Montag, 18.11.2019

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Im Landkreis Roth wird langsam die Landschaft knapp

Frage: Gewerbe, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen oder Natur und Landschaft? - 25.10.2019 06:02 Uhr

Wenn Städte und Gemeinden Gewerbebetriebe ansiedeln, wird fleißig gebaut. Das heißt aber auch immer: Landschaft verschwindet, Böden werden versiegelt und der Lebensraum für Tiere und Pflanzen schrumpft. © Foto: Cindy Riechau/dpa


Die Stadt Roth verfügt im Moment über keine Gewerbeflächen mehr in städtischem Eigentum. Eine Rolle dafür dürfte spielen, dass Roth auch nach dem heftigen Sturm vom 18. August immer noch von einer Menge Bannwald umgeben ist. Abholzen für Gewerbebetriebe ist da nicht so einfach möglich.

Büchenbach im Zwiespalt

Auch die Gemeinde Büchenbach steckt in einem Zwiespalt: Das örtliche Gewerbegebiet mit heute rund 15 Hektar wurde seit den 1970er-Jahren schrittweise ausgebaut. Die letzte Erweiterung der Jahre 2015/16 mit rund zwei Hektar ist schon wieder ausverkauft. Bürgermeister Helmut Bautz betrachtet es als "Aufgabe für den neuen Gemeinderat ab 2020, gegebenenfalls neue Flächen anzubieten." Andererseits sei aber auch "Flächensparen eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen." Denn: "Landschaft ist ein knappes Gut."

Nicht nur Allersberg hat große Pläne, auch ein paar Autobahnkilometer südwärts arbeitet man an neuen Angeboten: Greding beabsichtigt, rund fünf Hektar Gewerbeflächen auszuweisen. In rund eineinhalb Jahren sollen diese bebaubar sein, erklärt Bürgermeister Manfred Preischl. In Abenberg ist man schon ein bisschen weiter: Man weist dort gerade ein neues Gewerbegebiet mit 4,2 Hektar "An der Spalter Straße" aus; die Erschließung läuft.

Leerstand seit Jahrzehnten

Mit einem ganz anderen Problem kämpft Bürgermeister Ralf Beier in Heideck: In den bereits vorhandenen Gewerbegebieten im Stadtgebiet liegen große Flächen brach. Allerdings in der Hand privater Eigentümer: "Die stehen zum Teil schon seit Jahrzehnten leer oder werden als Acker genutzt." Und die Stadt hat keine Handhabe, etwas gegen den Leerstand bereits komplett erschlossener Flächen zu unternehmen. Privatbesitz ist Privatbesitz.

Für den Heidecker Ortsteil Seiboldsmühle wurde gerade ein Aufstellungsbeschluss für neue Gewerbeflächen gefasst. In mehreren Schritten könnten bis zu 20 Hektar entwickelt werden. Für rund sieben Hektar davon gebe es bereits Interessenten, sagt Beier. Dafür die brachliegenden Flächen zu aktivieren, ist offenbar nicht realistisch: Er führe immer wieder Gespräche mit deren Eigentümern, so Beier, "aber das ist oft eine langwierige Geschichte."

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Rednitzhembach: Im nördlichen der beiden Gewerbegebiete am Ort gebe es nur noch private Flächen, bedauert Bürgermeister Jürgen Spahl. Und die sind "zum Teil schon seit den 1970er-Jahren unbebaut." Die Gemeinde habe es damals versäumt, sich die Flächen vor der Ausweisung selbst zu sichern.

"Tolles Konzept"

Und so warten vier bis fünf Hektar darauf, vielleicht doch noch irgendwann bebaut zu werden. Wann auch immer. Während die Gemeinde im Süden eine Erweiterung des dortigen Gewerbegebiets um elf Hektar plant. Einen Bebauungsplan dafür gibt es schon "und die Gemeinde ist Eigentümer aller Flächen."

Einen ganz neuen Weg probieren die Gemeinden Georgensgmünd und Röttenbach sowie die Stadt Spalt aus: Ein interkommunales Gebiet. Die Kosten dafür werden zwischen den Kommunen gedrittelt, genau wie die Einnahmen. Dafür gründeten die Drei ein gemeinsames Kommunalunternehmen nach dem Motto "Miteinander arbeiten statt sich gegenseitig ausstechen." So formuliert es der Spalter Bürgermeister Udo Weingart, der in dem gewählten Modell ein "tolles Konzept" sieht.

Angesiedelt sind die zwölf Hektar für Betriebe und Unternehmen in der Gemeinde Georgensgmünd. 2020 könnte die Erschließung beginnen.

Die Folge: Artensterben

Also hier vier Hektar, da zwölf und dort 20. Damit liegt der Landkreis Roth im landesweiten Trend: Nach Informationen des Bund Naturschutz (BUND) verschwinden in Bayern täglich rund 13 Hektar zuvor unbebaute Fläche unter Siedlungen, Gewerbebetrieben, Straßen und Schienen. Der Flächenfraß sei "eines der größten regionalen Umweltprobleme unserer Zeit", heißt es dazu auf der Homepage des BUND. Und: "Das Artensterben ist vielfach direkt auf den Verlust von Lebensräumen und damit auf Flächenverbrauch zurückzuführen."


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MARTIN REGNER E-Mail

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