"Es muss weitergehen"

Corona-Blues mit 2G-Plus: Wie Kulturfabrik und Jegelscheune im Lockdown-Modus planen

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 26.10.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Detlef Gsänger..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Detlef Gsänger

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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25.11.2021, 06:04 Uhr
Gern hätte das Rother Publikum die Ausnahmesängerin Marla Glen im März 2021 bei den 29. Rother Bluestagen gefeiert. Die Programmplaner der Bluestage hoffen nun, dass ihr Auftritt 2022 klappt. Bis dahin können Glen-Fans noch in der Erinnerung an den großartigen Auftritt bei den 18. Rother Bluestagen 2009 schwelgen (unser Foto).

Gern hätte das Rother Publikum die Ausnahmesängerin Marla Glen im März 2021 bei den 29. Rother Bluestagen gefeiert. Die Programmplaner der Bluestage hoffen nun, dass ihr Auftritt 2022 klappt. Bis dahin können Glen-Fans noch in der Erinnerung an den großartigen Auftritt bei den 18. Rother Bluestagen 2009 schwelgen (unser Foto). © Hans von Draminski

Menschen, die im Kulturbereich arbeiten, leiden ebenfalls schon seit fast zwei Jahren unter der Pandemie und den damit verbundenen erschwerten Bedingungen für Auftritte. Und nun wurden die Corona-Regeln wegen steigender Fallzahlen weiter verschärft. Erste Veranstaltungen werden deshalb schon wieder abgesagt oder verschoben, Vorhaben mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern können zudem nur schwer realisiert werden.

Dennoch planen beispielsweise die Verantwortlichen der Rother Kulturfabrik unverdrossen weiter. Schließlich steht das renommierte Genre-Festival, die Rother Bluestage, quasi vor der Tür. Auch Andrea Söllner, Leiterin des Bildungs- und Kulturreferats in Wendelstein, sitzt aktuell über den Planungen eines über Franken hinaus bekannten Festivals, dem „Jazz & Blues Open“. Für beide Programmmacherinnen gilt: „Es muss weitergehen!“

An den Planungen für die Bluestage 2022 wird nicht gerüttelt. „Wir bleiben uneingeschränkt optimistisch und hoffen, dass die Pandemie bald eingedämmt werden kann“, sagt Silke Rieger, eine der beiden künstlerischen Leiterinnen der Kulturfabrik in Roth. „Das brauchen wir alleine schon für unsere Moral. Gleiches gilt doch auch für die Künstler.“ Größtenteils wird das Programm 2021 übernommen - einschließlich Marla Glen. Die Ausnahmestimme kehrt mit dem neuen Album „Unexpected“ 2022 voraussichtlich auf die Kufa-Bühne zurück. Ihr erster Auftritt dort fand 2009 vor ausverkauftem Haus statt.

"Was sollen wir sonst tun?"

Das komplette Programm der Rother Bluestage (26. März bis 3. April 2022) soll eventuell noch vor Weihnachten präsentiert werden. „Wahrscheinlich wird es aber ein paar Tage später“, meint Rieger, die derzeit mit ihrem Team auf Sicht plant. „Wir haben aktuell mit der strikten Umsetzung der „2G+“-Regelungen viel zu tun. Veranstaltungen müssen dahingehend überprüft und gegebenenfalls verschoben werden. Dann kommt die Finalisierung der Bluestage an die Reihe. Alles Schritt für Schritt. Die Planungen auf kultureller Ebene sind derzeit halt grundlegend anders als sonst“, sagt Rieger und gibt sich dennoch zuversichtlich. „Was sollen wir sonst tun?“

Seit Mittwoch gelten auch in der Kulturfabrik schärfere Corona-Regeln. Veranstaltungen kann nur besuchen, wer geimpft oder genesen ist (2G+). Zusätzlich ist ein offizieller Antigen-Schnelltest erforderlich. Ferner ist eine FFP2-Maskenpflicht während der gesamten Dauer des Aufenthalts in der Kulturfabrik unerlässlich, auch während der Veranstaltung am Sitzplatz. Auf eine Pause wird vorerst verzichtet. Ein Getränkeausschank ist nur vor der Veranstaltung möglich. Zum Trinken darf die Maske am Platz kurz abgenommen werden.

Und es gibt schon die ersten Programmverschiebungen: Die Kulturfabrik darf seit Dienstag, 23. November, nur noch 25 Prozent der Plätze im Saal belegen - vorerst gilt diese Regelung für alle Veranstaltungshäuser bis zum 15. Dezember. Einige Veranstaltungen müssen aufgrund der verringerten Platzkapazität bereits verlegt werden.

Die Interaktion fehlt

Die Mentalmagie-Show von Christoph Kuch beispielsweise wurde vom 26. November auf 19. März 2022 verschoben. Die nähere Begründung ist auf der Internetseite der Kulturfabrik nachzulesen: „Christoph Kuch braucht die Interaktion mit den Zuschauern, holt immer einige Gäste auf die Bühne und geht ins Publikum - dies ist in der aktuellen Situation nicht möglich“. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können an den jeweiligen Vorverkaufstellen zurückgegeben werden.

Die Jahresausstellung des Fotoclubs Roth entfällt 2021 und wird ins kommende Jahr verlegt. Das anstehende Konzert mit Anna Mateur & The Beuys findet ebenfalls später statt. Der neue Termin wird in den nächsten Tagen auf der Homepage www.kulturfabrik.de bekanntgegeben. Auch der weihnachtliche Musikkabarettabend „Sofa“ von Lizzy Aumeier muss wegen des bereits über der erlaubten Auslastung verkauften Kartenkontingents um ein Jahr auf den 3. Dezember 2022 verschoben werden. Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.

Aktuell können das Konzert von Norbert Schneider am 28. November, die Lesung von Gerd Berghofer am 10. Dezember, die Veranstaltung von Helmfried von Lüttichau am 5. Dezember und das Konzert von Martin Kälberer am 11. Dezember unter den neuen Corona-Auflagen (2G+, FFP2-Maskenpflicht) stattfinden. Sollte der Inzidenzwert des Landkreises Roth in den nächsten Tagen jedoch die Marke von 1000 überschreiten, müssen auch diese Vorstellungen abgesagt werden. Alle Fragen zum Ticketkauf und den aktuellen Corona-Auflagen werden im Büro der Kulturfabrik unter Telefon (09171) 848-714 oder per E-Mail an kulturfabrik@stadt-roth.de beantwortet.

Auch Wendelstein hofft

Derzeit brütet Andrea Söllner über dem Vorzeige-Festival Jazz & Blues Open Wendelstein 2022. „Nicht zum ersten Mal“, sagt sie bitter-schmunzelnd. „Natürlich geht die Gesundheit der Allgemeinheit vor, aber die Planungsunsicherheit trifft uns hart“, so Söllner. Mit „uns“ meint sie Veranstalter, Agenturen, Management und letztlich auch die Künstler. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, seufzt sie. Geplant wird für den Zeitraum 29. April bis 6. Mai 2022. Glücklicherweise kann sie überwiegend auf das Line-up von 2021 zurückgreifen.

Der einzige Künstler, mit dem das Planungsbüro für Jazz & Blues Open 2022 keinen Termin vereinbaren konnte, ist Al Di Meola. „Alle anderen Konzerte stehen noch, natürlich wollen wir die Verträge erfüllen“, sagt Andrea Söllner. Bei der schon zweimal verschobenen Konzertreihe ist erneut der englische Songwriter, Jazzsinger und Multiinstrumentalist Jamie Cullum aus Essex angekündigt. Er soll im kommenden Jahr am 29. April den Eröffnungsabend der 27. Jazz & Blues Open bestreiten. Er ist die absolute Zugnummer und reiht sich vor Ort in die Riege eines Al Jarreau oder Gregory Porter ein.

Weitere Information findet man auf der Festival-Homepage www. jazzandbluesopen.de. Kommen soll auch The Passadena Roof Orchestra, und zwar am 6.Mai 2022. Mit einem weiteren Headliner für die große Bühne stehe sie gerade in Verhandlungen, deutet Söllner vielsagend an.

„Nicht durchführbar“

Allerdings: Sollte im Festivalzeitraum immer noch eine Besucherauslastung von 25 Prozent der Kapazität gelten, wie dies derzeit der Fall ist, seien gewisse Konzerte aus finanziellen Gründen ganz klar nicht durchführbar. 25 Prozent Auslastung, das würde für die Jegelscheune gerade mal 25 Leute bedeuten. Fast Wohnzimmeratmosphäre. Derartige Gedanken lässt die Festivalleiterin derzeit nicht zu. „Es ist doch keine Alternative, nichts zu planen, wenn letztendlich doch Hoffnung besteht, 2022 wieder Konzerte im nahezu üblichen Rahmen durchführen zu können.

Einige kleinere Konzerte hat sie heuer schon in der Jegelscheune durchführen können. „Da hat man gemerkt, wie froh die Zuhörer waren, wieder Live-Konzerte besuchen zu können“. Froh seien auch die Künstler gewesen, wieder auftreten zu können.

Söllner musste aber auch so einige Konzerte auf einen späteren Zeitraum verschieben. Und sie hat die Aufnahme in ein Förderprogramm beantragt, allerdings noch keinen Bescheid bekommen. „Es muss kulturell gesehen weitergehen, wir leisten dazu Vorarbeit und hoffen, unsere Planungen dem Publikum anbieten zu können“. Bis dahin müsse jedoch die Impfquote steigen und die Inzidenz wieder deutlich sinken.

Aktuelle Konzertverlegungen in der Jegelscheune: Das Konzert von Zydeco Annie & Swamp Cats „Louisiana Christmas Night“ vom 27. November wird verlegt auf den 9. Dezember 2022. Die bereits verkauften Karten behalten ihre Gültigkeit, können aber auch an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Der Ersatztermin für das Konzert „Nordischer Weihnachtszauber & tanzende Rentiere“ am 10. Dezember wird noch bekanntgegeben.