenliebhaberin einen Teil ihres Erfolgsrezeptes. Zum Beispiel mit der Dreiblattzitrone: "Das ist die einzige Zitrusfrucht, die hierzulande gedeiht" – ganz ohne Gewächshaus, wie sie erklärt. Vor eineinhalb Jahrzehnten hat sie das erste dieser winterharten Bäumchen begonnen groß zu ziehen. Heuer trägt es Früchte und hat obendrein noch mit der Blüte begeistert. Empor gekommen ist es im Steingarten.

Unter diesem Begriff darf man sich hier natürlich keine insektenfeindliche Steinwüste vorstellen. Ganz im Gegenteil: "Geröll-Alpinum trifft es eigentlich besser", sagt die Fachfrau. Und das bringt eine Vielfalt von Pflanzen hervor, "die woanders gar nicht wachsen können".

Den Bienen geht es richtig gut – das Angebot an Nektar ist üppig. Heilpflanzen tummeln sich hier, die sich größtenteils auch essen lassen. Anderes landet als Duft-Potpourri in großen Porzellan-Amphoren. Denn die 67-Jährige will ihren Garten nicht nur pflegen, sondern auch genießen. So gibt es zum Beispiel einen kleinen Schwimmteich, in dem sich zudem Fische und Edelkrebse zuhause fühlen. Der Weg dorthin ist gesäumt mit einem großen Spektrum völlig verschiedener Trillium-Pflanzen, auch Waldlilien genannt: "Sie kreuzen sich hier auf natürliche Weise, so dass immer wieder neue Sorten von selbst entstehen", so Krasemann.

Viel verschiedene Sorten von Trillium gedeihen in Dixenhausen, wo sich diese Pflanze Wege kreuzt und so selbst für große Vielfalt sorgt.

Viel verschiedene Sorten von Trillium gedeihen in Dixenhausen, wo sich diese Pflanze Wege kreuzt und so selbst für große Vielfalt sorgt. © Foto: Jürgen Leykamm

Richtig multikulturell wird es im voriges Jahr neu befestigten Kräutergarten. Hier lässt sich in den "Römischen Schildampfer" beißen, dessen Blatt Durstgefühle löscht. Daneben wachsen Liebstöckel aus den schottischen Highlands und chinesischer Lauch. Der hat auch noch einen pfiffigen Verwandten – den sogenannten Wunderlauch. Er bildet nicht nur Zwiebeln im Boden, sondern zugleich oberirdisch am Stil aus. Ein echter "Vermehrungsprofi" also.

Auf einem Hof aufgewachsen

Dass sie selbst einmal Gartenprofi werden würde, ist der gebürtigen Nordrhein-Westfälin vielleicht schon ein bisschen in die Wiege gelegt worden. Auf einem Bauernhof im Harz aufgewachsen, hat die Familie viele Jahre mit der Natur gelebt: "Meine Mutter kannte dort alle Kräuter", erinnert sich Bärbel Krasemann zurück, die nun selbst über ein enormes Pflanzenwissen verfügt. Trotzdem beschreitet sie als junge Erwachsene eine ganz andere Richtung und studiert anorganische Chemie. Nur um ihre Lehre daraus zu ziehen: "Solch giftige Substanzen kommen nicht in meinem Garten!"

In dem führt sie teils durchaus ein strenges Regiment: "Eine Pflanze, die sich hier nicht wohl fühlt, kommt raus". Bäume und Sträucher werden nicht gegossen, so dass sie gezwungen sind, bei der Suche nach Wasser ihre Wurzeln tiefer graben zu lassen. "Das sorgt für eine Grundimmunität, so dass Schadinsekten und Pilze keine Chance haben", wie die Expertin betont.

Im voriges Jahr befestigten Kräutergarten geht es wahrhaft multikulturell zu – vom römischen Schildampfer bis zum chinesischen Lauch.

Im voriges Jahr befestigten Kräutergarten geht es wahrhaft multikulturell zu – vom römischen Schildampfer bis zum chinesischen Lauch. © Foto: Jürgen Leykamm

Der Beruf ihres ersten Mannes führt sie erst nach Kleinschwarzenlohe. Um ihre gärtnerischen Träume verwirklichen zu können, kauft sich das Paar 1985 ein kleines Häuschen mit großer Wiese in Dixenhausen. Zehn Jahre später trennen sich die Wege der beiden, der zweite Ehemann stirbt nach schwerer Krankheit. Seit 17 Jahren geht Krasemann glücklich mit ihrem Lebenspartner Wolfgang Friedel durchs Leben.

Arbeitsreicher Beginn

Der Beginn ihrer Gartenlaufbahn in dem Thalmässinger Ortsteil ist richtig arbeitsreich: Zur Einfriedung müssen Bäume gesät oder gepflanzt werden. Darunter auch eine Esskastanie, womit die Wahl-Mittelfränkin große Weitsicht beweist. "Damals hieß es, ein solcher Baum kann hier nicht überleben" – heute zählt er im Zeichen des Klimawandels zu den Hoffnungsträgern und Zukunftspflanzen.

Im Garten braucht man eben Geduld. Zum Beispiel auch mit der Pimpernuss, die bis zu sieben Jahre keimt. Und es gibt so manche pflanzliche Helfer. Wie etwa eine Berberitze, welche die Hornissen anlockt, die wiederum den Wespen den Garaus machen: "So kann ich Pflaumenkuchen auch draußen essen".

Ein neuer Weingarten mit Tafeltrauben, ein Rosenkreis, exotisch anmutende Indianerbananenpflanzen oder ein Korkbaum: Vieles lässt sich entdecken. Und zu jeder Pflanze kennt Krasemann eine Geschichte. wie etwa über die wahrscheinlich erste "Quercos Macrocarpa" in Bayern: "die einzige sommergrüne Eiche mit süßen Früchten". Heuer sollen die Eicheln das erste Mal ausreifen, dann wird Brot gebacken. Wie es in Korea die Oma einer Besucherin zu tun pflegte.

Führungen werden, so eine von Krasemanns Lehren aus der Coronazeit, nur noch im Mai und im Juni angeboten. Heuer gibt es noch eine Ausnahme – in der ersten Septemberhälfte können jene vorbeikommen, denen es aufgrund der Pandemie im Mai verwehrt wurde.

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