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Lockdown: Geschäfte verzeichnen verschärften Andrang

Der erzwungene " Weihnachts-Schlussverkauf" sorgt für zwei Tage Hochbetrieb bei den Einzelhändlern. - 15.12.2020 06:00 Uhr

Bei Genniges Bücher war die Nachfrage so stark, dass am vorletzten Verkaufstag noch sehnlichst auf den Paketdienst mit der Nachlieferung gewartet wurde.

14.12.2020 © Foto: Paul Götz


So wie Sonja Schlerf und Tochter Lisa kurbeln viele Einzelhändler mit kräftigen Rabatten den „Weinachts-Schlussverkauf“ an.

14.12.2020 © Foto: Paul Götz


Wie viele andere Einzelhändler in der Rother Innenstadt lockt "Outfit" an den letzten beiden Verkaufstagen in diesem Jahr mit einem satten Rabatt. Der "halbe Preis" hat aber auch seinen Preis: "Viele kennen keinen Abstand, da muss man dann selbst aus dem Weg gehen." Was in dem Run positiv auffällt: "Die Menschen in Roth sind solidarisch." Statt die Waren im Internet zu bestellen, geben sie ihr Geld jetzt im Laden vor Ort aus.

Da profitiert die ganze Innenstadt, ist sich Sonja Schlerf sicher, die sich in eigener Sache widerstandsfähig zeigt: "Ich halte durch, weil ich einfach den Kampf nicht aufgeben will." Mit einem Extra-Lob bedenkt sie den Stadtmarketing-Beauftragten Mark Bartholl und Bürgermeister Ralph Edelhäußer, die vorübergehende Öffnungszeiten bis 20 Uhr ins Spiel gebracht haben: "Die haben sich sehr für uns ins Zeug gelegt."

Bücher haben immer noch einen Status als klassisches Weihnachtsgeschenk, man müsste nur genug Zeit haben. Bei Sonja Freybergers Bücher Genniges ist die Nachfrage auf den letzten Metern vor Ladenschluss auf Höchststand: "Wir haben alles an Personal aufgeboten", weist sie in die Runde. Derweil schrumpfen vor allem die Stapel mit den Bestsellern, "wir warten sehnlichst auf den Paketzusteller, hoffentlich kommt heute noch der Spediteur mit der weiteren Lieferung".

Weniger ein Feiertags- als vielmehr ein Saisongeschäft sind Schuhe. Trotzdem: "Normalerweise steht bei uns um 9 Uhr noch keiner vor der Tür", beschreibt Uwe Heyder vom gleichnamigen Schuhhaus eine neue Erfahrung. Mit dem Lockdown hätten zwar viele gerechnet, aber keiner habe geglaubt, dass es so schnell geht: "Das war schon ein starkes Stück".

Mit dem Geschäft war Heyder bisher sehr zufrieden, mit dem Stammpersonal kommt er auch bei gestiegener Nachfrage zurecht: "Schuhe sind ein Bedarfskauf, da muss man außerdem Zeit haben um zu probieren". Momentan werde viel für Kinder gekauft. Inwieweit die Schließung Mitte Dezember ein Loch in die Kasse reißt, lässt sich in der Branche erst später beurteilen. "Ist es im Januar mild, dann ist der Winter für uns gelaufen", erläutert Heyder, "voriges Jahr ist zum Beispiel total schlecht gelaufen." Temperaturen um zehn Grad waren da keine Seltenheit.

Worauf sich die Kunden aber auf jeden Fall einstellen müssten, dass es im Januar viele Schuhhäuser nicht mehr geben wird. Auch große: "Wer jetzt nicht fest im Sattel sitzt, den pfeift es weg." Schuhe sind in den Läden nämlich keine Kommissionsware, sondern bezahlt. Und weil ein Großteil der Ware in China gefertigt wird, sieht es auch mit der Frühjahrskollektion mau aus. Heyder: "Produzieren können sie in China jetzt schon wieder, aber die Lieferketten sind total zusammengebrochen."

Im Frühjahr-Lockdown hatte es Zoff gegeben, weil die Spielwarenfachgeschäfte dicht waren und die einschlägigen Abteilungen in den Drogerien offen blieben. Der Vedes Family Store Roth ist jetzt auch als Babyfachmarkt und GLS PaketShop systemrelevant. Inhaber Norbert Diettl hat schon am Freitag einen Anstieg des Kundenandrangs verzeichnet, dem er mit einem Baustein-System am Eingang begegnet, das vor Überfüllung warnt: "Die Leute haben doch ahnen können, dass der Lockdown kommt. Wir werden regelrecht überrannt."

Mit diesem Andrang, so Diettl, wurde genau der gegenteilige Effekt erzielt, den die Politik beabsichtigt hat. Viele Menschen auf beschränktem Raum. "Man hätte die Läden lieber bis Samstag offenlassen sollen." Entspannt wurde die Lage durch die Entscheidung, die Öffnungszeit bis 20 Uhr zu verlängern. Immerhin, der Family-Store darf über den Mittwoch hinaus weitermachen, wenn das Landratsamt nicht doch noch die Zügel anzieht.

PAUL GÖTZ

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