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Dienstag, 07.07.2020

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Landkreis Roth: Regen rettet Jungbäumen das Leben

Lange Trockenphase gefährdete Neupflanzungen - 26.06.2020 06:03 Uhr

Revierförster Jonas Herrmann, AELF-Bereichschef Peter Tretter und Harald Schiller (von links) als kommissarischer Leiter des Forstbetrieb Allersberg befürchteten vor dem Landregen schlimmes für den Wald. Nun gönnen die Niederschläge ihm eine Verschnaufspause, worüber sich die achtjährige Eiche freut. © Foto: Jürgen Leykamm


Den hohen Stellenwert des Regens besonders für die Jungpflanzen macht ein Blick in einen Privatwald bei Roth deutlich. Dort hatten die Sturmböen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Auf knapp vier Hektar forstete der Besitzer wieder auf und so begannen insgesamt über 1400 kleine Eichen, Douglasien Waldbirnen, Vogelkirschen, Tannen und andere sich nach oben zu strecken.

Drei Monate fast ohne Regen

Doch sie hätten sich von dort nicht nur Sonne erwartet, sondern auch Wasser. "Die Startbedingungen Mitte März waren eigentlich gut," sagt Jonas Herrmann, Rother Revierleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth (AELF). Dafür sorgten seinen Worten zufolge die Niederschläge der ersten beide Monate des Jahres. Doch dann folgten drei weitere fast ganz ohne Regen. "Das hat für die Pflanzen Stress bedeutet, das war ein Schock", so der Förster. Zumal sie in der Baumschule noch eine sehr gute Wasserversorgung gewohnt gewesen seien.

Und so kam der Landregen wie gerufen. Von Trockenheit und Befall durch den Nadelrüsselkäfer geschwächte Douglasien erholten sich genauso wieder wie die erst einjährigen Eichen, von denen einige Johannistriebe ausbildeten. Hier waren bewusst so junge Exemplare gepflanzt worden, "denn die brauchen auch weniger Wasser", wie Forstoberrat Peter Tretter erläutert, der bei der Behörde den Forstbereich für den Landkreis leitet.

Doch wenn sich die Trockenperiode wie heuer über Wochen und Monate erstreckt, hilft auch das nicht mehr. "Wäre es so weitergegangen, hätte uns in der Forstwirtschaft bis zu 100 Prozent Ausfall bei den Jungpflanzen gedroht", schätzt Harald Schiller die Lage ein. Schiller leitet für die Bayerischen Staatsforsten den Forstbetrieb Allersberg kommissarisch. "Der Regen hat uns jetzt wirklich gerettet."

Bis September sollte aber noch einiges nachkommen, sind sich die drei einig. Dass das Glück nicht von langer Dauer zu sein braucht, machen zwei vom Sturm umgerissene Kiefern deutlich. Dank des Bodens stehen die Wurzeln der einen noch im Wasser, bei der anderen ist nur noch knochentrockener, grobkörniger Sand zu sehen. Die nicht entwurzelten großen Bäume freuen sich wiederum über die Niederschläge. "Die haben auch dem Altbestand sehr gut getan", so Schiller. "Ohne sie wäre das eine Katastrophe geworden."

Fallen sind voll

Was den Borkenkäfer anbetrifft, sei die Lage "etwas ruhiger als in den vergangenen Jahren". Der Februarsturm Sabine habe zwar dafür gesorgt, dass der Schädling sich im April schon ordentlich in die Stämme eingebohrt hat: "Aber die kalte Witterung und der Regen haben ihn wieder ausgebremst." Doch der hatte einen negativen Begleiteffekt: Er schwemmte das Bohrmehl weg, durch das sich der Befall eines Baumes am besten erkennen lässt. Die Käfer können deshalb nur schwer aufgespürt werden, so dass sie wohl in den kommenden Wochen "wieder massiv fliegen," befürchtet Schiller.

Trotzdem sei die Situation nicht so schlimm, wie die lange Trockenheit und Wärme hätten erwarten lassen. Bis Juni "hat der fehlende Regen die Fichten schon sehr geschwächt", ergänzt Tretter. "Die Fallen sind voll!" verweist er auf den aktuellen Stand des Käfermonitorings, das nichts Gutes verheißt.

Unterm Strich sei dem Wald also durch den Landregen nur "eine Verschnaufspause gegönnt worden", betont Schiller. Doch die Wasserdefizite der Böden wurden durch die Niederschläge recht gut behoben. Zumindest "sind wir über den kritischen Punkt hinaus", so Tretter.

Nicht rauchen und grillen

Das starke Blühen vieler Baumarten sorge zudem dafür, dass heuer viel Saatgut gewonnen werden könne. Damit die Samen sich auch entwickeln können, braucht es weitere Regenfälle. Die bisherigen sollten aber nicht zu unbedachtem Handeln führen, warnt der Forstoberrat. "Bitte im Wald nicht rauchen und in der freien Natur nicht grillen", ergeht sein Appell. "Und das Auto nicht über trockenem Gras stehen lassen," ergänzt Jonas Herrmann. Der Waldbrandgefahren-Index weist für den Landkreis trotz allen Regens immer noch Stufe drei aus, die für "Mittlere Gefahr" steht.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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