Mittwoch, 19.05.2021

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Rund um Roth: "Der Spargel hat Frühlingsgefühle"

Die Ernte im Raum Roth und Schwabach nimmt Schwung auf – "Spinnen" als gute Helfer - 03.05.2021 11:00 Uhr

Den geernteten Spargel präsentieren hier stolz Hans Hochmeyer und seine Söhne Christian und Andreas (von rechts, stehend). Gattin Adele und Freundin Miriam Merkl legen derweil schon wieder Hand an.
 

02.05.2021 © Jürgen Leykamm, NN


Kaum eine ruhige Minute gibt es da etwa auf dem Spargelhof Miederer in Liebenstadt. Dort freuen sich Anna und Johannes Maderer über so manchen "Großeinkäufer". Für Thalmässings ehemaligen Bürgermeister Ernst Schuster etwa dürfen es gleich fünf Kilo sein. "Zwei esse ich, die anderen drei werden verschenkt", sagt er, während die junge Chefin ihm die gewünschte Menge aushändigt. Der nächste Kunde sieht sich vor der schwierigen Frage: "Kurze oder lange Stangen?" Er zögert, doch dann wird ihm die Entscheidung leicht gemacht: "Nehmen Sie die kurzen, da sind mehr Köpfe dabei."

So locker geht das nur in den Hofläden. Als Handelslieferant ist Martin Walther aus Großweingarten dagegen den EU-Längenvorgaben verpflichtet. So werden die weißen Stangen dort in der Sortiermaschine auf die geforderten 22 Zentimeter zurechtgestutzt. Danach landet das Erntegut nach zwölf Qualitätsstufen sortiert in den Behältern. Kühlung ist Trumpf: Nach dem Stechen geht es in den Spargelwäscher, dann in den sogenannten Schockschrank. "Dort wartet eine Eiswasser-Dusche", erklärt der Betreiber des Obsthofs in dem Spalter Ortsteil. Nach dem Sortieren sorgen Eiswürfel für Kälte und stabile Qualität.

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Garant für den Erfolg ist aber auch hier in erster Linie der Mensch und nicht die Maschine. Zehn Saisonkräfte packen mit an – Daniel Demeny aus Rumänien sogar an seinem Geburtstag. Vormittags wird gestochen, nachmittags sortiert. Neben Martin Walther sorgen sein Vater Anton und sein Bruder Bernd dafür, dass der Laden läuft - und natürlich die "adlige" Schwester, Roths Spargelprinzessin Julia.

Eine ihrer Vorgängerinnen, Angelika Böhm, hilft heute noch gern bei der Ernte auf dem Spargelhof Bachinger in Belmbrach mit, dem sie entstammt. Dort kann Betriebsleiter Christian Bachinger nicht nur auf die Hilfe seiner Eltern, sondern auch auf die seiner drei weiteren Schwestern zählen. "An den Wochenenden helfen auch die Lebenspartner mit", ist er erleichtert. Denn helfende Hände werden bei der großen Nachfrage dringend gebraucht. "Wer bei uns kauft, sollte deshalb unbedingt vorbestellen", rät er.

Saisonarbeiter dringend gesucht!

Auf der Suche nach Hilfskräften haben die Spargelbauern vergangenes Jahr ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Ausländische Saisonkräfte zu gewinnen, erwies sich im ersten Corona-Jahr als äußerst schwierig. Gleichzeitig aber wurde die Werbetrommel bei der einheimischen Bevölkerung gerührt. Und das hat gefruchtet.

Zum Beispiel beim Betrieb Hochmeyer in Allersberg-Brunnau. "Da bekamen wir sehr viele Anrufe", blickt Adele Hochmeyer zurück. Viele Gespräche mündeten in Saisonarbeitsverhältnisse. Auch die Tochter einer Kundin packte 2020 kräftig mit an – heuer ist sie selbst mit dabei. Der Dank der Chefin ist ihr gewiss: "Gestern bin ich schon etwas auf dem Zahnfleisch gelaufen", gibt sie zu. "Da standen die Kunden schon um viertel neun vor der Tür, obwohl erst um neun geöffnet ist." Der Appetit auf Spargel ist eben riesengroß.

Das macht sich der Federhof bei Hilpoltstein zunutze. Hier begann man schon am Karfreitag mit dem Stechen und hatte zunächst noch mit Schnee zu kämpfen. Aber der Osterhunger konnte vielfach gestillt werden. Dass Markus Harrer und sein Team überhaupt so früh zu Werke gehen konnten, liegt an den Mini-Tunneln, die von der "Spargelspinne" auf- und wieder zugedeckt werden.

Tunnel lassen die Stangen wachsen

Die Tunnel wirken wie ein Gewächshaus, das Verfahren ist aber sehr aufwendig und kostenintensiv. Über das Foliensystem lassen sich die Temperatur steuern und Unkraut vermeiden. Auf dasselbe Prinzip setzen die Maderers und Walthers. Trotz dieser Kniffe gilt es aber, den Zeitpunkt des Stechens gut zu wählen. Für alle - auch für die vielen treuen Saisonarbeiter - ist heuer überdies wegen Corona ein ausgeklügeltes Hygienekonzept vonnöten – vom Feld bis zum Verkauf.

Und natürlich muss die Erntemenge stimmen. Dafür gibt es derzeit gute Anzeichen: "Der Spargel bekommt Frühlingsgefühle", sagt Martin Walther. "Wir wollen jetzt so richtig durchstarten." Auch beim Grünspargel, der sich traditionell etwas mehr Zeit lässt als sein weißer Kollege: "Der Spargel mag einfach die zweistelligen Zahlen auf dem Thermometer", erläutert Anna Maderer. Ob die Saison am Ende wirklich gut wird, "das hängt aber von den Eisheiligen ab", ergänzt Ehemann Johannes.

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JÜRGEN LEYKAMM

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