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Ganz dicke Freunde

Eysölden: 18 Jahre deutsch-mongolische Beziehungen - 11.02.2019 06:00 Uhr

Das Lebenswerk von Gesine Schiele und ihren mongolischen Freunden: Hotel „Altan Buga“ bei Ulaanbaatar. F.: Hecker


18 Jahre ist es nun her, als die Mongolin Tungaa Galya aus Ulaanbaatar das erste Mal deutschen Boden betrat. Ihr Weg führte sie nicht etwa in eine belebte deutsche Großstadt — Tungaas Ziel war das 900-Seelendorf Eysölden bei Thalmässing. Dort besuchte sie ihre Freundin, die Schlossbesitzerin Gesine Schiele, die sie zuvor in ihrer Heimat, der Mongolei, kennengelernt hatte.

Schiele, die Ostasien mit der Transsibirischen Eisenbahn bereiste, kam damals beim Erkunden des Landes mit Tungaa und ihrem Mann Bataa in Kontakt. Die Mutter der jetzigen Schlossinhaberin, Veronika Schiele, war begeistert von der Einfachheit des Nomadenlebens, der Weite, den satten Wiesen und olivgrünen Hängen. Auch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Mongolen, die mit wenig Besitz gänzliche Zufriedenheit ausstrahlten, beeindruckten die Pferdeliebhaberin und leidenschaftliche Köchin. Diese deutsch-mongolische Verbindung wollte sie aufrechterhalten.

Mit dem Essen schuf sie eine Brücke: Gesine Schiele und ihre mongolischen Freunde begannen ein Restaurant mit fränkischen Speisen im Bezirk Chingeltei, zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, aufzubauen.

2006 fanden sich die ersten Gäste im Jurtenhotel und Gasthaus "Altan Buga", zu deutsch "Zum Goldenen Hirschen", ein. 2011 starb Gesine Schiele. Tochter Veronika aber lebt bis heute den Traum der weltweiten Verknüpfung weiter und pflegt den Kontakt zu den mongolischen Freunden.

Jährlich veranstaltet sie mit Tungaa und deren Familie fränkisch-mongolische Abende, zu denen jeder willkommen ist. So auch wieder vor wenigen Tagen: 34 Gäste folgten der Einladung in die Schlossschänke Eysölden; dabei ging es darum, mit allen Sinnen genießen zu können.

Das Gehör wurde zuerst angesprochen. Tungaa und Bataa begrüßten die Gäste mit einem Lied in ihrer Sprache. Auch zu sehen gab es einiges: Festlich gekleidet in einem Deel, einem traditionellen Mantel der Mongolen, präsentierten sich die beiden dem Publikum.

Tungaa und Bataa sangen beim fränkisch-mongolischen Abend.


Zoloo, ein befreundeter Mongole aus Ingolstadt, stimmte auf den Abend mit Kehlkopfgesang den Klängen einer Pferdekopfgeige ein. Töne aus einer scheinbar anderen Welt verzauberten die Zuhörer im jahrhundertealten Gemäuer in Eysölden.

Natürlich wurden auch die Geschmacksnerven "gekitzelt": Mit einer Nudelsuppe, selbst gemachten Teigtaschen, genannt Chuuschuurs, und Krautsalat verwöhnte das mongolische Küchenteam seine Gäste aus dem Frankenland.

Das Schloss ist ein Ort der Begegnung, betont Veronika Schiele immer wieder. Und auch an diesem Abend vereinten sich wieder Welten: Neben den kulturellen Unterschieden zwischen Franken und der Mongolei entdeckt man auch einige Gemeinsamkeiten: Die deftige und fleischlastige Küche vereint beide Nationen, Edelweiß und Enzian finden sich sowohl in deutschen als auch in ostasiatischen Gefilden und mit dem Temperaturwechsel in den vier Jahreszeiten sind sowohl die Menschen aus Bayern, als auch die an der Wüste Gobis Lebenden vertraut. Derzeit durchleben die Mongolen allerdings einen sehr strengen Winter. Deshalb ist das üppige und fettreiche Essen für die Nomaden elementar.

In Eysölden fanden sich zum mongolischen Abend auch Gäste ein, die es fleischlos lieben. Und das unterstützt Veronika Schiele. Neben der typisch fränkischen Kost bot sie einmal mehr Gerichte für ihre vegetarisch und vegan lebenden Gäste an. Dabei legt sie Wert auf saisonale Produkte aus der Region.

Die 37-Jährige geht mit der Zeit, verbindet Brauchtum mit Moderne.

Bei einem Bildervortrag im Lauf des Abends bekam das Publikum einen Eindruck von der sagenhaften Natur, die neben sattem Grün auch Vulkane und heiße Quellen zu bieten hat. Kamele, Pferde, Esel und Yaks sind wichtige Begleiter im Alltag der Mongolen. 71 Prozent verbringen ihr Leben als Nomaden, "auch wenn sich die Hauptstadt Ulaanbaatar rasant entwickelt", erzählte Tungaa.

Gemeinsam mit weiteren Frauen bot sie an diesem Abend unter anderem Taschen und Pantoffeln aus Yakwolle an. Die Produkte werden verkauft und sichern somit Existenzen von Mongolinnen. Auch auf dem Spalter Weihnachtsmarkt oder bei der Schlossweihnacht in Eysölden kann man diese handgearbeiteten Produkte erwerben und somit die Menschen der ländlichen Gegend unterstützen.

Mit einem Milchtee und Nomadengebäck, gefüllt mit Rosinen, ließen die Veranstalter den Abend ausklingen. Nicht ohne ein mongolisches Lied über die Zugvögel anzustimmen, das zumindest zum Mitsummen einlud.

Hören, Sehen, Schmecken – das verbindet; egal ob in Eysölden oder in Ulaanbaatar. 

JEANETTE HECKER

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