Dienstag, 29.09.2020

|

Der ungekrönte König Bayerns: Georg Wohlmuth

Eine Gedenktafel erinnert an den gebürtigen Schlossberger - 09.12.2016 14:21 Uhr

Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger enthüllte zusammen mit Generalvikar Isidor Vollnhals die Gedenktafel des gebürtigen Schlossbergers Georg Wohlmuth.

© Foto: Norbert Herler


Das Heidecker Land scheint ein gutes Pflaster für politisch erfolgreiche Persönlichkeiten zu sein. Sicher noch gut bekannt sind Richard Stücklen (von 1957 bis 1966 Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen und von 1979 bis 1983 Präsident des Deutschen Bundestages) und Oskar Schneider (von 1982 bis 1989 Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau).

Georg Wohlmuth wurde einst als der ungekrönte König Bayerns tituliert.


Nur noch wenige dürften dagegen von Dr. Georg Wohlmuth aus Schlossberg Kenntnis haben. Dabei wurde er einst respektvoll als der ungekrönte König Bayerns tituliert. Als führendes Mitglied im Bayerischen Landtag erlebte er den Ersten Weltkrieg, die Revolution in München und die Räterepublik, den Röhm-Putsch und die Nationalsozialisten bis zu deren Machtübernahme hautnah mit.

Nun wurde ihm zu Ehren eine Gedenktafel in Eichstätt in der nach ihm benannten Wohlmuthgasse enthüllt. Beim Festakt waren auch einige entfernte Verwandte aus dem Landkreis Roth anwesend, als Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger die Verhüllung entfernte. Dr. Florian Breitling, der in den 1980er Jahren seine Doktorarbeit über Georg Wohlmuth verfasste und auch Initiator der Gedenktafel ist, erklärte, dass viele Jahrzehnte viele Menschen durch die Wohlmuthgasse gegangen seien, ohne zu ahnen, welche bedeutende Persönlichkeit für den Bezirk Mittelfranken (Eichstätt gehörte bis 1972 zu Mittelfranken) als auch die gesamtbayerische Politik hinter dem Namen stehe.

Vor 151 Jahren, 1865 in Schlossberg geboren, habe Georg Wohlmuth auf eigenen Antrieb hin das Elternhaus Richtung Eichstätt verlassen, um eine höhere Schulbildung zu erwerben und Priester zu werden. „Nachdem er 1890 zum Priester geweiht worden sei, folgten nur wenige Jahre als Kaplan, ehe er nach Rom zum weiteren Studium geschickt wurde, wo er 1895 den Doktortitel erwarb und danach viele Jahre lang als Philosophieprofessor am Bischöflichen Lyzeum in Eichstätt tätig war.

Parallel zu seinem Engagement am Bischöflichen Lyzeum habe sich Wohlmuth zunehmend um politische Einflussnahme bemüht und sei dann mit 47 Jahren für das Zentrum in den Bayerischen Landtag gewählt worden. Nach dem Ersten Weltkrieg habe er sich der Bayerischen Volkspartei (BVP) angeschlossen. „Nach der Landtagswahl 1924 wurde die BVP zur größten Fraktion. Bemühungen, Wohlmuth sogar zum bayerischen Ministerpräsidenten zu machen, scheiterten an seinem Priesteramt. So übernahm auf dessen Initiative hin Dr. Heinrich Held dieses Amt, woraufhin es für die Fraktion der Bayerischen Volkspartei selbstverständlich war, dass Wohlmuth an dessen Stelle den Fraktionsvorsitz übernimmt. Er hatte damals eine solche Machtfülle, dass man ihn als ‚den ungekrönten König Bayerns’ bezeichnete.“

Wohlmuth sei es unter anderem auch gewesen, der maßgeblich an den Verhandlungen mit dem Vatikan für das bayerische Konkordat beteiligt war, das schließlich einige Jahre später zum Vorbild für das deutsche Konkordat geworden sei. Mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 habe schließlich — als entschiedener Gegner der Nazis — abrupt Wohlmuths politische Engagement geendet.

Eine ausführlichere Biografie über Wohlmuth kann übrigens in den Heimatkundlichen Streifzügen des Landkreises Roth vom Jahr 2016 nachgelesen werden.

NORBERT HERLER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Heideck, Schloßberg