Folge der Kirchenaustritte

Roth: Evangelische Gemeinde stellt Immobilien auf den Prüfstand

24.6.2021, 18:37 Uhr
Gerade Dorfkirchen wie hier in Bernlohe will die evangelische Kirchengemeinde Roth auf jeden Fall halten.
 

Gerade Dorfkirchen wie hier in Bernlohe will die evangelische Kirchengemeinde Roth auf jeden Fall halten.   © Stefanie Graff

„Erstellung eines Immobilienkonzeptes“ lautet der Auftrag, den alle evangelischen Kirchengemeinden von der Landeskirche bekommen haben. Denn Kirchengemeinden sind Immobilienbesitzer. Sie haben unter anderem Kirchen, Gemeindehäuser und Pfarrhäuser, die sie für die Gemeindearbeit nutzen, aber auch verwalten und unterhalten müssen.

Beim Bauunterhalt hilft die Landeskirche mit Zuschüssen. Damit wird diese aber in Zukunft zurückhaltender umgehen. Die Zahl der Kirchenmitglieder schrumpft seit Jahren, dadurch kommt weniger Geld in die Kassen. Damit werden die kirchlichen Immobilien an vielen Orten zur drückenden Last der kirchlichen Haushalte.


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Und zwar so sehr, dass den Ortsgemeinden durch verpflichtende Rücklagenbildung und tatsächlich zu finanzierende jährliche Unterhaltskosten Mittel gebunden werden, die sie eigentlich dringend für ihre inhaltlichen Kernaufgaben bräuchten. Wer sich da nicht befreien kann, dem droht die totale Lähmung gemeindlicher Aktivitäten.

So gesehen will die Landeskirche die Gemeinden vor Schaden schützen, indem sie rechtzeitig die Reißleine zieht. Nur noch eine Kirche pro Gemeinde, so die zugespitzte Drohung von oben, könnte zum Beispiel in Zukunft bei Baumaßnahmen überhaupt noch bezuschusst werden.

Nur ein Gebäude trägt sich

Die Gemeinden jedenfalls sind aufgerufen, sich genau zu überlegen, welche Immobilien sie auf Dauer halten wollen und können, wenn sie deren Unterhalt mehr oder weniger alleine stemmen müssen.

Als Besitzerin einer ganzen Reihe von Gebäuden sieht sich die Kirchengemeinde Roth in der Pflicht, sich des Themas grundlegend und langfristig denkend anzunehmen. Nicht eine, sondern drei Kirchen (neben der Stadtkirche noch die Kreuzkirche am Friedhof und die Dorfkirche in Bernlohe) trägt die Kirchengemeinde, dazu das Gemeindehaus an der Mühlgasse, das Alte Rathaus, die beiden Pfarrhäuser am Kirchplatz mit dem Pfarramt, das Pfarrhaus des Sprengels 2 in der Marie Curie Straße, zu dem neben der Wohnung der Sprengelpfarrerin auch ein Gemeinderaum gehört, und das Gemeindehaus in Bernlohe.

Einzig das Alte Kantorat, das an den Hof des Pfarrhauses 1 angrenzt, trägt sich durch Mieteinnahmen selbst.

Mit gut 6000 Mitgliedern gehören die Rother zu den größeren Kirchengemeinden in Bayern. Aber auch diese Gemeinde schrumpft und liegt mit einem Mitgliederverlust von 14 Prozent über die letzten zehn Jahre genau im Landesdurchschnitt. Auf Dauer, da sind sich alle einig, wird man nicht alle Häuser halten können. Aber wo den Fokus setzen, um mit den verbleibenden oder anderen Häusern und Räumen auch in Zukunft lebendige, vielfältige und attraktive Gemeindearbeit leisten zu können?

"Nicht einfach irgendwas verkaufen"

„Nicht einfach irgendwas verkaufen, sondern mutig und überlegt trotz schwieriger Rahmenbedingungen Freiräume gestalten für die Zukunft der Gemeindeentwicklung“, nennt der geschäftsführende Pfarrer Joachim Klenk das Ziel des Prozesses, der gerade stattfindet. Räume und Platz für Gestaltung und Entwicklung schaffen und gleichzeitig ein stabiles finanzielles Fundament sichern. Wie man dorthin gelangen kann, darüber gibt es im Kirchenvorstand sehr unterschiedliche Auffassungen und Ideen. Aber auch den festen Willen, gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Die Entscheidungen, die hier zu treffen sind, sind weitreichend und nicht ohne schmerzliche Einschnitte umzusetzen. Das Gemeindehaus verkaufen? Das Alte Rathaus abgeben? Sich vom Pfarrhaus 2 auf der Kupferplatte trennen? Die Aktivitäten der Gemeinde räumlich direkt an der Kirche bündeln? Das Pfarrhaus zum Gemeindezentrum machen? Mehr auf Kooperationen statt auf eigene Räume bauen?

Das letzte Wort hat München

Verschiedene Arbeitsgruppen haben sich in den letzten Wochen dazu den Kopf zerbrochen. Ein Berater der Gemeindeakademie Rummelsberg hat den Prozess unterstützend begleitet. Entwickelt wurden mehrere denkbare Szenarien, die im Einzelnen noch auf Realisierbarkeit mit dem Landeskirchenamt abgeklopft werden müssen.

Die Verwalter im fernen München haben bei Angelegenheiten kirchlicher Immobilien stets das letzte Wort. Ohne deren ausdrückliche Genehmigung können kirchliche Immobilien, auch wenn sie den Gemeinden gehören, weder veräußert, noch umgebaut, noch in ihren Funktionen umgewidmet werden. Das macht es den Akteuren vor Ort nicht unbedingt leichter, flexibel gute Lösungen zu finden.


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An den Grundfesten der evangelischen Kirche in Roth wird das Immobilienkonzept wohl nicht rütteln. Die Kirchen sollen erhalten bleiben, auch die im Dorf, wenn auch die Gemeindemitglieder und Dorfbewohner mehr eigenen Einsatz bei deren Unterhalt zeigen werden müssen. Mit allen Akteuren der Gemeindearbeit, von der Jugend über die Kirchenmusik bis zu den Senioren, muss jetzt geredet werden.

Denn nun ist man an einem Punkt, an dem die ganze Angelegenheit aus dem KV heraus in die öffentliche Debatte zu bringen ist. Als Auftakt dazu soll die Gemeindeversammlung am 11.Juli dienen, die anstelle des Gemeindefestes stattfindet. Wenige Tage danach wird sich der KV noch einmal zu einer Sondersitzung treffen. Parallel dazu laufen permanent Abstimmungsgespräche mit dem Landeskirchenamt.

Über den Sommer soll dann aus den verschiedenen Szenarien ein konkretes Konzept erarbeitet werden. Am 31. Oktober, dem Reformationstag, soll die Entscheidung getroffen sein. Als Ziellinie zur Umsetzung gilt das Jahr 2030.