Nach Unwetter in Roth: Aufräumarbeiten dürften Wochen dauern

20.8.2019, 18:30 Uhr
Nach Unwetter in Roth: Aufräumarbeiten dürften Wochen dauern

© Foto: Petra Bittner

Fachleute vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten warnen Privatwaldbesitzer allerdings davor, allein mit der Kettensäge loszuziehen. "Das ist lebensgefährlich. Wir hatten in Bayern heuer schon 16 tödlich verlaufende Unfälle bei Waldarbeiten. Da müssen nicht noch mehr dazukommen", so Abteilungsleiter Steffen Taeger. Auch Spaziergänger sollten in nächster Zeit Wälder, in denen der Sturm gewütet hat, unbedingt meiden.

Schäden lokal begrenzt

Aus Sicht des Amtes waren die Reviere Georgensgmünd, Roth (zuständig für Roth, Rednitzhembach und Büchenbach) und Spalt (Spalt und Abenberg) am stärksten betroffen. Hier liegen jetzt rund 11.000 Festmeter Holz in den Wäldern, die aufgearbeitet werden müssen. Weitere 9000 Festmeter meldet der für den Staatswald zuständige Forstbetrieb Allersberg.

20.000 Festmeter, das entspricht etwa zehn Prozent der Menge, die normalerweise im Landkreis Roth pro Jahr geerntet werden. "Von den reinen Schäden im Wald war der Sturm also kein absolut außergewöhnliches Ereignis", bilanziert Abteilungsleiter Taeger. "Die Schäden sind lokal relativ begrenzt und nicht großflächig."


Millionenschäden durch Unwetter in Roth, keine Verletzten


Umso mehr warnt er vor übertriebener Eile. "Die Holzpreise sind heuer ohnehin im Keller. Da kommt es bei den Aufräumarbeiten nicht auf eine oder zwei Wochen an", sagt er. Es gelte Sorgfalt vor Tempo. Privatwaldbesitzer sollten sich in jedem Fall Rat und Hilfe von den Spezialisten wie den Forstbetriebsgemeinschaften holen. "Im Harvester ist es einfacher sicherer, als zu Fuß mit der Säge über umgefallene Stämme zu hüpfen", so Taeger.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bietet für Waldbesitzer und sonstige Interessierte – Schäden gibt es auch in vielen Gärten – am Dienstag, 27. August, 20 Uhr, im Landwirtschaftsamt Roth, Johann-Strauß-Straße 1, einen Info-Abend an.

Betroffen vom Sturm waren nicht nur Waldbauern. Große Schäden gibt es bei einem Teil der 52 Hopfenpflanzer im Anbaugebiet Spalt. Schätzungen zufolge wurden bis zu 50 Tonnen und damit knapp zehn Prozent der 2019er Ernte vernichtet. Auf 30 Hektar wurden Hopfengärten komplett umgelegt.

Auch über die sonstigen Sturmfolgen wurden neue Details bekannt. Erfreulich: Der ICE, der am Sonntagabend zwischen Roth und Georgensgmünd von umstürzenden Bäumen getroffen und erheblich beschädigt wurde, konnte abgeschleppt werden. Der Zugverkehr zwischen Treuchtlingen und Nürnberg rollt in der Theorie wieder, aber es gab gestern noch Behinderungen, Verspätungen und Zugausfälle. Der Schnellzug hatte aus mehreren Gründen die Fahrt nicht mehr fortsetzen können. Auf den Gleisen lagen dicke Stämme, auf dem ICE kleinere Bäume, die ihm den Stromabnehmer abgerissen hatten. Die Evakuierung der 420 Reisenden dauerte die halbe Nacht, weil die Rettungskräfte nicht zum Zug vordringen konnten. Sie mussten sich gewissermaßen erst den Weg freisägen.

Dach muss notabgedichtet werden

Gewütet hat der Sturm auch in einem sensiblen Bereich: Kurzzeitig war aufgrund von umgestürzten Bäumen die Rother Kreisklinik nicht erreichbar. Hier waren die Hilfskräfte aber besonders fix zur Stelle. Das benachbarte und von viel Grün umgebende Landratsamt kam relativ glimpflich davon. Ein Baum durchschlug eine Garage, das Amtsgebäude blieb aber unbeschädigt. Hier hätte ein "Dachschaden" gar keine so schwerwiegenden Folgen gehabt. Vor kurzem hatte der Kreisausschuss ohnehin die Arbeiten für die Dachsanierung vergeben.

Schlimmer erwischt hat einige städtische Gebäude in Roth. Von der Mehrzweckhalle in der Nürnberger Straße wurden Teile der Blechabdeckung vom Dach geblasen. Es muss notabgedichtet werden. Vom Erweiterungsbau der Anton-Seitz-Mittelschule fehlt das komplette Dach. Auch hier regnet es hinein. Das Dach eines Gebäudeteils der benachbarten Nordring-Grundschule wurde ebenfalls hochgebogen. Hochbauleiter Stefan Hofmann geht von einer Schadenssumme im sechsstelligen Bereich aus. Auf den Kindergarten im Stadtpark fiel eine Eiche. Hier halten sich die Schäden aber in Grenzen.

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