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Impfpflicht gegen Masern: Diskussion um den Pieks

Impfung an sich wird im Landkreis Roth positiv gesehen, die Pflicht nicht - 16.04.2019 16:25 Uhr

Kleiner Piekser, große Aufregung. Ob Kinder gegen Masern geimpft werden müssen, wenn sie in die Kita gehen, wird gerade diskutiert. © Fredrik von Erichsen/dpa


Laut Gesundheitsamt werden im Landkreis und in Schwabach jährlich zwischen einer und fünf Masernerkrankungen gemeldet, manchmal (2013, 2016 oder 2018) aber auch gar keine. Aber: "Wenn jemand erkrankt, ist es ganz schlimm." Dr. Hartmut Vogel ist Kinderarzt in Roth und hat schon Masern-Fälle erlebt. Ein zweijähriges Kind, das an Masern erkrankt war, begleitet er heute noch: "Das achtjährige Kind ist schwerstbehindert", sagt Vogel und hält eine Pflicht zum Impfen "für gerechtfertigt und wichtig" — wie übrigens auch maßgebliche Vertreter seines Berufsverbandes.

Nicht ganz so sieht es Dr. Ulrike Hollneck, stellvertretende Leiterin des Rother Gesundheitsamtes. "Eine Impfpflicht ist durchaus problematisch zu sehen", sagt sie, da es um die "Abwägung zwischen dem Schutz der Gesamtbevölkerung vor einer impfpräventablen Erkrankung und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit des Einzelnen" gehe.

"Leider" spiegele die Debatte "nicht ganz den Sachverhalt wider". Seit einigen Jahren sei ein Anstieg der Erkrankung vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachten. Bei 18- bis 44-Jährigen seien zwei von fünf nicht gegen Masern geimpft, aber gerade bei Erwachsenen haben Kinderkrankheiten oft schwere Folgen.

Hinzu kämen regionale Unterschiede bei der "Durchimpfung": Im Süden Bayerns liegen die Impfquoten, so Hollneck, nicht bei den geforderten 95 Prozent. In Deutschland seien die Masern-Fälle in den vergangenen 40 Jahren aufgrund steigender Impfquoten deutlich zurückgegangen. "Das ist vielleicht", so Dr. Hollneck, "ein möglicher Grund für die ,Impfmüdigkeit‘, denn eine Krankheit, die nicht mehr omnipräsent ist, verschwindet auch aus dem Bewusstsein der Menschen."

Eine ähnliche Beobachtung hat Kinderarzt Dr. Vogel gemacht: "Wir impfen uns unsere Begründung selbst weg: Die Gefahr ist dann nicht mehr sichtbar. Trotzdem sterben noch Kinder."

Direkt vor der Tür steht das Problem in den Kitas. Aber beim BRK-Kinderhaus im Hilpoltsteiner Ortsteil Hofstetten sagt Leiterin Heidi Neumann, dass "Masern bei uns noch nie Thema waren". Und sie sei seit immerhin 25 Jahren im Haus. Obwohl das BRK als Träger nichts vorschreibt, seien die Kinder überwiegend geimpft. Sie selbst befürworte eine Impfpflicht, "weil sie viele Vorteile gegenüber dem Risiko hat".

In das ärztliche Untersuchungsheft der Kinder sollen auch die Erzieherinnen im Awo-Waldwichtel-Kindergarten in Roth schauen, wenn Eltern ihre Kleinen anmelden. "Und wir prüfen nach, ob Impfberatung stattgefunden hat", berichtet Erzieherin Simone Zejpek. Die Eltern müssten außerdem unterschreiben, dass ihr erkranktes Kind die Kita nicht mehr besucht.

  

Carola Scherbel E-Mail

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