Mittwoch, 18.09.2019

|

zum Thema

Ein grenzenloses Tennis-Turnier für Sebastian Gmelch

Tennis-Abteilung des TV Hilpoltstein richtet erstmals ein Turnier für Menschen mit Behinderung aus. - 03.09.2019 17:36 Uhr

Sebastian Gmelch spielt beim TV Hilpoltstein Tennis, am Sonntag würde er beim Special-Olympics-Turnier gerne einen Pokal gewinnen. © Meike Scholler


Rudolf Gaukler hat das Turnier organisiert. Er ist Jugendreferent und zuständig für Breitensport in der Tennis-Abteilung des TV – und seit etwa eineinhalb Jahren Trainer Sebastian Gmelchs. Es ist ein wenig Gmelchs Turnier. Er arbeitet im Auhof, wohnt in der Hilpoltsteiner Innenstadt und wünschte sich, Tennis in einem Verein spielen zu können.

Über das Case-Management der Rummelsberger Diakonie (siehe Infokasten rechts unten) kam der Kontakt mit dem TV Hilpoltstein zustande – Gaukler, bald 50 Jahre in der Jugendarbeit tätig, erklärte sich bereit, das Training zu übernehmen.

Einmal die Woche, freitags, wenn in den Werkstätten früher Feierabend ist, kommt Gmelch seitdem zum Training. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr gewann er in seiner Leistungsklasse die Goldmedaille bei den deutschen Special Olympics in Kiel – vergleichbar mit den deutschen Meisterschaften für Menschen mit geistiger Behinderung. "Er gewinnt gern", sagte Gaukler damals, beide wollten weitere Turniere besuchen. Und Gaukler kam die Idee, auch eines in Hilpoltstein auszurichten.

Neun Spieler treten nun am Sonntag ab 10 Uhr an, vielleicht werden es noch ein paar mehr. "Ich habe einen Hang zur Perfektion", sagt Gaukler. Er wollte das Turnier größer aufziehen als andernorts. Er organisierte Pokale, gewann Schiedsrichter, Landrat und Bürgermeister als Schirmherren, er holte Promis ins Boot, die ab 14 Uhr bei einem "Unified-Turnier" antreten, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung Doppel spielen. Besucher dürfen auch einen Schläger in die Hand nehmen. DJ Tobias, der bei der Disko in der "Auszeit" im Auhof auflegt, ist für die Musik zuständig.

Ein Vereinskamerad

In Hilpoltstein leben Menschen mit und ohne Behinderung neben- und miteinander, was hier normal ist, sorgt andernorts noch für Aufsehen. "Man bringt nur was voran, wenn man was macht", sagt Gaukler. Für ihn war sein Engagement nie Thema. Ja, im Verein gab es auch kritische Stimmen, als Gmelch quasi vor der Tür stand. Aber mittlerweile ist er voll dabei. Vereinskameraden und Sponsoren haben für den 33-Jährigen zusammengelegt und ihn ausgerüstet, Menschen mit Behinderung zählen nicht zu den Gutverdienern.

Auf dem Heimweg von der Arbeit schaut Gmelch jeden Tag bei seinem Verein nach dem Rechten, viele Mitglieder kennen ihn. Momentan ist er im Urlaub, doch seitdem die Vorbereitungen für das Turnier begonnen haben, ist er Feuer und Flamme, liegt Rudolf Gaukler ständig damit in den Ohren.

"Sebastian ist ein Kämpfertyp"

Ein Sieg wäre natürlich super. Gmelch gefällt der sportliche Wettkampf, meist will er anfangs zu viel, spielt zu aufgeregt. Gaukler muss ihn dann erst mal beruhigen – für beide war das Training eine Umstellung, beide haben gelernt.

Rudolf Gaukler und Sebastian Gmelch (re.) trainieren zusammen. © Meike Scholler


"Sebastian ist ein Kämpfertyp, er will gewinnen", sagt Meike Scholler von der Rummelsberger Diakonie. Die Case-Managerin betreut Gmelch beim Tennis. "Er ist ein Paradebeispiel", sagt sie, die Teilhabe eines Menschen mit Behinderung am Leben derjenigen ohne hat beim TV Hilpoltstein sehr gut geklappt. "Das war mehr, als man erwarten konnte", sagt sie über Gmelchs Aufnahme im Verein.

Es gibt Sportgruppen im Auhof: Fußball, Basketball, Laufen, Volleyball, Radfahren, doch wenig Kontakt von dort zu den Vereinen, die ja auch inklusive Angebote haben, bei der TSG Roth beispielsweise und natürlich beim TV Hilpoltstein. Wobei es hier zur Normalität gehört, dass Menschen mit und ohne Behinderung in Gymnastik- oder Kindergruppen zusammen Sport treiben und damit gar nicht mehr groß darüber geredet wird. "Das ist bei uns eine Selbstverständlichkeit", sagt die TV-Vorsitzende Elke Stöhr, aber es muss eben auch passen, auf beiden Seiten. Das Duo Gmelch/Gaukler sei insofern einzigartig, weil es sich beim Tennis um eine Einzelsportart handelt.

Es braucht Herzblut

"Es geht in kleinen Schritten, es darf sich noch entwickeln", sagt Scholler über die Teilhabe und den Modellcharakter von Gmelchs Tenniskarriere. Der Bayerische Landessportverband bietet eine Übungsleiter-Fortbildung an, "Inklusiven Sportunterricht". Rudolf Gaukler nimmt teil, die Diakonie trägt die Kosten. "Es muss jemand mit Herzblut dabei sein", sagt Stöhr. Und vielleicht wird noch mehr daraus. Gaukler würde rund um Gmelch gerne eine Trainingsgruppe aufbauen. Interessierte können sich gerne melden.

  

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hilpoltstein