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Kulturlandschaft wird digital

Besuch im Landkreis Roth: In einer Datenbank sollen Besonderheiten der Region vorgestellt werden. - 04.11.2019 06:00 Uhr

Eine Wässerwiese südlich von Georgensgmünd: Anhand von verschiedenen Karten diskutierten die Teilnehmer auch über die verschiedenen Möglichkeiten der Kartierung. © Foto: Eva Schultheiß


Die "Erfassung (historischer) Kulturlandschaft" ist ein Kooperationsprojekt von zwölf Lokalen Aktionsgruppen (LAG) in Mittelfranken und der Oberpfalz, das die EU im Rahmen des Leader-Programms fördert. Ziel ist eine öffentliche Datenbank, in der interessante, seltene oder besondere Elemente zugänglich sind. Für Einheimische, aber beispielsweise auch für Urlauber, die die Besonderheiten der für sie fremden Region kennen lernen wollen.

Für die Ehrenamtlichen drei LAG Altmühlfranken, Nürnberger Land und ErLebenswelt Roth fand nun eine gemeinsame Fahrt zu verschiedenartigen Zeugnissen der Kulturlandschaft im mittig gelegenen Landkreis Roth statt, die Thomas Büttner und Johanna Kemmler von der Projektleitung sowie die LAG-Geschäftsführerin Sina Mixdorf von der ErLebenswelt Roth zusammen mit Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß und Irmgard Prommersberger vorbereitet hatten.

Erstes Ziel waren die Wässerwiesen im Süden von Georgensgmünd. Anhand von topographischer und historischer Karte, Reliefkarte sowie Luftbild konnten die Teilnehmer die Funktionen von Mühlgraben, Bewässerungsgräben, Wehren und Schützen gut erkennen und nachvollziehen. Die sonnige, aber noch leicht diesige Morgenstimmung im Rezattal machte die Gäste mit den Schönheiten des Landkreises Roth bekannt. Da alle in jeweils ihren Regionen die Kulturlandschaft aufnehmen, ergaben sich nicht nur hier interessante Diskussionen, wie man welche Elemente am besten einzeichnet. "Flächig die ganze Wässerwiese oder als Strecken die Gräben und als Punkte die Wehre? Und den Mühlbach eigens? Es gebe keine eindeutige Regelung. "Sie kennen sich am besten aus vor Ort und können das am besten entscheiden", sagte Projektleiter Thomas Büttner.

Das nächste Ziel war der Schlossberg bei Heideck. Nach einem kurzen Fußmarsch hinauf zur Stelle der Hauptburg der Herren von Heideck erläuterte Eva Schultheiß die naturräumlichen Gegebenheiten der Region, die Ansiedlungen und Bewirtschaftung ermöglichten. "Die fruchtbaren Schwarzjura-Verwitterungsböden im Thalachtal lockten schon die jungsteinzeitlichen Bauern an, die sich oben auf die steil abfallenden Bergsporne der Jura-Hochfläche zurückziehen konnten. Die Kelten dann schätzten am Steilrand den Eisengehalt des Eisensandsteins und das auf der Hochfläche auf den Feldern "herumliegende" Bohnerz.

Im nahen Rudletzholz steuerte man einen alten Streuobstgarten und einen Hopfengarten an. Eva Schultheiß machte aufmerksam auf die zahlreichen Wegkreuze und Kapellen (bei Selingstadt und Ohlangen) und auf die europäische Hauptwasserscheide. Bei der sogenannten Keltenschanze war aber nicht das schon lange kartierte Bodendenkmal das Ziel, sondern ein eindrucksvolles Hohlwege-Bündel, Wegepflaster aus senkrecht in den Boden geschlagenen Kalksteinplatten und Bierkeller, alles nahe beieinander.

Nachmittags war der Hang des Auer Bergs das erste Ziel. Hinauf ging’s in einem Hohlweg vorbei an Bierkellern, bis hinauf zur Verebnung. Da gab’s WacholderheideFlächen, ehemalige Weiden, historische Acker-Terrassen, ehemalige Allmenden (Weideflächen in gemeinschaftlicher Bewirtschaftung), die man später in schmale Streifen auf alle Bauern aufteilte, Abbaustellen von Weißjura-Steinen für Straßenschotter. Und dazu eine gute Sicht über den Auer Berg und die Südliche Frankenalb, die die Heimatpflegerin erklärte. So kann man über weite Strecken hinweg erkennen, wo am Berg die leichte Weißjura-Erhebung beginnt, denn dort wächst leicht erhöht Laubwald. Und dort sind die wohl vorgeschichtliche Ringwallanlage und der mittelalterliche Burgstall.

Auf der Höhe östlich von Schwimbach erkundete man noch Abbaustellen von Eisenerz, bevor alle zur Abschlussbesprechung ins Heidecker Rathaus fuhren.

EVA SCHULTHEISS

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