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MF Robots bei den Rother Bluestagen: Eine Dosis Disco zum Abschluss

Festival bleibt seinem Ruf als Musikforum des Ungewöhnlichen treu - 08.04.2019 14:00 Uhr

Sie ist eine Ausnahmesängerin: Dawn Joseph, die mit den „MF Robots“ für ein äußerst tanzbares Finale der 28. Rother Bluestage sorgte.


Ian Kincaid hatte mal wieder eine Idee. Wie der Ex-Drummer der "Brand New Heavies" sie öfter hat. Dieses Mal für ein ziemlich abge-drehtes Dancefloor-Projekt mit unüberhörbarem Nostalgie-Appeal. Vergoldet wird die Sache von der Aus-nahmesängerin Dawn Joseph, die auch bei den "Brand New Heavies" war. Dass dabei etwas Angejazztes herauskommen musste, war klar.

Am Ende freilich wurde Disco daraus. In der Rother Kulturfabrik hätte man zum Bluestage-Finale also getrost die Discokugel aufhängen dürfen, sie hätte ins Bild gepasst. Klar, dass das Treiben der "MF Robots", wie Kincaid und Joseph ihr Kollektiv nennen, im Jahr 2019 gewisse postmoderne Züge trägt. Soll heißen, dass die Gruppe mit Inhalten spielt, die nur bedingt zur Retro-Oberfläche passen.

Deshalb ist auch die Donna-Summer-Seligkeit, die hier streckenweise verbreitet wird, trügerisch. Die fetten Bläsersätze beispielsweise sind ein Versatzstück aus dem Ska bezie-hungsweise aus dem Acid Jazz, der ein enger Verwandter der Fusion ist.

Die 70er-Jahre-Afrofrisur, die Dawn Joseph am Abschlussabend der Bluestage trägt, soll vor allem in die Irre führen, ablenken von einem Musikkonzept, das um so vielgestaltiger (und auch irrwitziger) wirkt, je länger der Abend dauert. Hier wird nur vordergründig Stoff für die Tanzverrückten geliefert – so nebenbei deklinieren die "MF Robots" mit ihrer "Musik für Roboter" nämlich einen wichtigen Teilbereich der Popmusik aus den letzten 30 Jahren durch.

Ohne akademischen Anspruch

Ohne akademischen Anspruch, aber schon so, dass der weite Horizont des Führungsduos immer wieder durchscheint und für alle spürbar wird, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht im Koma lagen. Abseits theoretischer Betrachtungen funktioniert der Ansatz auch, um in der ziemlich gut gefüllten Kulturfabrik ein Festival zu feiern, das bei seiner 28. Ausgabe den Unterschied zwischen Vielfalt und Beliebigkeit ganz deutlich gemacht hat.

Die "MF Robots" stehen also im Grunde für die Stärken der Bluestage, denn sie machen intelligente Musik, die bei allem intellektuellen Überbau doch niemals langweilig wird. Feinstoff für Kopf und Bauch. So und nicht anders soll es auch sein. 

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