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Montag, 01.06.2020

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Mit neuem "TÜV" Richtung Jubiläum

Der Benefizwald bei Grafenberg darf sich über eine erneute Rezertifizierung nach PEFC freuen. - 20.04.2020 06:00 Uhr

Waldbesitzer Rudolf Graf (links) hält hier ein Bild hoch, das den Benefizwald in seiner Anfangszeit zeigt. Revierförster Josef Adam – im corona-konformen Sicherheitsabstand – überreichte für Bestrebungen um ökologische und soziale Nachhaltigkeit nun erneut das PEFC-Siegel. Die Wildkirschen im Hintergrund quittieren das Geschehen mit prächtiger Blüte. © Foto: Jürgen Leykamm


Von seinem Besitzer bekommt das Waldstück regelmäßig Besuch. So auch in diesen Tagen, als das Frühjahr sich mit Macht seine Bahn brechen will. Das genießt Rudolf Graf auch, doch vornehmlich gilt es nach dem Rechten zu sehen: Sind Sturmschäden zu beklagen, die aufgearbeitet werden müssen? Wo lauert der Borkenkäfer? Beraten wird der Qualitätsmanagement-Verantwortliche der Kliniken im Naturpark Altmühltal dabei vom Gredinger Revierförster Josef Adam. Er nutzt die Gelegenheit zudem zur Übergabe der begehrten PEFC-Urkunde, die bis 2025 und damit bis zum Jahr eins nach dem Silberjubiläum der Waldgründung gültig ist.

Den Wert eines solchen Zertifikats weiß Graf auch deshalb sehr zu schätzen, weil er als Klinikprüfer selbst bundesweit Urkunden aushändigen darf und im Vorfeld entsprechende Prüfverfahren durchführt – beispielsweise als ISO-Auditor. Bei der PEFC-Prüfung "handelt es sich um eine Art Wald-TÜV", erklärt der Waldbesitzer. Mit der entsprechenden "Plakette" wird einem solchen eine nachhaltige Waldbewirtschaftung attestiert.

Das "Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen", wofür das englische Kürzel im Deutschen steht, stellt dazu aber hohe Anforderungen. Wer das Siegel haben will, muss nicht nur dafür sorgen, dass im betreffenden Wald mehr Holz nachwächst als entnommen wird, sondern dieser muss auch hohe ökologische und soziale Standards erfüllen.

 

Gesunder Mischbestand

 

Keine Kahlschläge, keine Pflanzenschutzmittel, keine Kunstdüngung, Biotopschutz, ein angemessener Totholzanteil – so lauten einige Kriterien. Sie alle wurden schon 2001 bei der ersten Zertifizierung berücksichtigt. Das waren die gepflanzten 6000 Bäumchen gerade mal knapp zwei Jahre alt. "Schon damals wurde auf einen gesunden Mischbestand geachtet", erläutert zudem Josef Adam.

An die 25 verschiedene Baumarten seien 1999 in den Boden der ehemaligen Wiese eingebracht worden: Buche, Eiche, Linde und Ahorn genauso wie Kiefer, Fichte, Elsbeere und viele mehr. Auch nachgepflanzt wurde bereits eifrig. Der ökologische Charakter der Nachhaltigkeit ist hier von Anfang akribisch durchbuchstabiert worden.

Wie aber lässt sich der soziale Aspekt jenes Begriffs mit Leben erfüllen? Diese Frage hat Graf ebenso von Beginn an beschäftigt. Antworten darauf fand er in großer Fülle und setzte sie auch um. Und dies schon bei der Pflanzung der Bäume, für die Baumpatenschaften vermittelt wurden. Mit guten Beispiel gingen damals die Lions- und Rotary-Clubs der Region voran. Der Erlös kam Kindern in Kriegs- und Krisengebieten zugute. Im Jahr der ersten Zertifizierung startete dann die jährliche Sammlungsaktion ausgedienter Christbäume in Greding – zunächst über den VdK, später dann über die Kolpingjugend.

Weitere Markenzeichen jenes Waldstücks, das bald als Benefizwald von sich reden machte, sind Wald-Gottesdienste sowie -Erlebnistage, Kinder-Musicals und natürlich vor allem die Karl-May-Spiele. Bei diesen hat man sich sogar auf eine besondere Form der Nachhaltigkeit besonnen: "Bei uns stirbt Winnetou nicht!", sagt Graf. Familienfest, Open-Air-Konzert einer Pfarrerband, ein Audi-Ehrenamtstag und die Herausgabe zweier Bücher rund um die Themen Wald und nachhaltiges Qualitätsmanagement runden den Aktionsreigen ab.

Die Erlöse flossen zu vielen Projektpartnern wie der Kriegskindernothilfe oder der Tafel Roth sowie den Maltesern und das Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt. Durch die günstige Lage können Kindergärten und Schulen gleich aus vier Landkreisen die waldpädagogischen Angebote nutzen. Wie es weiter geht? Graf dazu: "Am Thema Nachhaltigkeit werden wir auf jeden Fall dranbleiben!"

Eindrücklich erinnert im Wald bei genauem Hinsehen ein kleines, aber feines Zeichen an den Prozess des Werdens und Vergehens in der Schöpfung: Zwei der vier hölzernen Kopfskulpturen, die in der Anfangszeit entstanden, sind heute noch dort zu sehen. Mit deutlichen Spuren der Verwitterung, Moos auf der einen Gesichtshälfte – aber doch voller eigener Anmut.

 

JÜRGEN LEYKAMM

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