Geschichte und Geschichten: Eine lange Nacht auf Burg Abenberg

27.9.2018, 14:59 Uhr

© Foto: Karlheinz Hiltl

Ihre Idee war es, die Geschichte der Burg zum Jubiläum mit Erzählungen an den zentralen historischen Orten neu entdecken zu können. Für das spannende Programm holte sich die Museumsleiterin fünf überregional bekannte Erzählerinnen und Erzähler genauso mit ins Boot wie das Künstlerkollektiv Leo N. aus Nürnberg und das Stelzentheater "Die Stelzer" aus Landsberg am Lech.

Dank der beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen Monika Pawlak und Sandra Blum hatte eine Gruppe gehörloser Teilnehmer die Chance, mit Freude am Erzählprogramm dabei sein zu können. Dies war für alle eine bereichernde erfahrung, wurden doch durch die besondere Ausdrucksstärke der Gebärden die Erzählinhalte noch facettenreicher erlebt.

Episoden aus der Geschichte

Wortgewaltig, voller Spannung, aber auch Humor und Emotionen erzählten Martin Ellrodt, Dirk Nowakowski, Kerstin Lauterbach, Cordelia Schuster und Michl Zirk beim Erzählspaziergang Episoden aus der Geschichte der Burg. Die Besucher nahmen die Einladung zum nächtlichen Streifzug rund um die Burg gerne an.

Dazu wurden der Gewölbekeller und die Burgkapelle geöffnet, am Turnierplatz eine Jurte errichtet sowie das Museum und der Stillasaal als Erzählbühne präsentiert. Von Ort zu Ort waren fünf Gruppen unterwegs, begleitet von ortskundigen Pourguides.

Am jeweiligen Erzählort wartete der Erzähler mit der Geschichte. "Ich bin heute nicht nur Geschichtenerzähler, sondern Geschichtserzähler", erklärte Martin Ellrodt aus Fürth die Programmidee. Besonders faszinierte ihn bei der Beschäftigung mit dem Geschichtsort Abenberg die Person des Opernsängers Anton Schott, der 1881 die Burg erwarb und den nach ihm benannten Schottenturm bauen ließ.

In der Burgkapelle schenkte Ellrodt als Erzähler mit seiner eindrucksvollen Interpretation der Familie Schott neues Leben und las aus dem Gästebuch. Kerstin Lauterbach aus Würzburg erweckte alte Abenberger Sagen aus der Vergessenheit.

Dirk Nowakowski aus Frankfurt schilderte das Wirken der seligen Stilla und verewigte die Steinmetze der Burg in seiner Geschichte. Am historisch überlieferten Turnierplatz zog Michl Zirk aus Lauf die Zuhörer mit Schilderungen zu den Kreuzzügen und zu Parzival von Wolfram von Eschenbachsin seinen Bann.

In die jüngste Vergangenheit blickte mit viel Witz Cordelia Schuster aus Fürth, die sich der Rennfahrergeschichte im Comic "Die Ritter aus Königsfeld" widmete. Ein Comic, in dem der Zeichner Jean Graton die Burg Abenberg verewigt hat.

Vor dem zweieinhalbstündigen Burgrundgang kamen im Erzählcafé im Stillasaal die Menschen zu Wort, die ihre persönliche Burggeschichte mit den Gästen teilten. Alle Generationen waren vertreten. Es war humorvoll, nachdenklich, informativ und sehr bewegend, als Franz Kornbacher, Gerti Engl, Inge Bayer, Renate Hager, Fritz Winter, Franz Bachmann, Ursula Furlan und Billy Wechsler besondere Erinnerungen zu "ihrer Burg" beitrugen.

Luise Memmert, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feierte, und mit 20 Jahren aus München ins kleine Städtchen Abenberg kam, um auf der Burg bei Konsul René Kyritz zu arbeiten, wurde mit einem aufgezeichneten Interviewbeitrag "zugeschaltet".

Der Bogen der Erzählungen spann sich von den Burgbesitzern Hofmann und Zwerschina im 19. Jahrhundert bis hin zum "Burg-Gwerch" – einer legendären Kellerparty in den 80er Jahren – und zu Kindheitserinnerungen an das Abenteuerland Burg.

Der langjährige Sparkassendirektor im Landkreis, Fritz Winter, erinnerte an die Gründung des Förderkreises und an die Anschaffung der Figur des Minnesängers, der heute in einer Nische der Burg steht.

Moderator Martin Ellrodt, der mit großem Engagement durch das abendfüllende Programm führte, begrüßte neben den Erwachsenen besonders die vierte Klasse der Grundschule Abenberg mit Lehrerin Andrea Albin-Hörauf.

Prinzessin Lollipop

Lars Siemandel, Saphira Ficht, Melissa Mahr sowie Leonardo und Isabell Chirico entführten die Zuhörer ins Reich der Prinzessin Lollipop mit dem Gummibärchentor, magischen Büchern und unsichtbaren Gestalten. Mit den Geschichten zur Nacht klang die Veranstaltung dann mit einer Erzählgala bis früh um ein Uhr aus.

Nach dem gelungenen Start für die Neuausrichtung des Hauses fränkischer Geschichte soll BurgLIVE künftig das Motto sein. Das Leben auf der Burg erlebbar machen, ist das Ziel. Dass dabei die heutigen Gäste der Burg mit ihren eigenen und persönlichen Erinnerungen eine wichtige Stimme bekommen und von Anfang an in die Konzeption einbezogen werden, ist in der Museumslandschaft wohl einzigartig.

Das begeisterte Fazit eines Besuchers lautete denn auch: "Ich habe noch nie zuvor Abenberger Geschichte so erleb- und nachvollziehbar erzählen hören."

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