Dienstag, 19.01.2021

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Hilpoltstein 2020: Grünen gelang auf Anhieb Sprung in Stadtrat

Nach der Kommunalwahl in Hilpoltstein Besetzung munter durchgemischt. Schwerpunkt: Radwege. Entscheidung über Sport- und Schwimmhalle steht an. - 30.12.2020 14:21 Uhr

Mehr Sicherheit für Radler und Fußgänger soll eine Ampel im Bereich Albrecht-Dürer-Straße und Sperberstraße bieten. Bürgermeister Markus Mahl war beim Aufbau dabei.

30.12.2020 © Foto: HiZ-Archiv/Tobias Tschapka


Gut 1000 Besucher in der proppenvollen Stadthalle wollten sich am 27. Februar ein Bild von den drei Bürgermeisterkandidaten machen. Der (damals) amtierende Bürgermeister Markus Mahl lieferte sich bei der Podiumsdiskussion der Hilpoltsteiner Zeitung mit seinen Herausforderern Stefanie Schmauser-Nutz (Freie Wähler) und Christoph Raithel (CSU) ein spannendes Wortduell.

Bei der Bürgermeisterwahl 2020 am 15. März hatte Markus Mahl mit 55,5 Prozent klar die Nase vorne vor den beiden Kontrahenten Stefanie Schmauser-Nutz (25,5 Prozent) und Christoph Raithel (19 Prozent). Und dann kam Corona. Schon die Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Rathaus fand in einem relativ kleinen Zirkel und mit genügend Abstand statt.

Aus drei mach vier: Mit den Grünen hielt eine Fraktion Einzug in den Hilpoltsteiner Stadtrat, die in vielen anderen Kommunalparlamenten schon fester Bestandteil waren. Allerdings ließen die Hilpoltsteiner Grünen gleich aufhorchen: Auf Anhieb holten sie vier Sitze. Der zweite Gewinner dieser Wahl war die CSU, die ihre Sitzzahl um zwei auf acht erhöhte, währenddessen die SPD zwei Sitze verlor und die Freien Wähler (FW) ihre Sitzzahl hielten. Beide Fraktionen schicken so je sechs Damen und Herren ins Gremium.

Damit, so Bürgermeister Markus Mahl, der in seine dritte und letzte Amtszeit ging, "wurde der Stadtrat ganz schön durchgemischt". Doch bis der neue Stadtrat im Mai seine Arbeit aufnehmen durfte, folgte der erste harte Lockdown. Die Fraktionen hatten andere Probleme als die Fronten zu klären.

Die Sitzungen des Stadtrates wurden – wegen Corona und den entsprechenden Abstandsregeln – in die Stadthalle verlegt. Mit allen Problemen, die sich in einer Dreifach-Sporthalle vor allem für die Gäste ergeben. Akustisch und optisch war es oft schwer, den Diskussionen zu folgen. Erst als Mikrofone aufgestellt wurden, wurde es zumindest in puncto Akustik besser.

Eine weitere Konsequenz, die Corona erforderlich machte, war die Gründung eines Ferienausschusses. "In diesem Gremium wurden Themen behandelt, die unbedingt nötig waren", meinte Bürgermeister Mahl. So zum Beispiel Verträge mit dem Staatlichen Bauamt Nürnberg zur Dorferneuerung in Unterrödel.

Trotz Corona, betont Mahl, habe man einige Projekte in Angriff genommen oder gar erledigt: die neuen Sanitärräume im Freibad, hier verzögerten sich aber die Bauarbeiten wegen eines Wasserrohrbruches. Auch Geh- und Radwege wurden ihrer Bestimmung übergeben. Wie der in der Rother Straße, in der zudem eine weitere Querungshilfe entstand, um bei Autofahrern das Tempo rauszunehmen und Fußgängern das Passieren dieser Einfallstraße zu erleichtern. Dazu soll ebenfalls eine neue Ampel auf Höhe der beiden Arztpraxen beitragen.

Am allerwichtigsten war Mahl jedoch, dass es – coronabedingt – in der Verwaltung keine Ausfälle gab; auch nicht in den Außenstellen wie Bauhof und Wasserwerk. "Wir haben den Betrieb problemlos aufrecht erhalten."

Die Ausfälle trafen in erster Linie große Veranstaltungen in der Stadt wie das Mittelalterfest an der Burg und natürlich das traditionelle Burgfest. In puncto Burgfest gab es zumindest eine dreistündige Online-Party, die auch ganz gut angenommen wurde. Ein Ersatz für das Treiben auf dem Festplatz, dem Trödelmarkt auf dem Marktplatz und dem Sautrogrennen auf dem Stadtweiher konnte und wollte es natürlich nicht sein.

Erst kürzlich blieb eine weitere Traditionsveranstaltung auf der Strecke: der Weihnachtsmarkt. Eine einzelne Hütte vor der Residenz war der magere Rest, den die Pandemie den Hilpoltsteinern ließ.

Mittlerweile wurde ja erneut ein harter Lockdown erlassen, der nicht nur der Gastronomie zu schaffen machte.

Was Veranstaltungen im nächsten Jahr angeht, ist Bürgermeister Mahl eher zurückhaltend. Er denkt, dass Corona zumindest im ersten Halbjahr 2021 die Menschen noch im Würgegriff haben werde. Bis dahin müsste man auch abwarten, wie sich die Impfungen auf die Lage auswirken.

Übrigens wurde die letzte Sitzung des Stadtrates für dieses Jahr wegen Corona abgesagt. Auf der (umfangreichen) Tagesordnung stand auch ein Antrag der CSU-Fraktion auf einen anderen Standort für ein neues Lehrschwimmbecken nebst Turnhalle an der Grundschule. Christoph Raithel, Fraktionssprecher der Christsozialen, würde es gerne sehen, wenn Lehrschwimmbecken und Sporthalle neben der Aula der Grundschule entstehen würden. Wobei die CSU durchaus gesprächsbereit sei.

Seiner Fraktion, so Raithel, gehe es in erster Linie darum, für eine Investition wie diese dann auch einen geeigneten Standort zu finden. "Schließlich sind die Kosten kein Pappenstiel", betont Raithel. In der Tat: Die Aufwendungen reichen – je nach Länge des Beckens – von acht bis 12,5 Millionen Euro, wie einer Machbarkeitsstudie aus dem Sommer 2019 zu entnehmen war und die dem Stadtrat auch präsentiert wurde. Für dieses Projekt würde es laut Regierung von Mittelfranken einen Zuschuss von 65 Prozent der förderfähigen Kosten geben. Aber aufgepasst: Den Zuschuss gibt es entweder für die Sporthalle oder das Lehrschwimmbecken und umgekehrt. Darauf wies Mahl besonders hin.

Allerdings habe sich der von den Christsozialen präferierte Standort auch "nach Ansicht der Schulleitung" als ungeeignet erwiesen. Genauso sei das Urteil der Verwaltung ausgefallen, erklärt Mahl.

Ergo werde man in einer der nächsten Sitzungen des Stadtrats vorschlagen, es beim alten Standort , wo Lehrschwimmbecken und Sporthalle jetzt stehen, zu belassen. Wann dieses Projekt in Angriff genommen werden soll, kann der Bürgermeister nicht sagen. Zwar sei Hilpoltstein aus wirtschaftlicher Sicht "mit einem blauen Auge davongekommen", aber Mahl geht davon aus, dass die direkten Auswirkungen von Corona zeitversetzt zu spüren sein werden. Er sieht "die Delle im Haushalt" ab 2022/23 auf die Stadt zukommen.

Insofern werde man auch bei den Haushaltsberatungen im nächsten Jahr größere Projekte eher zurückhaltend behandeln. "Mal schauen, was der Haushalt macht", sagte er mit Blick auf die Beratungen.

HARRY RÖDEL

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