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Büchenbach: So wird die Schule digital

Die Grundschule vor Ort braucht etwa 190 Tablet-Computer. Aber es geht nicht alles auf einmal - 30.05.2020 08:47 Uhr

Digital vor analog: Um genügend Geld für die Anschaffung von Tablets und für die digitale Ausstattung der Schule zu haben, könnten geplante Baumaßnahmen wie die Sanierung der Außentreppe verschoben werden. © Foto: Stefanie Graff


Der von der Gemeinde beauftragte IT-Fachplaner Markus Dinzl stellte in der Sitzung mögliche Varianten einer individuell angepassten, zeitgemäßen digitalen Ausstattung vor. Die Schulleiterin und die Systemadministratorin der Schule, Nadine Baumgart, erläuterten die pädagogischen und pragmatischen Anforderungen, die sie in mühevoller Arbeit im Kollegium erarbeitet hatten. Der Gemeinderat debattierte ausgiebig, sah sich aber zwischen grundsätzlichem Befürworten, pädagogischer Skepsis im Detail und der Angst vor auf lange Sicht nicht bewältigbaren Kosten nicht zu einer sofortigen Entscheidung in der Lage. Spätestens in der nächsten Sitzung allerdings muss die Sache vom Tisch. Sonst geht ein Teil der Fördermittel, für die bis Ende Oktober ein Verwendungsnachweis vorliegen muss, dahin.

Ganz gute Voraussetzungen

 

Dabei steht die Schule im Vergleich gar nicht schlecht da. Das bestätigte Markus Dinzl, dessen Aufgabe die konkrete Planung und Umsetzung des Digitalisierungs-Projekts an der Schule ist. Immerhin: Im Büchenbacher Schulhaus gibt es WLAN in allen Räumen, in den Pfingstferien wird der Glasfaseranschluss verlegt. "Wir müssen keine Kabel verlegen", betonte Dinzl. Damit fällt ein großer erster Kostenfaktor weg.

Mit Nadine Baumgart hat das Kollegium eine frisch eingearbeitete Systemadministratorin, die sich bereits vor Monaten mit Verve in die neue Aufgabe gestürzt hatte. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung wurde ein Medienkonzept erstellt, das die Voraussetzung dafür ist, Gelder aus dem Digitalpakt Schule abrufen zu können. "Wenn man kein IT-Spezialist ist, ist diese Aufgabe wirklich groß", betonte die Lehrerin, die in Teilzeit arbeitet und als Mutter zweier Grundschulkinder in den letzten Wochen beide Seiten des Fernunterrichts intensiv erlebt hat. "Wir mussten das ohne große Hilfe schaffen und haben das ganz gut hingekriegt." Wenig Verständnis hat sie deshalb für den derzeit oft geäußerten Vorwurf, die Schulen würden mit dem Abrufen zur Verfügung stehender Gelder aus dem Digitalpakt trödeln.

Die Schulschließungen Mitte März mit der völlig überraschenden Situation, von jetzt auf gleich Fernunterricht improvisieren zu müssen, hat den Blick auf die gewünschte technische Ausstattung der Schule außerdem noch einmal deutlich verändert: Statt Laptop-Koffern für das Schulhaus werden jetzt Tablets in großer Zahl gebraucht, um sie Kindern im Notfall auch mit nachhause geben zu können.

Auch in der Schule lasse sich damit vielfältig und pädagogisch sinnvoll arbeiten, betonen die Lehrerinnen. So, wie es bereits seit Jahren der Lehrplan auch in der Grundschule eigentlich vorsieht, damit schon die Kleinen lernen, digitale Geräte sinnvoll und verantwortungsbewusst zu nutzen. Tablets können nicht nur mit entsprechender Lernsoftware den Kindern an die Hand gegeben werden. Damit lassen sich auch viele Funktionen im Klassenraum abdecken. Manch zusätzliches Gerät wird damit überflüssig. "Interaktive Whiteboards brauchen wir hier nicht", betonte Baumgart.

Damit das Ganze aus Sicht der Schule Sinn macht, müssen genügend Tablets vorhanden sein, um im Idealfall alle Schüler damit ausstatten zu können. Im Sinne der Chancengleichheit brauche jedes Kind ein vergleichbares Endgerät. Mit einem Sammelsurium an privaten Geräten zu arbeiten, mache in der Grundschule keinen Sinn. "Ich muss als Lehrerin sicherstellen, dass jedes Kind auf seinem Bildschirm das gleiche Bild hat und jeder Arbeitsschritt gemeinsam gemacht werden kann." Schulen müssten digitale Endgeräte wie Schulbücher zur Verfügung stellen.

 

190 Tablets benötigt

 

Allein 180 Tablets für Schulkinder und zehn für Lehrer müssten dazu im Falle der Büchenbacher Schule angeschafft, vernetzt und gewartet werden. Die Tablets müssen so konfiguriert sein, dass Eltern und Kinder daran keine Änderungen vornehmen können und die Geräte ausschließlich für den schulischen Bedarf genutzt werden können.

Der IT-Fachmann erläuterte, welche Punkte bei einer modernen digitalen Schulausstattung berücksichtigt werden müssen. Nur mit einer einheitlichen serverbasierten IT- Landschaft für das ganze Haus lassen sich Funktionalität und Datensicherheit vernünftig herstellen. Wenn nicht in einem Zug, so müsste zumindest in wenigen Etappen komplett umgestellt werden.

Trotz Tablets kann und will die Schule auf längere Sicht auf einen gut ausgestatteten Computerraum nicht verzichten. Dort werde ganz anders gearbeitet. Die Schüler müssten nicht nur das Wischen auf dem Touchscreen, sondern auch das Bedienen von Anwendungen mit Maus und Tastatur lernen.

Alles auf einmal wird jedoch nicht drin sein. Dinzl hat in der Gemeinderatssitzung mehrere Umsetzungs-Varianten aufgezeigt und zur Diskussion gestellt. Nach der Sitzung hat er, auch auf Wunsch der Gemeinderäte, das noch einmal zu einem mit eindeutigen Zahlen belegten Gesamtkonzept zusammengeführt, das Leistung, Kosten und Fördermöglichkeiten aus verschiedenen Töpfen zusammenfasst.

Wie schnell sich Voraussetzungen ändern können, hat sich auch dabei wieder gezeigt: Buchstäblich über Nacht hat sich eine zusätzliche Fördermöglichkeit aufgetan. Dennoch bleibt am Sachaufwandsträger, also der Gemeinde, ein erheblicher Eigenanteil hängen, der im Haushaltsplan so nicht gedeckt ist.

Die aktualisierte Konzept-Variante umfasst die digitale Vollausstattung der Schule und streckt die Umsetzung über einen Zeitraum von drei Jahren. Dafür hat der Planer Gesamtkosten in Höhe von rund 224 000 Euro errechnet, von denen nicht ganz die Hälfte nach derzeitigem Stand durch Fördermittel gedeckt sei.

Als Sofortmaßnahme könnten danach in diesem Jahr neben Installation und Inbetriebnahme eines Servers Tablets für Lehrkräfte und die Hälfte der Schüler angeschafft werden. Dazu kommen Kosten für Medientechnik und die Software "Logodidact" sowie die erforderlichen Schulungen. Zusammen mit den Projektierungskosten summiert sich das auf rund 101 000 Euro, von denen 71 600 Euro von Fördermitteln gedeckt sind.

Für weitere 96 Schüler-Tablets und Medientechnik fielen nach dieser Planung 2021 Investitionskosten in Höhe von nicht ganz 80 000 Euro an, von denen die Gemeinde knapp 65 000 Euro selber stemmen müsste. Die Windows-Ausstattung des Computerraumes steht für 2022 im Plan und ist mit knapp 43 400 Euro kalkuliert, von denen die Gemeindekasse gut 19 000 Euro zahlen müsste. Nicht berücksichtigt sind jährliche Kosten für Service, Support und Lizenzen in Höhe von über 13 000 Euro, die in die Gesamtkalkulation aber einfließen.

 

Das gibt der Haushalt nicht her

 

Etwas über 113 000 Euro Eigenmittel gibt der Haushaltsplan der Gemeinde aktuell nicht her. Um die Digitalisierung der Schule dennoch finanzieren zu können, hat die Verwaltung bereits einen konkreten Vorschlag gemacht: Man könnte auf die Schnelle zumindest 75 000 Euro, die im Vermögenshaushalt für die Erneuerung der Außentreppe zur Aula und für die Sanierung der Außenmauer der Schulküche eingestellt sind, für die Priorisierung der Digitalisierung umwidmen.

Über all das wird der Gemeinderat am 30. Juni entscheiden müssen. Kopfzerbrechen macht den Akteuren vor Ort aber auch, wie die digitale Ausstattung der Schule auf längere Sicht zu stemmen sein wird. Derzeit gebe es reichlich Förderung, aber was ist, wenn die Geräte nach einer überschaubaren Nutzungszeit von drei bis fünf Jahren ersetzt werden müssen?

STEFANIE GRAFF

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