Lockdown:

Im Kino bleibt die Leinwand dunkel

14.5.2021, 06:00 Uhr
Luna-Kino Betreiber Norbert Flecken wirft den Filmprojektor so schnell nicht an. Obwohl es ihm in Schwabach aufgrund der Inzidenzzahlen erlaubt wäre. Aber für ihn steht der Aufwand und der gebremste Filmspaß - noch - in keinem Verhältnis zu den möglichen Publikumszahlen. 

Luna-Kino Betreiber Norbert Flecken wirft den Filmprojektor so schnell nicht an. Obwohl es ihm in Schwabach aufgrund der Inzidenzzahlen erlaubt wäre. Aber für ihn steht der Aufwand und der gebremste Filmspaß - noch - in keinem Verhältnis zu den möglichen Publikumszahlen.  © Tina Bayer, NN

Er dürfte, er würde auch gern, aber wartet noch ab. „Jetzt zu öffnen, macht wirtschaftlich einfach keinen Sinn. Die Auflagen sind zu hoch“, sagt Norbert Flecken. Sein Schwabacher Luna-Kino bleibt deshalb weiter geschlossen. Öffnen will er erst, wenn die Inzidenz nicht nur unter 100, sondern unter 50 fällt und es keine Auflagen mehr gibt.

Die Sehnsucht nach einem Kinoabend ist groß. „Wenn ich über den Marktplatz gehe, brauche ich eine halbe Stunde, weil mich so viele ansprechen und fragen, wann es wieder los geht“, erzählt Flecken.


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Erlaubt wäre es wieder, da in Schwabach die Corona-Inzidenz konstant unter 100 gesunken ist. Aktuell liegt sie bei 68. Deshalb hatte er bereits eine Öffnung zumindest ab 20. Mai ins Auge gefasst, aber sich dann doch dagegen entschieden.

Masken während des Films?

Der Grund: die hohen Auflagen. „Die Besucher müssten die Maske nicht nur bis zum Platz, sondern auch während des Films tragen. Das macht ja keinen Spaß. Wer will denn das schon?“, fragt er. Hinzu kommen die Testpflicht und das Verbot des Getränke- und Popcorn-Verkaufs. „Das ist ja für uns eine wichtige Einnahmequelle“, erklärt Norbert Flecken. Unter diesen Bedingungen erwartet er kaum Besucher. Aber die Kosten für Strom und Personal fielen dennoch an.

Norbert Flecken hofft deshalb, dass sich die Lage weiter entspannt und er öffnen könne, wie dies bis November 2020 möglich war; also ohne Masken- und Testpflicht und ohne Verkaufsverbot. „Dieser Zeitpunkt ist leider noch unklar, aber dann sofort. Wir freuen uns ja auch drauf“, betont Flecken.

Welche Filme er zeigen wird, kann er ebenfalls noch nicht sagen. Das hängt auch von den Verleihern ab. „Alte Filme bekommt man sofort, aber wer will die sehen?“ Flecken setzt auf neue Streifen wie den oscarprämierten „Nomadland“ oder auch „Der Rausch“ und „Wonder Woman“. Für die Kinder denkt er an „Yakari“, „Der Drachentöter“ oder „Jim Knopf“. Aber sicher weiß er noch nichts.

Hoffnung auch im Bavaria Roth

In Roth stehen die Chancen, dass auch hier das Kino in absehbarer Zeit öffnen dürfte, gut. Immerhin kratzt der Landkreis schon seit Tagen knapp an der 100er Grenze.

Dennoch: „Wir warten ab, bis sich die Situation weiter entspannt und übersichtlicher wird“, sagt Anja Bürger, Kinobesitzerin des Rother Bavaria-Traditionskinos; da ist sie sich mit ihrem Schwabacher Kollegen einig. Umso mehr, weil das Pendeln um die 100 auch bedeuten würde, „dass ich an einem Tag aufmachen könnte und am nächsten dann schon wieder zu“.

Dabei ist die 46-Jährige eine, die gerade von ihrer schon verstorbenen Mutter, dem Rother Kino-Urgestein Friederike Bürger, die Leidenschaft für die Kino-Leinwand von Kindesbeinen an mitbekommen hat. „Bin ich froh, dass meine Mutter das Ganze jetzt nicht miterleben muss. Ich weiß gar nicht, wie sie das überstanden hätte,“ gibt Anja Bürger unumwunden zu.

"Der Boandlkramer" sollte bereits im Herbst in den bayerischen Kinos anlaufen. Jetzt gibt es ihn bereits bei Streamingdienst. Damit fehlt den Kinos ein mögliches cineastisches Zugpferd. Foto: Filmverleih © Kinoverleih, NN

Förderung hilft

Ihr selbst falle die lange Schließung auch schwer. „Da fehlt einfach was“. Wirtschaftlich „kann ich das nur überstehen, weil mir das Kino selbst gehört und wir staatliche Förderungen bekommen haben“.

So aber „will ich natürlich wieder Filme zeigen, sobald es Sinn macht.“ Nach Ansicht Bürgers rechnet sie damit allerdings nicht vor Frühsommer, „abhängig von Impfquoten, Inzidenzzahlen und Regelungen“. Ins Kino gehen und vor der Tür noch einen Test machen – für die Rother Kinobesitzerin keine wirkliche Alternative. Noch dazu „wo wir noch nicht mal Filme im Angebot haben.

Denn Filme, mit denen wir kleinen Kinobesitzer fest gerechnet haben, wie ,Der Boandlkramer‘ oder ,Kaiserschmarrndrama‘ können mittlerweile gestreamt werden. Was also sollten wir zum jetzigen Zeitpunkt zeigen? Es gibt ja nichts“, erklärt sie mit einem Schulterzucken. Und hofft weiter auf die nahe Zukunft samt Happy End des Pandemie-Dramas.