Sonntag, 09.05.2021

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Nationalsozialismus in Roth: Zeitmaschine startet

Kindheit und Jugend im Dritten Reich: Wie war das in Roth? Eine Stadt-Rallye für die junge Generation gibt ab 6. April Aufschluss. Mittels Geo-Koordinaten. - 29.03.2021 05:00 Uhr

Versammlung der Nationalsozialisten auf dem Rother Marktplatz. Ja, wie war das damals eigentlich vor Ort? Antworten können ab 6. April im Zuge einer Rätseltour gesammelt werden, die per Geo-Koordinaten durch die Stadt führt. Wer am Ende das Lösungswort gefunden und seinen Fragebogen ausgefüllt hat, darf zusätzlich an einer Verlosung teilnehmen.

28.03.2021 © Foto: Stadtarchiv Roth


Für die Jugend im Hier und Jetzt sei jene Zeit "abstrakt geworden", weiß Anne Roßius, Museumspädagogin der Stadt Roth. Dabei spielten sich die damaligen Ereignisse auch vor hiesigen Haustüren ab.

Um genau das jungen Menschen möglichst anschaulich ins Bewusstsein zu rufen, werden ab 6. April neue Wege beschritten – wortwörtlich. Denn dann dürfen sich neugierige Teenager mit Fragebogen, Stift und Handy auf Spurensuche im Städtchen begeben. Eine Zeitreise, die mitten ins Herz von Roth führt, das einst freilich auch für Hitler schlug.

Sensibles Jugendthema konzipiert

"Wie war das damals?" Diese Frage geht dem Ganzen voran. Gestellt hat sie der "Literaturverbund" (siehe Info-Kasten). Einmal pro Jahr gibt der nämlich ein zentrales Jugendthema aus, für das dann eine Medienausstellung konzipiert wird, die schließlich eine Weile durch Mittelfrankens Büchereien wandert.


NS-Ausstellung in Roth: Wie viele nur ein Rädchen im verbrecherischen System


Damit nicht genug. Parallel dazu entwirft die gemeindliche Jugendarbeit vor Ort regelmäßig ein ansprechendes Rahmenprogramm, das den jeweiligen Stoff noch ein Stückchen näher an die junge Generation heranrücken soll. – Seit drei Jahrzehnten ein bewährter Plan, um auch sperrige Sujets in den Fokus zu nehmen.

In diesem Corona-Jahr allerdings leichter gesagt als getan: "Wie war das damals? Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Und danach." lautet die vollständige Losung für 2021. Damit sah man sich heuer "gleich zwei Herausforderungen" gegenüber, gesteht Karin Reich, Leiterin des städtischen Jugendhauses und -büros.

Zum einen der "sensiblen Thematik" wegen, zum anderen der Corona-Situation geschuldet. Im Klartext: "Wir mussten uns überlegen, wie wir das a) jugendgerecht und b) ohne großen Veranstaltungs-Charakter aufbereiten!"

Das Kunststück scheint geglückt: Zwischen 6. April und 16. Mai kann, wer mindestens zehn Jahre jung ist, zu einer historischen und pandemiekonformen Individual-Rallye durch Roth starten. Dazu wird die Uhr etwa 80 Jahre zurückgedreht. So würden die Teilnehmer auf ihrer Runde "vertraute Örtlichkeiten mit anderen Augen sehen", erklärt Anne Roßius.

Wie lauteten die Straßennamen früher? Wo waren die Repräsentanz-Quartiere der Nazis? Was geschah mit den ortsansässigen Juden? Es gilt, erhellende Antworten zu finden in einem dunklen Kapitel der Rother Stadtgeschichte. An Ort und Stelle der Ereignisse.

Doch wer die Zeitmaschine besteigen will, benötigt zuerst einen Fragebogen. Der kann (nach Anmeldung) ab 6. April heruntergelden werden unter www.jugendbuero-roth.feripro.de – und zwar in zwei Varianten: für Zehn- bis 13-Jährige und für 14- bis 17-Jährige. Dieser Bogen lotst die Rätselnden schließlich an neuralgische Schauplätze des NS-Geschehens in Roth.

Smartphone nicht vergessen!

Moderner Anreiz dabei: Die Route definiert sich über Geo-Koordinaten, die es zu jeder gelösten Frage gibt. Also: Smartphone nicht vergessen! Und: "Bitte unbedingt die geltenden Corona-Regeln beachten!", ersucht Karin Reich eindringlich. Am Ende der Tour stehe letztlich ein Lösungswort, "das zusätzlich zur Teilnahme an einer Verlosung berechtigt". Dazu muss der vollständig ausgefüllte Fragebogen bis spätestens 16. Mai gesendet werden an: statdtbuecherei@stadt-roth.de beziehungsweise in der bibliothekseigenen Rückgabeklappe landen.

Die Idee zur geschichtlichen "Schnitzeljagd", die sich "auch für Familien" eigne, hatten Museumspädagogin Anne Roßius, Stadtbücherei-Leiterin Susanne Höcker und Jugendhaus/-büro-Chefin Karin Reich gemeinsam. Was sich dabei gut traf: Für die Entwicklung des ortsspezifischen Abenteuer-Trips ließ sich auf bereits vorhandenes Material zurückgreifen. Im Herbst 2017 hatte das Museum Schloss Ratibor die Ausstellung "Roth im Nationalsozialismus" gezeigt, aus der sich die Impulse für den aktuellen Rätselparcours denn auch speisen.

Vergangene Ausstellung digital reaktiviert

Die vergangene Schau werde bei dieser Gelegenheit noch einmal "digital reaktiviert", verspricht Anne Roßius. Zu finden sei sie dann auf der Homepage des Museums: www.schloss-ratibor.de

Wer sein erworbenes Wissen im Anschluss an die Koordinatenjagd (oder vorher) vertiefen will: Von 6. April bis 14. Mai können auch die Ausstellungs-Medien in der Rother Stadtbücherei entliehen werden – gemäß vorheriger Terminabsprache! Neben Filmen wie "Jojo Rabbit" laden vor allem Bücher für Teenager zur Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich ein, erläutert Susanne Höcker. Den Schulen stehe indes stets ein Literaturkoffer mit einschlägigen Materialien zur Verfügung.

Einig sind sich Höcker, Roßius und Reich vor allem darin, dass das Thema Nationalsozialismus "null von seiner Brisanz eingebüßt" habe. Im Gegenteil. "Gerade in Corona-Zeiten tritt rechtes Gedankengut wieder verstärkt auf den Plan", so Karin Reich. Im Idealfall mache die pfiffige Geo-Rallye also nicht nur Spaß, sondern sensibilisiere auch für solche Strömungen …

INFOAnmeldungen ab sofort und weitere Infos unter www. jugendbuero-roth.feripro.de/Oster-Programm 2021/Veranstaltungen & Anmeldung

 

PETRA BITTNER

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