Stadtrat entscheidet knapp 

Hilpoltstein leistet sich ein 25-Meter-Schwimmbecken

23.7.2021, 13:53 Uhr
Sportler im Hallenbad. Genau das war nicht die Zielsetzung, die der Hilpoltsteiner Stadt bei einem Grundsatzbeschluss im Visier hatte. Stattdessen ging es darum, dass Kinder schwimmen lernen.

Sportler im Hallenbad. Genau das war nicht die Zielsetzung, die der Hilpoltsteiner Stadt bei einem Grundsatzbeschluss im Visier hatte. Stattdessen ging es darum, dass Kinder schwimmen lernen. © Sportfoto Zink / JüRa, NN

Im Prinzip stand der Sieg der Befürworter - zumindest auf dem Papier - fest. Acht CSU-Stimmen und sechs Stimmen der Freien Wähler kontra sechs SPD-Stimmen und vier von den Grünen sowie Bürgermeister Markus Mahl. Ergibt: 14:11. Den Ausstieg von Andrea Hofbeck konnten CSU und FW leicht verkraften, wussten sie doch, dass sie es selbst ohne die Abweichlerin schaffen würden. Und so kam es auch: 13:12 hieß es am Ende.

Vorausgegangen war der Entscheidung eine emotional geführte Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern eines 25-Meter-Beckens – und das, obwohl die Stadtratsmitglieder auf Anregung von Bürgermeister Mahl signalisierten, dass sie sich ausschließlich auf die Abstimmung konzentrieren wollten. Das war zumindest die Theorie – die Praxis schaute anders aus. Stadtrat um Stadträtin ergriff eines der in der Mehrzweckhalle Meckenhausen aufgestellten Mikrofone, um seine/ihre Sicht der Dinge (zum x-ten Mal) einer überraschend großen Besucherzahl zu übermitteln.

So meinte SPD-Fraktionssprecher Benny Beringer: "Das können wir uns auf Dauer nicht leisten!" Und er hoffe, den einen oder die andere von CSU und FW zum Umdenken bewegen zu können. Auch die sehr engagierte Ansprache seiner Stellvertreterin Christine Rodarius verlief im Nichts. Sie erklärte per Hybrid-Übertragung, dass man mit dieser Entscheidung "die Stadt in den Ruin treibt".

Was ein Raunen unter den Stadtratsmitgliedern nach sich zog. Die Stadt habe genügend andere Aufgaben, als ein 25-Meter-Becken zu bauen. Als Beispiele hierfür nannte Rodarius: Radwegebau, Stadthalle, kommunaler Wohnungsbau... "Wo soll denn das Geld dafür herkommen?", wollte sie wissen.

Weg in die "Sackgasse"

Dieses 25-Meter-Schwimmbad sei eine "Belastung für den Haushalt" erklärte sie und betonte: Dass sich Roth und Schwabach mit ihren Entscheidungen pro Hallenbad so schwer täten, habe auch mit der riesigen finanziellen Belastung zu tun. "Dieser Weg wird in eine Sackgasse führen", schloss sie ihr Plädoyer gegen ein 25-Meter-Becken.

Edeltraud Stadler von der CSU-Fraktion zog für ihre Argumentation einen historischen Vergleich heran. Die Grundschule sei 1964 gebaut worden; das Lehrschwimmbecken mit einer Länge von gut zwölf Metern drei Jahre später. Zur damaligen Zeit habe Hilpoltstein 7000 Einwohner gezählt. Mittlerweile würden in Hilpoltstein fast 14.000 Menschen leben. Insofern sei ein 25-Meter-Becken durchaus angebracht. "Das ist eine Investition in die Zukunft. Für meine Enkel und Urenkel ist mir kein Geld zu schade. Warum sind wir so feige?"

Wohnungen oder Schwimmbecken?

Feige waren aus Stadlers Sicht bei der Abstimmung Bürgermeister Mahl sowie die SPD- und Grünen-Fraktion. Markus Odorfer, Fraktionsvorsitzender der FW, meinte, dass die Stadt bereit wäre, 7,5 Millionen Euro für den kommunalen Wohnungsbau auszugeben. "Wo bleibt hier der Aufschrei?", fragte er in die Runde.

Bürgermeister Mahl wies darauf hin, dass kommunaler Wohnungsbau und ein Hallenbad nicht vergleichbar wären. Er zitierte Grundschulleiter Peter Benz, der vor gut zwei Wochen in einer Sitzung des Stadtrats darauf hingewiesen habe, dass ein knapp 17 Meter langes Becken für die Grundschule absolut ausreichend sei. Mahl betonte noch einmal, dass der Eigenanteil, den die Stadt Hilpoltstein für ein 25-Meter-Becken tragen müsse, zwischen 7,3 und acht Millionen Euro liegen würde.

Angesichts der coronabedingt unsicheren Wirtschaftslage ("Wir wissen nicht, wie es weitergeht") und jeder Menge anstehender Projekte wie beispielsweise Kläranlage und Ganztagsschule sei ein 25-Meter-Becken nicht zu verantworten.

Für Michael Greiner (FW) sind die Grundschüler nur ein Bruchteil derer, die das Becken nutzen werden. "Wir sind ein Schulstandort" – und dem müsse man gerecht werden.

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