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Junge Soldaten schweben über Roth

Offiziersanwärter absolvieren Segelfluglehrgang in der Otto-Lilienthal-Kaserne - 18.10.2017 06:00 Uhr

Der Berliner Offiziersanwärter Philipp Edelmann darf zum ersten Mal in seinem Leben selbst ein Flugzeug steuern. Hinter ihm sitzt Fluglehrer Alexander Neuhaus und zeigt ihm, wie es geht. © Elke Bodendörfer


An die 60 junge Soldatinnen und Soldaten, die derzeit den Offizierslehrgang der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck absolvieren, kommen in Roth in den Genuss, selbst am Steuerknüppel eines Segelflugzeugs zu sitzen, angeleitet von erfahrenen Fluglehrern. Koordiniert wird das Ganze von Theo Lugbauer, der selbst über 20 Jahre lang am Fliegerhorst Roth als Angehöriger des Heeresfliegerregiments Hubschrauberpiloten ausbildete und mittlerweile als Reservist immer mal wieder bei diversen Einsätzen mit von der Partie und aktives Mitglied bei der Bundeswehr-Flugsportgruppe Otto-Lilienthal ist.

Kaserne bestens geeignet

Bisher war der Lehrgang nur im fernen Oerlinghausen bei Bielefeld oder auf der Wasserkuppe in der Rhön angeboten worden. Dort finden momentan parallel ebenfalls Lehrgänge statt. Schließlich müssen im Jahr bis zu 500 OA geschult werden, weiß Lugbauer. Die Otto-Lilienthal-Kaserne eignet sich dafür bestens. Ein Fluggelände ist vorhanden, und ab 2021 sollen hier sowieso Offiziere der Luftwaffe ausgebildet werden.

Deshalb hat das Kommando Luftwaffe in Köln in Zusammenarbeit mit der Segelflugschule Oerlinghausen angeregt, den Segelfluglehrgang auch in Roth durchzuführen. Der leidenschaftliche Flieger Lugbauer bot sich gerne an, den Flugleiterdienst zu übernehmen.

Ein Gespür bekommen

Seit rund vier Jahren werden alle OA der Luftwaffe eine Woche lang im Segelflug geschult, egal ob sie später einmal Kampfjets oder Hubschrauber fliegen oder Aufgaben am Boden übernehmen, sagt Lugbauer. Durch den Segelflug sollen alle ein Gespür für die "dritte Dimension" bekommen.

Außerdem ist dieser einwöchige Lehrgang, bei dem jeder zirka 20 Mal in die Luft gehen darf, ein ideales Mittel, um die Teamarbeit zu schulen. Denn ohne dass jeder der jungen OA mit anpackt, geht gar nichts. Sie müssen die Segelflugzeuge gemeinsam zum Start schieben, an die Seilwinde hängen, nach der Landung wieder zum Startpunkt zurückschieben.

Fluglehrer dabei

Sie lernen, worauf es bei der technischen Überprüfung des Flugzeugs ankommt, lernen die Funksprüche, die sie an den Tower richten müssen. Und sie lernen, den Segler zu steuern. Am Ende der einwöchigen Ausbildung bekommen sie zwar noch keinen Segelflugschein, aber immerhin einen Nachweis über die geleisteten Flugstunden.

Aber keine Angst: Keiner der Jungs und Mädels muss alleine über der Kreisstadt seine Runden ziehen. Mit erfahrenen Fluglehrern von der Bundeswehr-Flugsportgruppe und von benachbarten Fliegerclubs aus Roth, Greding-Schutzendorf, Weißenburg und Eichstätt, die im Cockpit hinten sitzen und besonders bei der Landung mit eingreifen, klappt das alles schon ganz gut. In aller Regel dauert so ein Flug gerade mal zehn Minuten. "Aber je nach Thermik kann es schon mal vorkommen, dass ein Flieger bis zu einer halben Stunde in der Luft ist", erklärt Lugbauer.

Fliegerhorst wiederbelebt

Die jungen Offiziersanwärter sind jedenfalls begeistert davon. Übrigens stellen die Fliegerclubs aus der Umgebung auch die Flugzeuge zur Verfügung.Drei Wochen lang findet die Schulung in Roth statt — zunächst als Pilotprojekt, aber künftig regelmäßig geplant auf dem Gelände der Otto-Lilienthal-Kaserne. Völlig lautlos und ohne viel Aufsehen zu erregen.

Der ehemalige Fliegerhorst, der seit 2014 so gut wie verwaist ist, wird durch die Lehrgänge wiederbelebt. Fast im Minutentakt werden die fünf Segelflieger mit der Seilwinde über das Flugfeld gezogen, erheben sich sekundenschnell rund 400 Meter in den Himmel, die Seilwinde hakt sich aus (keine Fallschirmspringer, die das Flugzeug verlassen), und dann beginnt für die OA der Traum vom Fliegen. 

Elke Bodendörfer Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung E-Mail

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