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Mirjam Schall bricht Längsquerung des Bodensees ab

„Es ging einfach nicht mehr“: Extremschwimmerin muss nach 55 Kilometern aufgeben - 05.08.2015 16:20 Uhr

Die geplante Längsquerung des Bodensees musste Mirjam Schall nach etwas über 55 Kilometern abbrechen. Das Foto stammt aus dem Vorjahr, als Schall als erster Mensch der Welt die Dreiländerquerung schaffte. © Archiv-Foto: Oliver Halder


Mit der Dreiländerquerung des größten deutschen Sees erfüllt sich die Athletin der TSG Roth im Juli 2014 einen Traum: Einmal etwas machen, was vorher noch niemand geschafft hat. Als erster dabei dokumentierter Mensch schwimmt sie die 35 Kilometer zwischen Lindau, Rorschach und Bregenz. Aber die Rother Extremschwimmerin will mehr: Sie möchte die gut 64 Kilometer lange Längsquerung von Bodman nach Bregenz und damit als Erste alle drei Querungen schaffen. Neben diesem Rekord wäre sie nach Christof Wandratsch und dem Schweizer Bruno Baumgartner seit 2013 erst der dritte Schwimmer überhaupt, dem die Längsquerung gelänge.

Mit dem Veranstalter vor Ort, der sich unter anderem um die notwendigen Genehmigungen kümmert und überwacht, dass der Versuch regelkonform verläuft, wird die erste Augustwoche als Zeitfenster für die Längsquerung abgesprochen. Am Bodensee mit dabei: Tochter Selina, Freunde und eine gehörige Portion Respekt vor dem, was vor ihr liegt.

Die ersten paar Kilometer Richtung Bregenz im Süden laufen gut. Regelmäßig wird sie von ihren Helfern, die sie zusammen mit den Beobachtern des Veranstalters mit Booten begleiten, über einen Kescher mit Nahrung versorgt. Bei Einbruch der Nacht liegt bereits rund ein Drittel der Strecke hinter ihr. Doch die Nacht hat es in sich. Schall bekommt Bauch- und Wadenkrämpfe. Sie schwimmt weiter, auch wenn sie deutlich langsamer wird. Morgens sieht es schon wieder besser aus, sie kann zwar erneut an Tempo zulegen, liegt jedoch hinter ihrem Zeitplan. Dann fällt auch noch das Begleitboot mit technischen Problemen aus. Bis es repariert werden kann, ist nur ein kleines Beiboot an ihrer Seite.

Gegen Mittag, nach 24 Stunden im Wasser, hat die Extremschwimmerin 47 Kilometer geschafft. Doch jetzt zeigt die Natur, dass Freiwasserschwimmen eine Outdoor-Sportart par excellence ist. Der Wind wird immer stärker, die Wellen nehmen zu, es herrscht Starkwindwarnung. Jeder Meter kostet Unmengen an Kraft, das Schwimmen und die Schmerzen in der Schulter werden zur Tortur. Da hilft es nur wenig, dass ihr im Gegensatz zu den Stunden zuvor mittlerweile immerhin die Strömung in die Karten spielt. Um 14.40 Uhr, nach 55 Kilometern und fast 27:30 Stunden, entscheidet sich Mirjam Schall schließlich schweren Herzens für den Abbruch. „Es ging einfach nichts mehr“, erzählt sie tags darauf.

Dass es kurze Zeit später zu gewittern beginnt und der Versuch damit sowieso beendet gewesen wäre, ist nur ein schwacher Trost. Nach dem medizinischen Check heißt das Motto der nächsten Tage: ausruhen, ausruhen, ausruhen. Danach geht es in den Urlaub. Kopf und Körper brauchen dringend eine Pause. 

ANDREAS REGLER

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