Corona-Psalmenbuch in DIN A3

22.4.2021, 17:20 Uhr
Auf dem Altar der Ottilienkirche, der Kirche einer kleinen Dorfgemeinde im Rother Ortsteil Pfaffenhofen, soll das Corona-Psalmenbuch dereinst seinen Platz finden, sagt Pfarrer Eberhard Hadem.

Auf dem Altar der Ottilienkirche, der Kirche einer kleinen Dorfgemeinde im Rother Ortsteil Pfaffenhofen, soll das Corona-Psalmenbuch dereinst seinen Platz finden, sagt Pfarrer Eberhard Hadem. © Foto: Stefanie Graff

150 Psalmen gibt es in der Bibel. Genauso viele Menschen werden gesucht, die jeweils einen Psalm auswählen, mit der Hand abschreiben und zusätzlich oder auch ausschließlich künstlerisch gestalten wollen. Jede Seite, jeder Psalm ein Geschenk und ein Symbol dafür, dass man gemeinsam – auch in schweren Zeiten — etwas gestalten kann. Die Idee ist nicht ganz neu. Inspiriert ist diese von der St.Gallener Corona-Bibel, die vergangenes Jahr in der Schweiz in ähnlicher Weise entstanden ist. Im Museum soll das Pfaffenhofener Buch aber nicht verschwinden. Es soll in der Gemeinde liturgisch genützt werden.

"Hier", sagt Pfarrer Eberhard Hadem, "hier soll es einmal liegen." Auf dem Altar der Ottilienkirche, der Kirche einer kleinen Dorfgemeinde. Groß soll es werden, DIN A3 im Querformat. Wertiges Papier, das alle Beteiligten kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, versehen mit einer besonderen Bindung, die Buchbinder und Kunsthistoriker Werner Schwarz aus Nürnberg dafür gewählt hat. Aufgeschlagen wird es beinahe ganz den Altartisch füllen. Dort soll es als Zeugnis gelebter Gemeinschaft dauerhaft seinen Platz finden.

Allerdings wird es noch etwas dauern, bis es soweit ist. Zunächst einmal gilt es, Menschen für die Idee zu begeistern. "Ich hoffe, dass sich viele trauen mitzumachen", sagt Eberhard Hadem. Es sind nicht nur große Künstler gefragt. Die Vielfalt ist es, die den Reiz ausmacht. Verschiedenste Handschriften, ein bunter Reigen an künstlerischen Ausdrucksformen und Techniken, die man auf das einheitliche Papier bringen kann.

Echtes Hand-Werk

Ein echtes Hand-Werk soll das Corona-Psalmenbuch werden, geschaffen aus der Mitte der Gesellschaft heraus. "Hausfrau oder Metzger, Jugendliche und Rentner, Künstler, Physiotherapeut, Studentin oder Manager. Alle können mitmachen." Das wünschen sich der Pfarrer und auch der Pfaffenhofener Kirchenvorstand. Auch wer nicht in der Region wohnt, ist eingeladen.

Abschreiben ist eine meditative Tätigkeit mit langer Tradition. In der Handschrift bekommt jeder Psalm etwas sehr Persönliches vom Schreiber mit. Um sich zu beteiligen, muss man weder ein begnadeter Kalligraph noch ein bibeltreuer Christ sein. Es reicht die Bereitschaft, sich auf den jeweiligen Text einzulassen. Künstlerische Vorgaben gibt es keine, nur lesbar soll das Geschriebene sein.

Die Psalmen handeln, so erklärt Hadem auf der Homepage des Projekts, von menschlichen Grunderfahrungen, von Lebens- und Notlagen, von starken Gefühlen und überraschenden Einsichten. Kaum etwas passt besser in diese Corona-Zeit, in der so viel vermeintliche Sicherheit verloren gegangen ist. Hoffnung und Mut soll das Corona-Psalmenbuch machen. Bei seiner Entstehung und darüber hinaus.

Bis Ende August sammelt die Kirchengemeinde die Beiträge. Dann werden diese zusammengetragen und gesichtet. Auf der Homepage des Projektes wird es zunächst eine Online-Galerie geben. Bevor die Einzelseiten zu einem wertvollen Buch gebunden werden, ist im Frühjahr 2022 eine Ausstellung mit einer Auswahl der Original-Blätter im Schloss Ratibor geplant. Wie man einen Psalm auswählen kann, welche Regularien einzuhalten sind und wie man an das einheitliche Papier kommt, darüber informiert die Homepage www.corona-psalmenbuch.de. Auch über das Pfarramt (09171/97140) kann man sich melden oder direkt beim Initiator unter eberhard.hadem@elkb.de.

Finanziert wird das Projekt von der Kirchengemeinde Pfaffenhofen und über Spenden. Sollte es einen Überschuss geben, wird dieser dafür verwendet, die Barrierefreiheit der Ottilienkirche weiter zu verbessern.

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