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Kufa Roth: "Emotionale Achterbahnfahrt"

Was tut sich in der Rother Kulturfabrik nach der Lockerung der Corona-Vorschriften? - 05.06.2020 15:51 Uhr

Bis in der Rother Kulturfabrik wieder Großveranstaltungen wie die Rother Bluestage – hier ein Bild aus dem letzten Jahr – über die Bühne gehen können, wird es noch eine ganze Weile dauern. Dennoch wird der Betrieb jetzt langsam hochgefahren. Das Kufa-Team setzt auf kreative Lösungen und kleinere Formate, solange die Corona-Pandemie nicht ausgestanden ist.


Einiges hat sich gelockert. Auch für die Kultur gibt es ab dem 15. Juni endlich die lange ersehnte, vorsichtige Perspektive. Zumindest für kleine Formate. Oder die nur wenig größeren, als Open-Air oder in der Autokino-Version.

Ein Regelbetrieb für Gastspieltheater wie die Kulturfabrik wird aber frühestens für Herbst in Aussicht gestellt. Dennoch freut sich das Kulturfabrik-Team um die künstlerischen Leiterinnen Monika Ammerer-Düll und Silke Rieger mit der neuen städtischen Sachgebietsleiterin für Kultur und Bildung, Melanie Hanker, nach den langen Wochen der Zwangspause auf ein Kultur-Comeback.

Darauf, dass das kulturelle Leben wieder anrollt, auch wenn es – wie alle anderen Bereiche – zukünftig wohl anders ablaufen wird als man es bisher gewohnt war. Seit Wochen arbeitet das Team im städtischen Veranstaltungshaus für den Erhalt des kulturellen Lebens in Roth in der Corona-Krise.

Nach der Schließung des städtischen Kulturbetriebs mit der Absage der 29. Rother Bluestage Ende März hatte das Kulturfabrik-Team nicht weniger zu tun. Rund 30 Termine waren geplant, budgetiert und beworben; die Spielzeit ab Herbst 2020 nicht dazugerechnet. Seit zwei Monaten wird hinter verschlossenen Kufa-Türen gearbeitet – mit viel Abstand im Büro oder im Homeoffice, seit 1. Juni auch in Kurzarbeit. Es geht um zahlreiche Terminverschiebungen, Neuverhandlungen mit Agenturen, Künstlern und Partnern, Vertragsänderungen und rechtliche Fragen, um Informationsaustausch – und um emotionale Unterstützung, denn viele langjährige Kulturpartner mussten aufgeben. Beschäftigt war die Kufa-Belegschaft mit Verlegungen und neuen Terminen, dem Ausbau der virtuellen Präsenz, der Abwicklung von Ticketrückgaben, Hotel- und Catering-Stornierungen, Besucheranfragen – aber auch mit Streichen, Malern und Kleinreparaturen, für die sonst nie Zeit war. Erdacht werden müssen nun Corona-sichere Veranstaltungsformate, neue Wege künstlerischer Möglichkeiten und vor allem Verhaltens- und Hygienekonzepte und deren Umsetzung.

Da war die (Kultur-)Welt noch in Ordnung: Monika Ammerer-Düll (links) und Silke Rieger bei den letztjährigen Rother Bluestagen. © Foto: Kulturfabrik


Melanie Hanker, die seit Anfang des Jahres das Sachgebiet Kultur und Bildung im städtischen Hauptamt leitet und den Einrichtungen auch in Sachen Corana zur Seite steht, meint dazu: "Die vergangenen Wochen waren eine emotionale Achterbahnfahrt. Neben den Verlegungen und Umplanungen haben wir an Maßnahmen und Konzepten gearbeitet, die eine Wiedereröffnung möglich machen könnten. Nur ist dies ohne konkrete rechtliche Vorgaben wie ein Blick in die Glaskugel. Aber wir haben die Öffnung bei anderen städtischen Einrichtungen, wie der Stadtbücherei oder dem Museum Schloss Ratibor, erfolgreich umgesetzt und können dies nun für die Kulturfabrik auf den Weg bringen."

"Die jüngste Vergangenheit war gefühlsmäßig eine Berg- und Talfahrt und ein tägliches Hoffen auf Besserung der Gesamtsituation, auch weil die Perspektive so lange gefehlt hat", erzählt Silke Rieger, mit Monika Ammerer-Düll Künstlerische Leiterin der Kulturfabrik. Fast alle Veranstaltungen im April und Mai wurden in die neue Spielzeit im Herbst 2020 oder auf 2021 verschoben. Nur die Akkordeonale musste ganz abgesagt werden. Die Musikerinnen und Musiker waren extra für die bundesweite Tour engagiert worden.

Die Arbeit auf Distanz stellt alle vor Herausforderungen. Der Faktor Unsicherheit ist für die Kulturwirtschaft mit ihrem hohen Planungsbedarf und ihrem dichten Beziehungsgeflecht in viele andere Branchen ein Graus. In der Kulturfabrik hat man versucht, die Termine in Juni und Juli solange wie möglich zu halten, um das geplante 26. Kindertheater-Festival und das erste Kufa-Comedy-Open-Air im Rother Freizeitbad eventuell realisieren zu können.

"Wir sind überzeugt, dass Kultur unabdingbar zum Leben gehört. Nicht als Zuckerguss auf dem Alltag, sondern als elementarer Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung; sie ist integraler Bestandteil einer intakten Gesellschaft ", sagen Ammerer-Düll und Rieger und fügen hinzu: "Andererseits sind wir von der Wichtigkeit und Richtigkeit der Corona-Maßnahmen überzeugt, weil Gemeinschaft auch bedeutet, dass man sich mit den Schwächeren solidarisch erklären muss."

 

Bademeister kommt 2021

 

Der Auftritt von Bademeister Schaluppke am 10. Juli im Rother Freizeitbad wurde um ein Jahr verschoben. Obwohl das Freibad dann wieder geöffnet hat, fehle es an Unbeschwertheit zu diesem Thema und die Regenvariante in der Kulturfabrik würde nicht stattfinden können.

Das 26. Kindertheater-Festival wurde von Anfang Juli in den Herbst verschoben. "Wir setzen auf Zeit. Theater und Musik leben ebenfalls von Freude und Leichtigkeit, besonders für die Kinder", betont Silke Rieger. Nun werden die Aufführungstermine direkt mit den angemeldeten Kindergärten und Schulen besprochen. Neuanmeldungen seien leider nicht mehr möglich.

Der Kabarettist und Gitarrist Willy Astor gibt am Sonntag, 5. Juli, eine „Autokino-Vorstellung“ in Roth. © Foto: Kulturfabrik


Aktuell wird darüber hinaus vom Kufa-Team an einem Konzept für den Neustart und die Umsetzung kleinerer Veranstaltungen gearbeitet. Wenn es in dieser Übergangszeit etwas größer sein soll, dann werden Pop-up-Formate, wie Autokinos, immer beliebter. Diese Events laufen bereits; entweder als klassisches Autokino oder eben als Konzert- oder Comedy-Event im Autokino-Format.

Das Prinzip: Man sitzt geschützt im eigenen Auto, der Ton kommt über das Autoradio, geklatscht wird mit der Lichthupe. Aussteigen ist nicht erlaubt – außer für den Weg zur Toilette oder für den Snackeinkauf.

Mit dem Rother Unternehmen vitolico Events plant die Kulturfabrik für Juli verschiedene Veranstaltungen in der Autokino-Version. Genügend Platz dafür ist auf dem bereits eingerichteten Gelände beim Aldi-Zentrallager in Roth (Gildestraße 17).

Am Sonntag, 5. Juli, 20 Uhr, spielt Willy Astor um 20 Uhr sein Programm "Jäger des verlorenen Satzes". Tickets gibt es nur über die Webseite www.autokino-roth.de

InfoFür Besucherinnen und Besucher bleibt die Kulturfabrik bis auf Weiteres geschlossen. Das Büro ist von Dienstag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr telefonisch unter (0 91 71) 848-714 oder per E-Mail an kulturfabrik@stadt-roth.de erreichbar. Dringende Angelegenheiten können nur nach vorheriger Terminvereinbarung erledigt werden.

rhv/hvd

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