Donnerstag, 15.04.2021

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Geduld, Geduld! Die braucht man beim Pilzesuchen

Berater Rudolf Rossmeissl macht Pilzsammlern Mut: Vor dem Herbst nie die Hoffnung aufgeben! - 12.09.2020 10:45 Uhr

Vielerorts wurden diese Schönheiten schon schmerzlich vermisst. Doch nebelige Herbsttage fördern sie zutage: Pilze.

11.09.2020 © Foto: Patrick Pleul/dpa


Kommt’s einem nur so vor oder sind die Wälder für diese Jahreszeit unüblich pilzleer, Herr Rossmeissl?

Rudolf Rossmeissl: Da muss ich ausholen. Schon mal was von "Mykorrhiza" gehört? Das bedeutet: Arten wie Maronenröhrling, Pfifferling, Rotkappe, Stein- oder Birkenpilz führen mit den Bäumen im Wald eine Symbiose. Dabei muss man wissen: Diese "Großpilze" sind nur die Fruchtkörper, die aber mit ihren "Hyphen" – feinen Fäden – im Boden ein Geflecht bilden. Man nennt es "Myzel". Es umschließt das Wurzelwerk und versorgt die Bäume auf solche Weise mit Nährstoffen wie Phosphat, Stickstoff und – jetzt kommt’s – auch mit Wasser! Im Gegenzug erhält das Pilzgeflecht Kohlenstoffverbindungen wie Zucker und Stärke vom Baum.

Die Rechnung geht also so: Wenn das Myzel kein Wasser bekommt, kann es dem Baum nichts geben und bekommt auch nix zurück – ergo bildet es keine Fruchtkörper. Vorerst.

Trockene Sommer, trockene Böden, trockenes Myzel. Das wird wohl auf absehbare Zeit so bleiben. Sollten sich Pilzsammler vorsorglich schon mal ein anderes Hobby suchen?

Rudolf Rossmeissl

11.09.2020 © Foto: Lidia Piechulek


Rudolf Rossmeissl: Nein, nein, absolut nicht! (lacht) Seit 1981 mach’ ich die Pilzberatung im Landkreis und hab’ im Zuge dessen auch Statistik zu führen. Daraus geht hervor, dass es schon immer Schwankungen gab. Das hat mir auch mein Vorgänger bestätigt.

Ich hab’ mal was rausgeschrieben: 2003 beispielsweise – dem Jahr der Kleinen Landesgartenschau in Roth, übrigens mit einem seeehr trockenen Sommer! – hatte ich nur 34 Beratungen zu führen. Damals war das Myzel wirklich stark ausgetrocknet. Es dauert dann schon eine Weile, bis es regeneriert.

Dagegen waren’s 2017 ganze 231 Beratungen! Im Schnitt liege ich bei 150 pro Saison. Oft geht’s auch schleppend los und schnalzt schließlich in die Höhe. Das war im vergangenen Jahr so: Angefangen hab’ ich mit knapp 100 und am Ende lag ich bei 244 Beratungen.

Ihr Tipp an verzweifelte Pilzfreunde lautet also: Nur nicht verrückt machen!?

Rudolf Rossmeissl: Genau! Der Herbst kommt zuverlässig mit Nebel und Morgentau – das reicht oft schon. Der Pilz hat ja diesen "Angsttrieb": Wenn er vorher kaum die Möglichkeit dazu hatte, treibt er jetzt auf einmal wie verrückt. Auch regional ist das Wachstum sehr unterschiedlich – je nachdem, wie’s regnet.

Merken sollte man sich außerdem: Wo abgeholzt wurde, gibt’s in der Regel weniger Pilze. Und die immer häufiger auftretenden Stürme, die dem Wald zusetzen, sind natürlich auch kontraproduktiv. So gesehen, kann man das Pilzwachstum dann schon in Relation zum Klimawandel setzen.

Wie steht’s denn bis jetzt um Ihre eigene Ausbeute?

Rudolf Rossmeissl: Ich habe erst am Mittwoch wunderbare Apfeltäublinge gefunden. Die sind in der Regel immer madig, waren diesmal aber einwandfrei! Über sowas kann ich mich richtig freuen!

Und die gibt’s dann in welcher Zubereitungsform?

Rudolf Rossmeissl:  Spielt für mich keine große Rolle. Ich esse Pilze nicht allzu gern. Ich sammle und putze sie lieber – für andere...


 

Unsicher im Hinblick auf die Ernte aus dem Wald? Oder andere Fragen rund um den Pilz? Rudolf Rossmeissl berät in Roth. Terminvereinbarungen sind möglich unter Telefon (0 91 71) 16 04

INTERVIEW: PETRA BITTNER E-Mail

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