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Kloßteig und Atemschläuche: Corona sorgt für Hochkonjunktur

Kosmetikhersteller hilft gegen Engpässe mit Desinfektionsmitteln aus - 26.03.2020 18:21 Uhr

In der Corona-Krise sind bestimmte Produkte sehr gefragt. Nach Angaben der Firma Henglein in Abenberg hat sich der Absatz von Kloßteig, Schupfnudeln, Spätzle und Pizzateig im Moment verdreifacht.

26.03.2020 © Henglein


„In Summe verhalten sich die Unternehmen ruhig und vernünftig“, erklärt Felix Lehnhoff von der Rother Unternehmerfabrik. Größere Entlassungen aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Schließungen sind ihm im Landkreis Roth bislang nicht bekannt. Davon rät er in Anbetracht der staatlichen Unterstützungsangebote für Unternehmer auch ab: „Es gibt eine Zeit nach Corona und dann ist es gut, wenn man wieder auf seine vertrauten Mitarbeiter zurück greifen kann.“

Zu der Frage, ob alle jetzt geschlossenen Geschäfte und Betriebe nach Aufhebung der Beschränkungen auch wieder öffnen, wagt Lehnhoff keine konkrete Prognose: „Es wird schwerwiegende Auswirkungen haben. Aber es kommt entscheidend darauf an, wie lange die Krise anhält. Eine Durststrecke von vier bis sechs Wochen bekommen die meisten Betriebe hin.“

Spontane Hilfe aus Georgensgmünd

Neben Toilettenpapier und Atemschutzmasken ist Desinfektionsmittel gerade sehr gefragt. Laut Lehnhoff wird im Landkreis Roth gerade eruiert, zwei vor geraumer Zeit stillgelegte Brennereien zur Herstellung von Alkohol aus Kartoffeln in Georgensgmünd und Kammerstein zu reaktivieren. Denn Alkohol ist ein wichtiger Rohstoff für Desinfektionsmittel und derzeit auf dem Markt knapp.



Diese Erfahrung macht auch die Firma Emil Kiessling in Georgensgmünd. Hier werden normalerweise kosmetische Cremes und Shampoos produziert. Jetzt will das Unternehmen auch Desinfektionsmittel in die Produktion aufnehmen. Die dafür nötigen Maschinen sind im Betrieb vorhanden, wie Bernd Czech erklärt. Schwierig sei es jedoch, den benötigten Alkohol in den richtigen Qualitäten zu beschaffen.

Mit den schon vor Corona-Zeiten angelegten Alkoholvorräten wird es aber zumindest möglich sein, einen Engpass bei der Rother Feuerwehr und beim Roten Kreuz zu beheben: In „spontaner Nachbarschaftshilfe“ stellte die Firma Emil Kiessling rund 1000 Liter Desinfektionsmittel her, die demnächst an Feuerwehr und Rotes Kreuz vor Ort ausgeliefert werden sollen.


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Bei Wilamed in Kammerstein herrscht derweil Hochkonjunktur: Das Unternehmen stellt Atem­schlauchsysteme und Atemgasbefeuchter her. Diese Bestandteile von Beatmungsgeräten werden im Moment weltweit verstärkt nachgefragt, weil die Kapazitäten in den Krankenhäusern zur Behandlung von Corona-Patienten aufgestockt werden.  

„Unsere Nachfrage hat sich aktuell verdreifacht“, erklärt Mirko Wellner von Wilamed. Das Unternehmen habe zusätzliches Personal eingestellt, um die Nachfrage so schnell wie möglich bedienen zu können. Materialengpässe gibt es bei Wilamed derzeit nicht: „Wir haben als Medizintechnik-Unternehmen immer eine gute Vorratshaltung.“

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Verdreifacht hat sich nach Angaben von Norbert Henglein auch die Nachfrage nach Produkten wie Kloßteig, Spätzle, Schupfnudeln und Pizzateig, die in seiner Fabrik in Abenberg hergestellt werden. „Die Welle hat uns total überrollt“, sagt Henglein: „Die Leute bleiben zu Hause und kochen deswegen mehr.“ Weil Henglein vorwiegend gekühlte Frischeprodukte herstellt, die nicht lange gelagert werden können, sondern frisch verbraucht werden sollten, läuft die Produktion im Moment an sieben Tagen in der Woche im Dreischichtbetrieb. Seine rund 1200 Mitarbeiter gehen im Moment „bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit“, betont Henglein.

Mehr Personal könnte der Betrieb deswegen gut brauchen: 100 Stellen in der Produktion und im Lager könnten jederzeit besetzt werden, erklärt Henglein. An Rohstoffen mangelt es dagegen nicht: „Wir haben regionale Lieferanten und der Nachschub ist gesichert.“

Tipp für die Zukunft

Für alle Unternehmen, die ihren Betrieb im Gegensatz zu Wilamed und Henglein jetzt gedrosselt oder eingestellt haben, hat Felix Lehnhoff noch einen Tipp: „Schon jetzt für die Zeit nach der Krise planen.“ Denn in der Geschichte habe es die interessantesten ökonomischen Entwicklungen immer nach großen Krisen gegeben und „wer sich jetzt schon Gedanken macht, ist dann im Vorteil.“


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Martin Regner E-Mail

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