Donnerstag, 26.11.2020

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Bei Heuberg: Waldbaden als Quelle neuer Energie

Im Herbst konnte das Event endlich stattfinden - 26.10.2020 11:15 Uhr

Carolin Kolsch fühlt sich beim bewussten Gang durch den Wald getragen wie auf einem Floß, das auf einem ruhigen Fluss gleitet. Als Symbol dafür bastelt sie während des „Waldbadens“ aus Naturmaterialien ein Schiffchen.

26.10.2020


Im Mai ist die Premiere des Waldbadens bei Heuberg noch coronabedingt ausgefallen. Aber das Warten auf den Herbst wurde nun mit einem Wetter belohnt, das dem Begriff "Goldener Oktober" alle Ehre macht. Beste Voraussetzungen also, um "in die Tiefe des Waldes und vielleicht auch in die eigenen Tiefen vorzudringen", so Therapeutin Sabine Jaeschke zu Beginn der gut zweistündigen Veranstaltung mit bewusst wenigen Teilnehmern.

Angeboten hat sie die Stadt Hilpoltstein und so ist auch Silvia Wittmann vom Amt für Kultur und Tourismus mit dabei, ebenso wie sieben weitere Damen, zu denen sich ein einzelner Herr gesellt.

Treffpunkt ist der Jaeschke-Pferdehof. Von dort geht es gemächlichen Schrittes zu einem Waldstück in der Nähe. Die Runde will den Geheimnissen des "Shinrin-Yoku" auf die Spur kommen, das in Japan als Methode zur Gesundheitsförderung längst anerkannt ist und sich in Deutschland unter dem Namen "Waldbaden" immer größerer Beliebtheit erfreut.


Erholung: Neues Projekt "Waldbaden" am Nagelberg


Unter anderem sollen das Immunsystem gestärkt und Stresshormone abgebaut werden. "Der Wald hat den Menschen schon immer gut getan", erklärt Jaeschke. Vor allem natürlich dann, wenn man sich bewusst auf ihn einlasse und als Radler oder Jogger die Musikkopfhörer zu Hause lasse.

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Genau zu diesem bewussten Wahrnehmen fordert die Therapeutin auf, während die kleine Schar gemächlich die Waldwege entlang schreitet. Dabei sollen die Waldbadenden kleine Schätze aufsammeln, bei denen der Einzelne spürt: "Das hat etwas mit mir zu tun!"

Erinnerung an die Kindheit

An einer Lichtung angelangt, dürfen und sollen die Funde samt den Assoziation, die damit verbunden sind, vorgestellt werden. Viele fühlen sich an die eigene Kindheit erinnert. An die Zeiten voller Körbe mit gesammelten Brombeeren oder kunstvoll zurecht geschnitzter Äste, wie sie einst Dieter Spindler aus Roth, der einzige Mann in der Runde, anfertigte.

Als Student schon habe er den bewussten Waldlauf für sich entdeckt, wie er sagt. Nun ist er seit einigen Monaten Rentner und nutze nach einem Arbeitsleben im hektischen Vertrieb die Chance des Waldbadens, "um die Stille zu hören und einfach neu geerdet zu werden." Seine Ehefrau Susanne, die ebenfalls mit zur Gruppe gehört, hat ihn zum Mitgehen animiert.

"Ganz neues Erleben"

Auch Marina Lerzer aus Mörsdorf ist fasziniert. Erst vor zwei Wochen sei sie zufälligerweise im gleichen Waldstück unterwegs gewesen, erlebe es aber nun auf eine ganz neue Weise. Mit Seminarleiterin Jaeschke kommt Carolin Kolsch auf die selbe Idee: Beide haben aus ihren Waldfunden flugs je ein Wasserfahrzeug gebastelt.

Die Therapeutin setzt mit einem Ahornblatt die Segel, die Heideckerin zaubert ein schmuck dekoriertes Floß – als Symbol für das Gefühl, "durch den Wald getragen zu werden."

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Mal lässt sie in den Waldmaterialien widerspiegeln – eine willkommene Vorlage für Jaeschke, die in einer Meditation dazu ermuntert, dem Kreislauf der Natur im eigenen Leben nachzuspüren: Dort einen guten Stand wie ein Baum zu finden; die Sorgen und Nöte wie Blätter abfallen zu lassen; die Jahreszeiten aus der Baumperspektive zu erleben.

Mit allen Sinnen erleben

Einige Schritte weiter ermuntert Jaeschke noch mehr zum Spüren. Gegenseitig sollen sich die Teilnehmer Funde aus der Waldschatzkiste in die Hand geben, worauf der Empfänger ohne hinzusehen erkennen soll, um was es sich handelt: Eichelfruchtbecher, Schneckenhaus oder Rohrkolben werden schnell benannt; Anderes braucht etwas länger.

"Wer sich mit solchem Erspüren beschäftigt, der vergisst ganz von selbst den Alltagsstress und kann das Gedankenrad anhalten", so der Tipp Jaeschkes, bevor sie dazu ermuntert, "die äußeren Augen zu schließen und die inneren zu öffnen". Und bewusst zu atmen: Frische, neue Lebensenergie, angereichert mit den von Bäumen verströmten ätherischen Ölen, gilt es einzusaugen, während "alles Verbrauchte abgegeben werden darf."

Im Lauf der Stunden kommen alle Teilnehmerinnen und der Teilnehmer mehr und mehr zur Ruhe.

Die Therapeutin schickt die Gruppe gegen Ende auf eine Fantasiereise, bei der die Teilnehmer einem Waldtier begegnen, mit einer bestimmten Nachricht für sie. Es ist nicht nur diese, sondern eine wohltuende Gesamterfahrung, die die Anwesenden schließlich mit nach Hause nehmen dürfen.

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JÜRGEN LEYKAMM

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