"Wichtiger wären die Erwachsenen"

Impfen ab fünf Jahren? Das sagen Kinderärzte aus dem Raum Roth/Schwabach

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

RHV

E-Mail zur Autorenseite

26.11.2021, 06:04 Uhr
Kinder ab fünf können jetzt gegen Covid-19 geimpft werden. Die EMA hat den Impfstoff zugelassen. Kinderärzte in der Region haben unterschiedliche Meinungen zum Impfen von Vorschulkindern.  

Kinder ab fünf können jetzt gegen Covid-19 geimpft werden. Die EMA hat den Impfstoff zugelassen. Kinderärzte in der Region haben unterschiedliche Meinungen zum Impfen von Vorschulkindern.   © imago images/Laci Perenyi, ARC

"Den Eltern, die mich danach fragen, mache ich ein Impfangebot", sagt Dr. Ronny Jung. Und er wird bereits danach gefragt. Der Rother Kinderarzt kann jetzt loslegen, die EMA hat die Zulassung für Biontech gerade gegeben.

Jung tut das, auch wenn die Empfehlung der Stiko "vielleicht noch ein paar Tage auf sich warten lässt" und der Impfstoff "wahrscheinlich wie vorher bei den älteren Kindern erstmal für chronisch kranke Kinder empfohlen wird". Bis die Impfungen tatsächlich anlaufen, werde es sowieso noch ein paar Wochen dauern: Die ersten Ampullen - mit einer geringeren Dosis - seien erst ab dem 21. Dezember angekündigt.

Aber, und darauf legt der Kinder- und Jugendarzt großen Wert, "viel wichtiger ist, dass sich die 17 Millionen bisher noch nicht geimpften Erwachsenen schnell impfen lassen". Das fordert Jung nicht etwa aus Angst vor Impfnebenwirkungen, sondern weil "die Kinder die Leidtragenden der Pandemie sind". Die psychischen und sozialen Folgen des langen Lockdown waren vor allem für die Jüngsten der Gesellschaft verheerend. Jung: "Wir sind gerade dabei, eine ganze Generation zu verlieren."

Starke Nebenwirkungen der Impfung fürchte er nicht, "aber wir sind sensibilisiert". In seltenen Fällen habe es, aber vor allem bei jüngeren Männern, Herzmuskelentzündungen gegeben. Deshalb schärfe er den Kindern und Jugendlichen auch ein einwöchiges striktes Sportverbot sowohl nach der ersten als auch nach der zweiten Impfung ein.

Einverständnis vorausgesetzt

Skeptischer gegenüber der Impfung für kleine Kinder ist Dr. Anton Fischer, Allgemeinarzt in Hilpoltstein mit Ausbildung in Kinderheilkunde. Es liege nicht am Impfen generell, der Impfstoff sei in Ordnung und werde gut vertragen, und bei den größeren Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren funktioniere die Impfung auch gut.

Aber er wolle von den Kindern auch immer wissen, ob sie selbst damit einverstanden sind, geimpft zu werden. "Und das kann ich von einem Fünfjährigen noch nicht erwarten." Außerdem gehe ihm die Zulassung des Impfstoffs für die kleinen Kinder "zu schnell".

Auch Fischer nennt als wichtigstes Argument für seine Zurückhaltung: "Ich habe den Eindruck, dass die Kinder herhalten müssen für die Impfverweigerer, die es sich leicht machen. Die Kinder sind durch die Pandemie psychisch eh schon stark belastet - warum sollen die das ausbaden, was andere verweigern?"

"Eigentlich ist die Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen nicht die, die bevorzugt geimpft werden soll", betont auch Dr. Georg Baier, Kinderarzt in Schwabach. Denn diese Kinder erkranken in der Regel nicht schwer an Covid-19. Aber, so Baier, "sie können trotzdem an Long-Covid erkranken. Und das wollen wir natürlich nicht."

Täglich ungeimpfte Eltern

Und er kennt etliche Familien, in denen zum Beispiel Mutter oder Vater nicht geimpft werden können. Wenn die Kinder das Virus in die Familie tragen, erkrankt sehr wahrscheinlich ein Familienmitglied.

Baier: "Seit die Delta-Variante grassiert, wird in der Regel die ganze Familie krank." Immer noch kommen - "jeden Tag" - Eltern in die Praxis des Ärzteehepaares Baier, die sich selbst nicht impfen lassen wollen. Baier: "Man kann dann schnell erraten, wer in der Familie krank wird."

Die Baiers wollen sich an die - wohl bald eintreffende - Empfehlung der Stiko halten, für Kinder mit schweren Erkrankungen wie Herzfehler, Asthma, Diabetes oder Übergewicht aktiv ein Impfangebot zu machen. Andere Kinder ab fünf werde man impfen, wenn die Eltern es gern wollen. Das werden sicher einige sein, denn "viele Eltern rufen schon an und wollen sich auf die Warteliste setzen lassen".